Bassam al-Sayyad aus dem Jemen wurde Oralchirurg

Junger Mann aus dem Jemen erfüllt sich seinen beruflichen Traum in Bad Arolsen

Ein Mann in weißem Polohemd mit der Aufschrift Zahnarzt.
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Wollte schon als Jugendlicher Chirurg werden: Bassam a-Sayyad aus dem Jemen ist als Oralchirurg in Bad Arolsen tätig und ist seit zwei Jahren deutscher Staatsbürger.

Bad Arolsen – Chirurg hat er schon früh in seiner Jugendzeit werden wollen. Doch so klar seine beruflichen Vorstellungen auch waren und so talentiert er sich bald erwies, der 37-jährige Bassam al-Sayyad musste doch einige Hürden bis zu seinem Ziel nehmen.

Im vorigen Jahr hat der Zahnarzt mit jemenitischen Wurzeln die Facharztprüfung als Oralchirurg in Kassel bestanden. Seither ist in der Praxisgemeinschaft Dr. Schultheis in Bad Arolsen tätig.

Al-Sayyad stammt aus einer großen Familie in der Stadt Sanaa im Jemen. Der Vater hat bis zu seiner Pensionierung vor einigen Jahren als Manager eines Krankenhauses fungiert, dadurch mag er ebenfalls inspiriert worden sein.

Mit sehr gutem Abtur ein Stipendium für Syrien

Als er seiner Großmutter zuschaute, wie sie mit verletzten Tieren umging, da dachte er sich, er möchte gerne Menschen medizinisch behandeln: „Ich habe nie Angst vor Blut gehabt“, schmunzelt der junge Zahnmediziner.

Al-Sayyad ist seiner Mutter und seinen sieben Schwestern, die ebenfalls akademische Laufbahnen einschlagen konnten, dankbar für die Unterstützung auf dem weiteren Lebensweg. Mit einem sehr guten Abiturzeugnis gelang es ihm, ein Stipendium für ein Zahnarzt-Studium in der syrischen Hauptstadt Damaskus zu absolvieren.

Erst die Sprachkurse, dann die Approbation

Im Jemen praktizierte er gut ein Jahr als Zahnarzt. Doch darüber hinaus wollte er ja eine chirurgische Ausbildung durchlaufen. Oral-Chirurgie, bei der Eingriffe im Mund und im Kiefer vorgenommen werden, war im Jemen wenig bekannt. Daher zog es ihn zu einer weiteren Ausbildung nach Deutschland.

Vor zehn Jahren kam er nach Deutschland. In gerade sechs Monaten durchlief er die nötigen Sprachkurse, die er mit der Prüfung auf dem hohen C1-Niveau abschloss. In Deutschland musste er sich neu um eine Approbation bemühen, um als Zahnarzt arbeiten zu dürfen.

Schließlich begann er an der Medizinischen und Gesichtschirurgischen Klinik von Privatdozent Dr. Arwed Ludwig in Kassel die Ausbildung zum Oralchirurgen, die er im vorigen August erfolgreich abschloss.

Mutter in der Heimat unterstützen

Seit 2018 ist Bassam al-Sayyad deutscher Staatsbürger und seit dem vorigen Jahr verheiratet. Seine jemenitische Ehefrau lebt seit November in Deutschland. Beide wollen nach Bad Arolsen ziehen. Al-Sayyad muss derweil noch mit der Bahn zwischen der jetzigen Wohnung in Kassel und der Barockstadt pendeln.

Der Zahnmediziner ist seiner Familie sehr verbunden, wie er immer wieder betont. Schließlich habe seine Mutter es ihm ermöglicht, sich seinen Traum zu erfüllen und Chirurg zu werden. Als Ältester der insgesamt drei Söhne in der Familie sei er nun auch verpflichtet, die Mutter zu unterstützen.

Infrastruktur im Jemen ist weitgehend zerstört

Sie, die keine Ausbildung absolvierte, habe großen Wert darauf gelegt, dass die Kinder möglichst eigenständig denken und ihr Leben selbst gestalten können. Dafür sei eine gute Ausbildung wichtig.

Alle Schwestern und die drei Brüder sind nach ihren Universitätsabschlüssen in verschiedenen Berufen tätig. Ein Bruder ist als Facharzt in Russland tätig. Einmal im Jahr bemühte sich al-Sayyad bisher, die Familie in der fast zwei Millionen Einwohner zählenden Stadt Sanaa zu besuchen.

Doch infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen ist Infrastruktur zerstört worden und Reisen durch das Land aufgrund des Krieges sehr viel gefährlicher. Die Direktflüge gibt es schon ein paar Jahre nicht mehr, so braucht er mittlerweile drei Tage, um bei der Familie in der Heimat anzukommen. Dabei ist es ungewiss, ob er die zwölf Stunden dauernde Autofahrt ungeschoren überstehen kann. (Armin Haß)

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