80 Jäger und Treiber rücken im Fürstlichen Forst aus

Wie die Jagd in Bad Arolsen Wald und Flur dient

Die Wildschäden durch Schwarzwild im Aartal sind unübersehbar. Deshalb war am Montag eine Drückjagd in mehreren Arolser Jagdrevieren angesetzt. Forstamtsleiter Achim Frese hatte dazu Ansitze und das Vorgehen der Treiber generalstabsmäßig vorbereitet.

In Bad Arolsen dient die Jagd Wald und Flur, dabei rücken 80 Jäger und Treiber im Fürstlichen Forst aus.

80 Jäger und Treiber rückten zur Drückjagd im Fürstlichen Forstamt aus. Neben dem Erlebnis in der Natur dient die Jagd auch dem Schutz des Waldes vor Verbiss und als Vorsichtsmaßnahme vor der Afrikanischen Schweinepest. 

Es ist 7.15 Uhr. Die Stadt erwacht. Die Straßen liegen noch im Dunkel, doch auf dem Schlosshof herrscht schon reges Treiben. Rund 80 Jäger und Treiber in orangefarbenen Westen drängen sich um das hell erleuchtete rechte Wachhaus und lassen sich im für die Drückjagd registrieren, die das Fürstliche Forstamt angesetzt hat.

Die Grenzen der Jagd

Zwischen der Großen Stellung in Helsen, die im Volksmund Himmelswiese genannt wird, und dem Aartal soll an diesem Morgen revierübergreifend gejagt werden. Auf einem Gebiet also, das etwa 500 Hektar entspricht.

„Die Jagd ist freigegeben beim Schwarzwild auf Frischlinge und Überläufer bis 50 Kilo, und starke Keiler, außerdem für Rehwild“, lautet die Parole, die Prinz Carl Anton zu Waldeck und Pyrmont vor den versammelten Jägern ausgibt. Damit ist jedem der Anwesenden klar: Führende Bachen sind tabu, bejagt wird der Nachwuchs, nicht das Leittier.

Die Wildschäden durch Schwarzwild im Aartal sind unübersehbar. Deshalb war am Montag eine Dr ückjagd in mehreren Arolser Jagdrevieren angesetzt. Forstamtsleiter Achim Frese hatte dazu Ansitze und das Vorgehen der Treiber generalstabsmäßig vorbereitet.

„Überläufer“ sind in der Jägersprache natürlich keine Spione, sondern Jungtiere, die auf dem Weg vom Frischling zur Bache oder zum Keiler gerade das zweite Lebensjahr erreicht haben.

Strenge Regeln

„Wenn wir die alte Leitbache abschießen würden, wäre das je nach körperlicher Entwicklung der Frischlinge nicht tierschutzgerecht“, erklärt Achim Frese, der als Leiter des Fürstlichen Forstamts, die Jagd an diesem Morgen zusammen mit Prinz Carl Anton hat.

Aktuell ist die Population des Schwarzwilds so groß, dass die Schäden an Wiesen und Felder immer mehr zunehmen. Da die Wildschweine auch als Überträger der für Menschen völlig ungefährlichen Afrikanischen Schweinepest gelten, die sich seit Jahren von China kommend immer weiter nach Westen hin ausdehnt, gibt es einen weiteren Grund die Bestände zu reduzieren. Sogar die hessische Umweltministerin Priska Hinz von den Grünen hat daher die Jäger dazu aufgerufen, verstärkt Schwarzwild zu jagen.

Die Wildschäden durch Schwarzwild im Aartal sind unübersehbar. Deshalb war am Montag eine Drückjagd in mehreren Arolser Jagdrevieren angesetzt. Forstamtsleiter Achim Frese hatte dazu Ansitze und das Vorgehen der Treiber generalstabsmäßig vorbereitet.

Im Aartal und im Remmeker Feld hatten sich die Klagen der Landwirte über Schwarzwildschäden an Grünlandflächen gehäuft. Offenbar leben hier so viele hungrige Wildschweine, dass es sie immer wieder auf die saftigen Wiesen lockt, wo es großen Mengen Würmer und Käferlarven auszugraben gibt. Wenn sich eine Wildschweinrotte erst mal auf so einer Wiese ausgetobt hat, dann wächst hier so schnell kein Gras mehr.

