Diemelstädter Unternehmen für Mittelstands-Oskar nominiert

Jäkels Messer schneiden weltweit

Diemelstadt - Die Messerfabrik Jäkel in Diemelstadt blickt auf das umsatzstärkste Jahr der fast 85-jährigen Unternehmensgeschichte zurück und erwartet eine Steigerung. Gute Voraussetzungen für den „Oskar des Mittelstands“.

Für diese Auszeichnung der Oskar-Patzeld-Stiftung wurde das Familienunternehmen nominiert. Es gehört somit zu den 37 Firmen aus Waldeck-Frankenberg von den in diesem Jahr in Hessen insgesamt 191 nominierten Betrieben, wie der Wirtschaftsförderer des Kreises Waldeck-Frankenberg, Siegfried Franke, dazu erklärt. Neues Verwaltungsgebäude Vom neuen Verwaltungsgebäude am Standort Hellenberg in Rhoden lässt sich das potenzielle Einsatzgebiet der Produkte gut überblicken: robuste Messer werden für Häcksler, die Grünfutterernte, aber auch für den Rasenmäher im Garten benötigt. In Wrexen und in Rhoden werden Maschinenmesser und Verschleißteile für Landmaschinen und Gartengeräte hergestellt. Die Produkte kommen in Maschinen zum Einsatz, die von führenden Landmaschinenherstellern in Europa hergestellt und weltweit verkauft werden. Im vergangenen Jahr wurde der Rekordumsatz von 13,5 Millionen Euro erzielt: „Das erreichte Wachstum war nur durch sehr gute und motivierte Mitarbeiter und hohe Investitionen möglich“, resümieren die beiden Geschäftsführer Frank und Udo Jäkel. Die Brüder führen das Unternehmen in der dritten Generation, sind Diplom-Wirtschaftsingenieure und leiten jeweils den kaufmännischen beziehungsweise den technischen Bereich des Unternehmens. 100 Mitarbeiter werden dort gegenwärtig beschäftigt, so viele wie nie zuvor in der Firmengeschichte. Nach dem Umsatzrekord im vergangenen Jahr wird für 2012 nochmals ein Wachstum von 20 Prozent erwartet. Pro Jahr werden 6000 Tonnen Stahl zu 2,5 Millionen Maschinenmessern und Verschleißteilen verarbeitet. Die von den Kunden geschätzte Qualität wird durch die Vergütung des in Blechen und Coils angelieferten Stahls erreicht. Die Härtung des Rohstoffs ist eine Spezialität des 1928 durch Friedrich Jäkel gegründeten Unternehmens. Dazu werden die Metallteile auf Temperaturen von 900 Grad gebracht, danach werden sie gezielt abgekühlt und abermals auf 400 Grad erhitzt. Schließlich sind die Endkunden anspruchsvoll: Lohnunternehmen setzen auf langlebige Messer, ein Ausfall mitten in der Ernte wäre problematisch. Für die hohe Qualität und Verschleißfestigkeit werden die Stähle mit Wolfram-Carbiden beschichtet. „Da steckt unser Know-how drin“, sagt Udo Jäkel. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit der FH Köln in einem Projekt zusammen. Zusätzlich legen die Geschäftsführer großen Wert auf die mittlerweile standardmäßige Zertifizierung des Qualitätsmanagements im Betrieb nach der DIN ISO 9001. Zudem wird die Erfüllung der Norm DIN ISO 14001 für das Umweltmanagement bescheinigt. Das kommt nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Unternehmen in wirtschaftlicher Hinsicht zugute, weil Ressourcen und Energie eingespart werden. Anfang 2012 wurde das neue Verwaltungsgebäude in Rhoden bezogen. Ende dieses Jahres wird eine neue Lackieranlage in Betrieb gehen. Schrittweise wird die Produktion in den nächsten drei Jahren vom einstigen Stammsitz Wrexen nach Rhoden verlagert, sodass mittelfristig nur noch ein Unternehmensstandort im Industriegebiet direkt an der Autobahnanschlussstelle bestehen wird. Mit der Konzentration werden die Betriebsabläufe freilich wirtschaftlicher zu gestalten sein. Die Geschäftsführer setzen auf eine stetige Ausbildung von Mitarbeitern im kaufmännischen und technischen Bereich im und für den eigenen Betrieb. Zum 1. August werden zwei angehende Werkzeugmechaniker und eine Industriekauffrau ihre Lehrstelle bei Jäkels antreten. Um langfristig den Nachwuchs im Unternehmen zu sichern und auch die Regionen Nordwaldeck sowie Ostwestfalen-Lippe attraktiv zu erhalten für junge Arbeitskräfte, hat das Diemelstädter Unternehmen das die Landesgrenze nach NRW überschreitende Ausbildungsbündnis Bang mitgegründet. Im vergangenen Jahr ist ein von mehreren Mitgliedsfirmen geschaffener Ausbildungsbetrieb in Scherfede eröffnet worden. Bei Jäkel sind inzwischen je zur Hälfte Beschäftigte aus Ostwestfalen und dem Waldecker Land tätig. Die Brüder Jäkel blicken optimistisch in die Zukunft, auch wenn das Geschäft von Schwankungen geprägt ist. Der Standort Deutschland sei zukunftsträchtig, die Vorteile in Osteuropa mit günstigeren Produktionsbedingungen hätten sich reduziert. Die Lage des Betriebs an der Autobahn 44 Dortmund – Kassel sei von großem Vorteil für das Unternehmen.Gleichwohl haben die Messerproduzenten 2009 ebenfalls eine Flaute angesichts der weltweiten Krise erlebt. Für das kommende Jahr wird eine, eventuell etwas geringere, Auftragslage auf einem nach wie vor hohen Niveau erwartet. Für den Schub am Markt hat auch die erhebliche Nachfrage aus Osteuropa und Asien gesorgt. Dabei können katastrophale Dürreperioden, wie sie momentan die USA erleben, das Geschäft stark beeinträchtigen.

Die den Mittelstandspreis auslobende Oskar-Patzelt-Stiftung nominiert bundesweit Bewerber. Diese müssen dann einen umfangreichen Fragenkatalog zur Entwicklung des Unternehmens, zu Arbeits- und Ausbildungsplätzen, zu Modernisierungsmaßnahmen, zum Engagement in der Region sowie zu Kundennähe, Service und Marketing abarbeiten.Von den 2012 in Hessen nominierten 191 mittelständischen Betrieben stammen 37 aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg. Am 29. September werden in Würzburg die Preisträger und Finalisten aus den Wettbewerbsregionen Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen geehrt. Erst an diesen Abenden werden die Preisträger bekannt gegeben. Je Wettbewerbsregion sind es drei Unternehmen als Preisträger und fünf als Finalisten. (ah)

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