Klare Ansage an einen besonders aggressiven Heranwachsenden

4,5 Jahre Jugendhaft

Arnsberg/Bad Arolsen - „Wieder haben wir eine weinende Mutter im Gerichtssaal, die wegen ihres Sohnes leiden muss“, so der Vorsitzende Richter der 2. Großen Strafkammer beim Landgericht Arnsberg nach der Urteilsverkündung gegen einen 19-Jährigen aus Nordwaldeck.

Insgesamt waren drei Männer im Alter von 19, 31 und 37 Jahren aus Diemelstadt und Arolsen wegen Körperverletzung, Verstoßes gegen das Waffengesetz, Raubes, erpresserischen Menschenraubes und Geiselnahme angeklagt. Nach dem ersten Prozesstag am 12. Juli stand am Mittwoch die Urteilsverkündung an. Der 31-Jährige hatte die beiden anderen angeheuert, um einer Frau zu helfen, die angeblich von ihrem Freund geschlagen wurde. Den Rachefeldzug unternahmen die drei mit zwei Pistolen und einem Butterfly-Messer. Nachdem man in die Wohnung des Paares eingedrungen war, erhielt der angebliche Peiniger einen Faustschlag ins Gesicht, man hielt ihm eine Pistole an den Kopf und bedrohte ihn. Über vier Stunden musste er in der Gefangenschaft des Trios verbleiben. Nach der Beweisaufnahme und einer rechtlichen Überprüfung durch das Gericht kam man zu dem Schluss, dass die anfänglichen Vorwürfe nicht in ihrer ganzen Breite haltbar waren, der Vorgang sei nicht ganz so dramatisch gewesen wie anfangs angenommen. Gegen den 37-Jährigen wurde das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt. Er hatte sich – auch nach Schilderung des Opfers – aus der Sache größtmöglich herausgehalten. Trotzdem saß er als Einziger in Handschellen auf der Anklagebank, denn zwischenzeitlich war gegen ihn in einer anderen Sache Untersuchungshaft angeordnet worden. Dafür muss er sich demnächst verantworten. Gegen den 31-Jährigen wurde das Verfahren abgetrennt, denn in einem Gutachten soll seine Schuldfähigkeit geprüft werden. Dieser Angeklagte soll zur Tatzeit einen Alkoholspiegel von rund 3,5 Promille gehabt haben. „Wir lägen bei diesem Alkoholspiegel mit lebensrettenden Maßnahmen auf der Intensivstation“, so der Vorsitzende Richter Willi Erdmann zu dem Angeklagten, gegen den das Gericht den Haftbefehl unter strengen Auflagen außer Vollzug setzte. Die Erstellung des Gutachtens kann Monate dauern. Nur gegen den 19-jährigen Heranwachsenden wurde der Prozess fortgesetzt. Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe stellte Reifeverzögerung fest und beantragte, das Jugendstrafrecht anzuwenden. Der Heranwachsende leide unter Selbstwertproblemen. So wurde der 19-Jährige schließlich wegen Körperverletzung, Beihilfe zu schwerem Raub, Nötigung, Beihilfe zu erpresserischem Menschenraub und Freiheitsberaubung zu einer Jugend-Freiheitsstrafe von insgesamt vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der bestehende Haftbefehl wird aufrechterhalten. Das Gericht beschloss, von dem Verurteilten eine DNA-Probe entnehmen zu lassen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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