Stadtverordnete signalisieren Bereitschaft, erneut über die Schließung nachzudenken

Jugendzentrum sucht Unterstützer

Eltern und Jugendliche im Gespräch mit Stadtverordneten: Die Sitzplätze im Jugendzentrum reichten am Mittwoch nicht aus, um allen Diskussionsteilnehmern ein Platz anzubieten. Fotos: Schulten

Volkmarsen - Hat das Jugendzentrum Count Down in Volkmarsen doch noch eine Zukunft? - Diese Hoffnung keimte am Mittwochabend bei der Versammlung der Count-Down-Unterstützer auf. Unter ihnen immerhin elf Stadtverordnete, Magistratmitglieder und Bürgermeister Hartmut Linnekugel.

„Auch ein Kommunalpolitiker hat das Recht sich zu irren“, versuchte der frühere FDP-Stadtverordnete Ernst Klein eine Brücke zu bauen und appellierte an die aktuellen Stadtverordneten, sich noch einmal zusammenzusetzen und nach einer Lösung für den Erhalt der städtischen Jugendarbeit zu suchen.

Als Sprecherin der von der Schließung betroffenen Jugendlichen bot sich die Berufsschullehrerin Jenny Ried an, die aus ihrer Erfahrung beim Berufsbildungswerk die Bedeutung der offenen Jugendarbeit beschrieb: „Jugendarbeiter sind die, die viele Jugendliche alltagstauglich machen, die bei Problemen mit Schule und Elternhaus die die letzten Ansprechpartner sind. - Warum wird hier etwas Bestehendes und Funktionierendes beendet? Was kann man tun, um das Jugendzentrum zu erhalten?“

Anlaufstelle wichtig

Ähnlich äußerte sich Kathrin Harder, die das Sozialgesetzbuch zitierte und feststellte, dass Jugendsozialarbeit eine kommunale Aufgabe sei. Die städtischen Kindergärten und das Familienzentrum seien zu wenig. Dort gehe die Betreuung nur bis zum 14. Lebensjahr. Ältere Jugendliche hätten keine adäquate Anlaufstelle. Dabei wisse doch jeder Pädagoge, wie wichtige eine verlässliche Bindungsperson sei.

Ihrer Meinung nach hätten CDU und FWG bei der jüngsten Entscheidung im Stadtparlament eine tragfähige Alternative vorlegen müssen. Die im Jugendzentrum anwesenden Stadtverordneten von SPD und FDP sahen sich bestätigt.

Allerdings warb Thomas Neutze (FDP) für Verständnis für die unpopulären Sparbemühungen: „Wir müssen handeln, denn die Aufsichtsbehörden halten uns vor, dass wir zwei Freibäder und vier Büchereien unterhalten. Dann muss jedes Mal erklärt werden, dass die Büchereien klein sind und ein Freibad einen Trägerverein hat.“

Politische Entscheidung

SPD-Fraktionsvorsitzender Bruno Kramer rechnete vor, dass eine vergleichsweise geringe zusätzliche Anhebung der Grundsteuer um 13 Prozentpunkte ausgereicht hätte, um die jährlichen Betriebskosten des Jugendzentrums von 47000 Euro zu decken. Aber es sei eben politischer Wille von CDU und FWG gewesen, die Grundsteuer nicht noch weiter anzuheben und stattdessen das Jugendzentrum zu schließen.

Von den so Kritisierten war am Mittwochabend lediglich der FWG-Fraktionsvorsitzende Klaus Teppe anwesend. Der räumte ein, dass die Stellen im Jugendzentrum in den vergangenen Jahren von fast zwei auf eine halbe reduziert worden seien: „Die Streichung wurde uns aber auch sehr einfach gemacht. In den zwei Monaten, in denen wir in öffentlichen Sitzungen darüber diskutierten, gab es fast keine öffentliche Reaktionen aus der Bevölkerung.“

Teppe zeigte sich beeindruckt von den Eltern und Freunden des Jugendzentrums und appellierte: „Die, die sich jetzt für das Jugendzentrum stark machen, dürfen aber nicht nachlassen und müssen ihre Energie weiter für das Jugendzentrum einsetzen.“

Bürgerbegehren prüfen

Die anwesenden Unterstützer brachten ein Bürgerbegehren für den Erhalt des Jugendzentrums ins Gespräch und überlegten, ob man nicht einen Förderverein gründen wolle. Aber auch die katholische und evangelische Kirche sollten um Unterstützung gebeten werden.

Arno Walprecht von der Unabhängigen Liste bekräftigte, dass all das und eine erneute Diskussion im Stadtparlament richtig und wichtig seien. Am Ende aber gehe es auch um Mehrheiten. Deshalb sei es Schade, dass kein Vertreter der CDU am Gespräch im Jugendzentrum teilgenommen habe.

Am Donnerstagmorgen hat daher die WLZ-Redaktion den CDU-Vorsitzenden Thomas Viesehon um eine Stellungnahme. Der bat um Verständnis, dass er selber wegen der Sitzungswoche des Bundestages in Berlin sei. Weitere führende Köpfe der CDU seien wegen Erkrankung und anderer Termine nicht verfügbar gewesen.

Sache des Landkreises

Zur Zukunft des Jugendzentrums stellte Viesehon fest: „Wir sind gegen ein bloßes Weiter-so. Die Stadt ist nicht Träger der Jugendarbeit. Das ist Sache des Landkreises, der im laufenden Jahr 120000 Euro mehr aus Volkmarsen bekommt als im Vorjahr. Wir kommen nicht umhin, alle freiwilligen Leistungen zu überprüfen. Und da müssen wir feststellen, dass die Situation heute in Volkmarsen eine andere ist als vor 25 Jahren, als die Jugendpflege eingeführt wurde.“

Die Stadt gebe im laufenden Jahr mehr für die Betreuung von Kleinkindern und Kindern im Schulalter aus, als je zuvor. Eine niedrigschwellige offene Jugendarbeit werde im übrigen auch bei der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) angeboten.

Wenn sich nun aber weitere Interessierte, Eltern, Kirchen und vielleicht auch die Kugelsburgschule zusammenschlössen, die Jugendarbeit weiter zu finanzieren, dann werde sich bestimmt auch die Stadt Volkmarsen nicht verschließen, so Viesehon.

Jugendliche fühlen sich wohl

Unbestritten sind die Leistungen und das Engagement des städtischen Jugendpflegers Marcos Koutelas. In den höchsten Tönen schwärmte ein von ihm betreuter Jugendlicher von Koutelas und den Angeboten im Jugendzentrum. Eine Mutter bekräftigte, dass ihr Sohn durch die Ansprache im Jugendzentrum und die Mitarbeit bei den Renovierungsarbeiten im Burgschwimmbad seine Liebe zu handwerklichen Berufen entdeckt habe und schließlich auch einen Ausbildungsplatz gefunden habe.

Damit sind nun die Unterstützer des Jugendzentrums gefordert, sich zu organisieren und weitere Mitfinanzierer anzusprechen.

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