Sparbeschluss in Volkmarsen kontrovers diskutiert

Jugendzentrum wird geschlossen

Volkmarsen - Der Count Down fürs Jugendzentrum in Volkmarsen ist abgelaufen: Für die Schließung der Einrichtung votierte eine knappe Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung im Rahmen der Haushaltsberatungen.

Ohne Protest ging das nicht ab: Etwa 30 Jugendliche und Unterstützer des Jugendzentrums und des dort seit neun Jahren tätigen Jugendpflegers Marcos Koutelas demonstrierten vor der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend vor der Nordhessenhalle gegen das Ende der städtischen Jugendarbeit. In der folgenden Sitzung verfolgten zahlreiche Jugendliche und Unterstützer die teilweise erregte Debatte im Parlament. CDU und FWG blieben bei ihrer Meinung und lehnten einen Antrag der SPD für einen Erhalt des Jugendzentrums ab. Die Stadtverordneten von SPD, Unabhängiger Liste und FDP votierten allerdings dafür. Ob es bei diesem Votum bleibt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Wie gestern dazu zu erfahren war, wird sich vermutlich eine Bürgerinitiative bilden, die über ein Bürgerbegehren den Stadtverordnetenbeschluss zu kippen versucht.

Jenny Ried, Lehrerin an der Staatlichen Berufsschule des Berufsbildungswerks in Bad Arolsen, gehörte zu den Veranstaltern der Demonstration für den Erhalt der städtischen Jugendarbeit. „Die Schließung passt gar nicht in das Leitbild der Stadt, das die Förderung von Jung und Alt vorsieht“, erklärte sie gegenüber der WLZ. Volkmarsen sei ein sozialer Brennpunkt, da sei es wichtig, für Jugendliche eine Orientierung zu bieten. Mit dem Jugendpfleger Marcos Koutelas sei „der richtige Mann an der richtigen Stelle“. Schließlich sei auch für ihre Schüler die Existenz der Jugendarbeit wichtig und fördere ihre Entwicklung. Die Schüler würden durch diese Arbeit gefestigt. Die Einbindung der Jugendarbeit in das Familienzenrum sei keine Lösung, Acht- bis Zehnjährige passten nicht mit den Jugendlichen zusammen. „Sparen bei der Jugendarbeit ist falsch“, stellte Jenny Ried fest.

„Wir sparen noch nicht einmal 40 000 Euro im Jahr“, argumentierte Arno Walprecht (UL). „Wir verlören aber viel, wenn wir das Jugendzentrum schlössen“, sagte er. Neben der kompetenten Arbeit des Jugendpflegers werde engagierte ehrenamtliche Arbeit geleistet, das Jugendzentrum sei Anlaufstelle für verzweifelte Jugendliche. „Auf Dauer haben wir mehr Probleme ohne Jugendzentrum, wir dürfen nicht nur an den Sparzwang unterm kommunalen Schutzschirm denken“, mahnte Bruno Kramer (SPD). Es wäre eher wünschenswert, das Angebot weiter auszubauen. Durch die Schließung werde wertvolle Arbeit kaputt gemacht, sagte Fraktionskollegin Monika Svoboda.

Die Argumente für die Einrichtung des Jugendzentrums seien weiter stichhaltig, erklärte Hartmut Fischer (FDP). Der Erfolg lasse sich schwer messen, wenn aber Gespräche in Lebenskrisen eine Eskalation verhinderten, dann sei die Arbeit sehr wichtig – auch wenn solche Ergebnisse der Jugendarbeit nicht bekannt würden. Ein „Weiter so“ sei aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen der Stadt nicht mehr möglich, sagte dagegen Klaus Teppe (FWG). Er schlug ein Gespräch vor, in dem mit dem ­Jugendpfleger zusammen über die künftige Gestaltung der Jugendarbeit gesprochen werden sollte. „Es geht um die schwierige finanzielle Situation der Stadt“, unterstrich Ingbert Lauhof (CDU) die Argumente für eine Schließung des Count Down. Neue Träger und Finanzierungsmöglichkeiten für die Jugendarbeit müssten gefunden werden.

Marcos Koutelas äußerte sich gestern gegenüber der Waldeckischen Landeszeitung enttäuscht über die Entscheidung. Damit würden die Ergebnisse von neun Jahren Jugendarbeit zunichte gemacht. So lange ist der Jugendarbeiter in dem schon länger in der Kugelsburgstadt unter wechselnder Leitung und an verschiedenen Orten angesiedelten Jugendzentrum tätig. Vorher war er drei Jahre in Vollzeit bei der Stadt Diemelstadt tätig. Mit 20 Stunden pro Woche hat Koutelas von Montag bis Freitag und zusätzlich in den Ferien Angebote für Jugendliche und Kinder geschaffen. Besonders wichtig sei ihm die enge Bindung, die Jugendliche geknüpft hätten. Solche Arbeit sei langfristig angelegt. Koutelas bedauerte, dass nun die städtische Jugendarbeit beendet werde. Er hoffe aber, dass Jugendliche weiter eine Anlaufstelle in der Stadt geboten bekämen. (ah)

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