Schäden im Wald

Die Wildschweine finden in den Naturverjüngungsbeständen des Arolser Holzes, die sich in den 15 Jahren nach dem Orkan Kyrill entwickelten, gute Einstandsmöglichkeiten, von denen sie regelmäßig auf die Grünlandflächen ziehen. Deshalb lag hier auch ein Schwerpunkt der revierübergreifenden Jagd. Naturverjüngung ist auch auf den neuen Windwurfflächen, die nach Friedericke entstanden und die durch die massive Ausbreitung der Borkenkäfer im vergangenen Sommer enorme Ausmaße angenommen haben, ein wichtiges Thema.

Letzte Anweisungen vor der Treibjagd für alle Beteiligten.

Wenn im kommenden Frühjahr neue Pflanzen aus den unzähligen Samen im Waldboden austreiben, dann sind die zarten Triebe für das Rehwild ein besonderer Leckerbissen. Deshalb legt das Fürstliche Forstamt bei dieser dritten Jagd der Saison großen Wert darauf, dass möglichst viele Rehe zur Strecke gebracht werden. 

Schutz vor Wildverbiss

Forstamtsleiter Frese rechnet vor, dass die Aufarbeitung der Windwurfflächen enorme Kosten verursacht hat. Am Ende sei der Aufwand fast so hoch wie der Restwert des Schadholzes gewesen. Schlimmer noch sei der Verlust dadurch, dass das gefallene Holz in den kommenden Jahren nicht wie geplant geerntet werden könne. Wenn jetzt auch noch in die Wiederaufforstung investiert werden solle, müsse man einigermaßen sicher sein, dass die heranwachsenden Bäume nicht durch zu viele hungrige Rehe aufgefressen würden.

Die Wildschäden durch Schwarzwild im Aartal sind unübersehbar. Deshalb war am Montag eine Drückjagd in mehreren Arolser Jagdrevieren angesetzt. Forstamtsleiter Achim Frese hatte dazu Ansitze und das Vorgehen der Treiber generalstabsmäßig vorbereitet.

Am Ende des Jagdtages wurden 37 Sauen und 42 Stück Rehwild zur Strecke gebracht. Das sind deutlich weniger als noch bei der letzten Jagd im Dezember. Die gesunkenen Zahlen könnten darauf hindeuten, dass der aufgebaute Jagddruck die gewünschte Wirkung hatte.

Das ist das Ergebnis

Frese: „Im gesamten Jagdjahr wurde aber mit 8,4 Stück Schwarzwild pro 100 Hektar ein sehr guter Jagderfolg erreicht.“ Das sei jedenfalls ein Beitrag zur Vorbeugung gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest.

Ähnliche Anstrengungen unternehmen Jäger in den östlichen Bundesländern sowie in Polen und Tschechien.

Bleibt die Frage: Was geschieht mit dem ganzen Wildfleisch? Das Wildbret gehört dem Jagdherren, also der Fürstlichen Forstverwaltung, die dafür auch Abnehmer hat. Ein Gutteil wird von einem heimischen Metzger nach den gleichen Hygieneregeln wie die Schweine aus bäuerlicher Produktion zu Wurst verarbeitet. 

Gutes Wildbret

Die Wurst und Edelstücke werden in der Fürstlichen Wildkammer direkt am Arolser Schloss zum Verkauf angeboten. Sogar in einem Bad Arolser Supermarkt wird die Wildleberwurst aus fürstlichen Wäldern angeboten. „Dennoch könnte die Nachfrage nach Wildfleisch größer sein“, wirbt Frese: „Das ist bio durch und durch. Das Fleisch schmeckt hervorragend und hätte einen besseren Preis verdient.“ 

Aber viele trauten sich einfach nicht an Wildrezepte heran. Es sei schade, dass viele Verbraucher heute meinten, Wurst und Fleisch müsse in Folie eingeschweißt aus der Kühltheke des Supermarktes kommen. Frese: „Wer Wild nicht probiert, der hat was versäumt.“

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