Parlamentarisches Patenschafts-Programm für 72 Stipendiaten abgebrochen 

Jäher Abschied für Wetterburgerin aus Amerika

Wetterburgerin aus USA zurück
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Erinnerung an bessere Zeiten: Hannah Wierschula vor der Corona-Krise am Grand Canyon. Foto: Privat

 Bad Arolsen-Wetterburg – Plötzlich mussten alle ausreisen. Hannah Wierschula, Stipendiatin des deutsch-amerikanischen Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) aus Wetterburg, kann gut zwei Wochen nach Rückkehr etwas lockerer über den jähen Abbruch des Aufenthaltes in den USA sprechen.

Eigentlich wäre sie - wie gut 70 weitere Stipendiaten - erst im Juli zurückgereist, doch die rasche Ausbreitung des Corona-Virus rund um den Erdball hat auch ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Überraschender Aufbruch

Am Tag nach der Ankündigung von Präsident Donald Trump, wonach keine EU-Europäer mehr in die Staaten einreisen dürften, kam die gemeinsame Entscheidung des US-State Departments und des Deutschen Bundestags per E-Mail, mit der das Programm jäh beendet wurde.

„Es war ein sehr überraschender und schneller Aufbruch und hat alle Teilnehmer auf beiden Seiten des Atlantiks wirklich sehr getroffen“, erklärt Hannah Wierschula rückblickend.

72 Stipendiaten betroffen

In zwei Tagen mussten die beiden Koffer gepackt, das Auto verkauft und die Versicherung gekündigt werden. In der Zwischenzeit waren über dieGesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Organisatorin des Programms auf deutscher Seite die Flüge für die 72 Stipendiaten nach Deutschland gebucht worden.

Ihr Gastgeber, ein ehemaliger Professor in Cincinnati (Ohio), konnte es auch kaum fassen. Er lud dann noch am Abend vor dem Rückflug zur Abschiedsparty ein.

Freiwillige Quarantäne

Von Cincinnati ging es zunächst nach Charlotte in North-Carolina und dann endlich mit den anderen Programm-Teilnehmern in einer Maschine vom Flughafen Newark in New York nach Frankfurt. Das war am 16. März, der Stress der Ausreise steckte allen in den Knochen.

Praktikum in Washington: Hannah Wierschula aus Wetterburg hat einige Monate im Büro eines Kongressabgeordneten in Washington gearbeitet. Das Foto entstand Anfang Anfang März vor dem Kongressge bäude. Foto: privat

Hannah Wierschula entschied sich für eine zweiwöchige freiwillige Quarantäne im Hause ihrer Eltern, wo sie täglich vom Gesundheitsamt des Landkreises angerufen und nach dem Befinden befragt wurde. Von den Familienangehörigen hielt sie Abstand, auch auf die Spaziergänge mit dem Hund musste sie verzichten.

Job in Aussicht gehabt

 Neben dem Jetlag als Folge der Zeitumstellung galt es auch, den jähen Wechsel zu verarbeiten. Schließlich lief alles in den USA gut: Die Gastfamilie passte, und beim Transportunternehmen DHL in Cincinnati hatte sie bis in den Juni hinein einen Job gefunden. In der Großstadt unterhält DHL den drittgrößten Knotenpunkt der USA, und dort wäre Hannah Wierschula in den Bereichen E-Commerce und Frachtverkehr eingesetzt gewesen.

Die Situation in Ohio schien noch nicht so dramatisch zu sein. Den Stipendiaten war vorher jedoch schon freigestellt worden, das Land zu verlassen, weil das Coronavirus in Deutschland schon um sich gegriffen hatte.

Erdnussbutter und WC-Papier

Doch kurz vor der überstürzten Abreise gab es auch in Cincinnati Hamsterkäufe: Die Regale mit Brot, Erdnussbutter und WC-Papier waren wie leer gefegt, berichtet die Wetterburgerin.

Auch wenn die Überraschung über das Ende groß war, so blieb doch auch Zeit für eine Video-Schaltung mit allen PPP-Teilnehmern und deren Gasteltern zum Abschied.

Zur Ruhe gekommen

„Wenn ich jetzt zurückblicke, war es wirklich gut, dass wir reibungslos das Land verlassen konnten“, sagt Hannah Wierschula. Etwas später wären Flugtickets schwer zu bekommen gewesen.

Mittlerweile ist Hannah Wierschula zur Ruhe gekommen. Die junge Industriekauffrau bemüht sich um einen Job und befasst sich mit einem Studium ab dem Herbst - wenn die Lage es zulassen sollte.

Hannah hält Kontakt zur Gastfamilie und zu weiteren PPP-Teilnehmern. Zwar sind alle ohne Covid 19-Infektion zurückgekehrt, doch einige hatten einen weniger guten Start in Deutschland, weil sie vor dem Austausch ihre Wohnungen gekündigt hatten, arbeitslos sind oder kein Kindergeld mehr gezahlt wird.

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