Neuwahl ist am Sonntag Thema bei der Jahrestagung in Bad Arolsen

Jürgen Römer gibt Vorsitz des Waldeckischen Geschichtsvereins ab

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Das vor einem Jahr gewählte Führungstrio des Waldeckische Geschichtsvereins – von links: die stellvertretende Vorsitzende Britta Hein aus Korbach, der Vorsitzende Dr. Jürgen Römer und der stellvertretende Vorsitzende Thomas Kraft aus Bad Wildungen.

Bad Arolsen – Der Waldeckische Geschichtsverein verliert seinen Vorsitzenden: Nach knapp einem Jahr im Amt hat Dr. Jürgen Römer aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt.

„Es ist uns trotz intensiver Bemühungen in der Kürze der Zeit nicht gelungen, einen geeigneten Kandidaten oder eine geeignete Kandidatin für den Vorsitz vorschlagen zu können,“ erklärt der stellvertretende Vorsitzende Thomas Kraft. Die Neuwahl steht bei der Jahrestagung am Sonntag in Bad Arolsen zwar auf der Tagesordnung, aber: „Wir gehen derzeit davon aus, dass eine Wahl am Sonntag nicht erfolgen kann“, sagt Thomas Kraft.

Der geschäftsführende Vorstand würde den Verein daher ein Jahr kommissarisch führen, in der Zeit soll eine dauerhafte Lösung gefunden werden. 

Turbulenzen nach dem Amtswechsel

Die Lage des 1862 gegründeten Geschichtsvereins hat zu tun mit dem Abtritt des bisherigen Vorsitzenden Heinrich Paul und seines Bruders Manfred Paul, der Geschäftsführer war. Beide waren wie berichtet im vorigen September in Hesperinghausen nicht wieder zur Wahl angetreten – nachdem interne Kritik an ihrer Amtsführung laut geworden war. 

Im „Mitteilungsblatt“ des Vereins umschreibt Dr. Römer: Im Vorstand sei „nicht immer alles zur Zufriedenheit aller verlaufen“. So zogen sich die Brüder zurück – eine geordnete Übergabe der Amtsgeschäfte hat es offenkundig nicht gegeben. 

„Gewaltige Aufgabe“

Daher habe der neue Vorstand vor einer „gewaltigen Aufgabe“ gestanden, schreibt Dr. Römer. Den Pauls wirft er „mangelnde Kooperationsbereitschaft“ vor, was „die Probleme erheblich verschärft“ habe. Es habe lange gedauert, „bis die dringendsten Fragen geklärt werden konnten“.

 Erschwerend hinzu kam, dass das Schreibersche Haus in Bad Arolsen nach einem Wasserrohrbruch und Schwammbefall saniert werden musste – dort befindet sich die Geschäftsstelle des Vereins mit der Bibliothek. 

Außerdem hatte sich bei der Wahl im vorigen Jahr kein neuer Geschäftsführer gefunden. „Sein Fehlen hat uns die Arbeit unglaublich erschwert“, schildert die stellvertretende Vorsitzende Britta Hein. 

„Notbremse“ gezogen

Der Rücktritt von Dr. Jürgen Römer kam für viele überraschend. Er führt im „Mitteilungsblatt“ des Vereins „gesundheitliche Probleme“ als Grund an – derzeit befindet er sich noch in Reha. 

„Wir danken ihm, er hat viel geleistet“, betont die Vizevorsitzende Britta Hein. Sie weiß: Der Vorsitzende des mehr als 1300 Mitglieder starken Vereins hat schon in normalen Zeiten ein großes Arbeitspensum und einige Repräsentationspflichten – wobei sich der Aufwand durch die Probleme nach der Amtsübernahme 2018 noch gesteigert habe. Und Dr. Römer hat seinen zeitintensiven Beruf: Er leitet den Fachdienst Regionalentwicklung der Kreisverwaltung. 

Angesichts der „enormen Belastung“ habe er „die Notbremse ziehen“ müssen, schreibt er: Im Juli teilte er dem Vorstand mit, dass er zurücktreten müsse. 

Knapp 20 Jahre hat Dr. Römer dem erweiterten Vorstand des Vereins angehört, einige Jahre war er Vorsitzender der Schriftleitung, die über Buchprojekte entscheidet und die renommierten „Geschichtsblätter“ herausbringt. 

Seit acht Jahren ist er zudem Vorsitzender der Lichtenfelser Bezirksgruppe. Auch dieses Ehrenamt will er abgeben. Er werde dem Verein aber erhalten bleiben, betont er – „bis auf weiteres als einfaches Mitglied“.

Ehrenamtliche Unterstützer

Vieles sei inzwischen aufgearbeitet, berichtet Britta Hein:

Das Schreibersche Haus in Bad Arolsen: Dort ist die Geschäftsstelle des Geschichtsvereins mit der Bibliothek und dem Archiv untergebracht.

Mit dem Vasbecker Philipp Wilhelm Emde fand sich im Februar ein versiertes Mitglied zur Betreuung der Bibliothek und des Archivs. Mit seinem Vater Dirk Emde stellt er regelmäßige Öffnungszeiten zwei Mal in der Woche sicher. 

Und der Vorstand hat mit dem Korbacher Studenten Philipp Wecker jemanden gefunden, der die Geschäftsstelle betreut und den Schriftverkehr abwickelt. 

Zum Aufbau des Mundart-Archivs hat der Verein dem Wahl-Massenhäuser Andreas Karl Böttcher einen „ehrenamtlichen Auftrag“ erteilt. 

Plan: angestellter Geschäftsführer

Der Vorstand strebe an, durch eine Satzungsänderung den Posten eines angestellten Geschäftsführers einzuführen, der dem Vorstand rechenschaftspflichtig sei, berichtet Hein. Darüber sollen die Mitglieder bei der Tagung im nächsten Jahr entscheiden. Und bis dahin hofft der Vorstand, einen geeigneten Kandidaten für den Vorsitz gefunden zu haben. 

Die Geschäfte des Vereins würden derzeit vom vierköpfigen Vorstand aus den Vizevorsitzenden, dem Schriftführer und dem Schatzmeister geführt, erklärt Hein. „Das funktioniert, der Verein ist voll handlungsfähig“, betont sie. „Wir ziehen alle an einem Strang.“ 

Team hat sich gefunden

Der beschwerliche Start des neuen Vorstands habe auch etwas Positives bewirkt: In den vergangenen Monaten habe sich eine gute Zusammenarbeit im Team und mit dem erweiterten Vorstand entwickelt – die Vorsitzenden der sieben Bezirksgruppen seien mit eingebunden. „Die Treffen sind immer sehr fruchtbar“, sagt Hein. „So möchten wir es auch weiter haben.“ 

Hein hofft, dass sich der Verein nach den weitgehend überstanden Querelen endlich wieder den inhaltlichen Arbeiten zuwenden kann. (-sg-)

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