Landkreis verleiht den Denkmalpreis für vorbildlichen Einsatz zum Erhalt alter Bausubstanz

Junges Leben im alten Fachwerkhaus

Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf (v.l.) übergab den Denkmalpreis des Landkreises in Rhoden an den Verein Historischer Goldbergbau Eisenberg, vertreten durch Wolfgang Behle, an die Rhoder Familie Roth mit Torsten, Sonja und Eleonore Roth sowie an die Lokale Agenda 21 in Rhoden, vertreten durch Karl Heinemann. Dazu gratulierte Bürgermeister Elmar Schröder. Foto: Schulten

Diemelstadt-Rhoden - Für die vorbildliche Sanierung ihres diemelsächsischen Querdielen-Fachwerkhauses in der Rhoder Straße Rießen sind die Eheleute Sonja und Torsten Roth mit dem Denkmalpreis des Landkreises Waldeck-Frankenberg ausgezeichnet worden.

Mit Sonderpreisen gewürdigt wurde gestern Abend auch der Verein Lokale Agenda 21 Rhoden für seinen langjährigen Einsatz zum Erhalt der Dorfstelle Altrhoden und der 1000 Jahre Kirchenruine, außerdem der Verein Historischer Goldbergbau Eisenberg für seinen Beitrag zum Erhalt der Grubenanlage.

Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf schwärmte bei der dritten Verleihung des Kreisdenkmalpreises von der großen Vielfalt historischer Gebäude aus unterschiedlichen Epochen. Sie machten die kulturhistorische Vielfalt des Landkreises deutlich.

Vieles in Bewegung

Insgesamt seien im Landkreis 2500 Einzeldenkmale und 250 historische Gebäudeensembles registriert. Für deren Erhalt wendeten das Land Hessen und auch der Landkreis jedes Jahr große Summen auf, die durch das private Engagement der Eigentümer, aber auch durch Fördervereine vervielfacht würden. Deutschendorf dankte daher allen Menschen, die für neues Leben in alten Gemäuern sorgten.

Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab nutzte die Gelegenheit, den Landkreis Wal­deck-Frankenberg für sein Engagement zum Erhalt der vielen wertvollen Baudenkmäler zu loben. Das sei landesweit längst nicht an der Tagesordnung. Aktuell bewege sich in Rhoden eine Menge zwischen Schloss und Altstadt. Das stimme hoffnungsvoll.

Bürgermeister Elmar Schröder nahm den Ball auf und stellte zufrieden fest, dass es mehrere engagierte Spieler auf dem Gebiet der Altstadtsanierung gebe. Ein besonderer Dank ging an Susanne Engelns als verantwortliche Projektbetreuerin der von der Stadt beauftragten NH Wohnstadt.

Aber auch die Rhoder Vereine Historisches Ortsbild, Geschichtsverein und Verkehrs- und Verschönerungsverein, zusammengeschlossen in der Lokalen Agenda 21, hätten schon Großes für Rhoden bewirkt.

Vor allem aber freute sich der Rathauschef, dass sich Familie Roth entschlossen habe, sich in Rhoden niederzulassen, und ein beinah vergessenes Fachwerkhaus an der Straße Rießen zum Leben erweckt habe. Schröder: „Das ist ein guter Tag für Rhoden und den städtebaulichen Denkmalschutz.“

Der mit 1500 Euro dotierte Hauptpreis geht an Familie Roth, die sich 2011 für den Kauf des in die Jahre gekommenen diemelsächsischen Fachwerkhauses entschieden hatte. Der erste Eindruck von außen war wenig verlockend, doch als die Familie hinter die Kulissen blickte, machte sich ihre Fantasie selbstständig, wie Sonja Roth gestern Abend verriet.

Vieles war im Original erhalten und inspirierte die Bauherren, den Reiz des Historischen zu erhalten.

Das volle Programm

Mithilfe des von der Stadt beauftragten Sanierungsträgers wurden Pläne geschmiedet und Förderanträge gestellt. Das volle Programm wurde abgerufen: Dachsanierung, Dachbodendämmung, der Putz wurde von der Außenfassade geklopft, alte Balken ausgetauscht, neu vermauert, die alten Eichenfenster wurden aufgearbeitet und mit einem zweiten Innenfenster wärmegedämmt. Die Innendämmung erfolgte mit Lehm. In die Lehmschicht eingearbeitet wurden Heizschlangen, die von einer modernen Holzpelletheizung gewärmt werden.

Die Elektroinstallationen mussten ebenso komplett erneuert werden wie die sanitären Einrichtungen. Das Haus Rießen 7 war offenbar das letzte in Rhoden ohne Toilette. Heute gehören zwei moderne Bäder mit historisierenden Becken und Wannen zum Standard.

Auch bei der Einrichtung der Küche achtete Sonja Roth aufs historische Detail: Ein massiver Spülstein und eine historisch anmutende Küchenzeile täuschen darüber hinweg, dass im Haus moderne Technik verbaut wurde.

Am Ende waren 230000 Euro investiert. Doch die Arbeiten sind noch nicht beendet. Nun soll der alte Stallbereich für gewerbliche Zwecke umgebaut werden.

Verfall der Ruine stoppen

Den ersten von zwei mit 500 Euro dotierten Sonderpreisen erhielt die Lokale Agenda 21 Rhoden, ein Zusammenschluss von Geschichtsverein, Verkehrs- und Verschönerungsverein und Verein Historisches Ortsbild.

In deren Namen stellte Karl Heinemann das Projekt Kirchenruine Altrhoden vor. Das 1000 Jahre alte Areal gehört der Kirchengemeinde, die für den Erhalt aber keine Mittel zur Verfügung stellen kann. Deshalb fühlten sich die Mitglieder der Lokalen Agenda herausgefordert, ihr Bestes zu geben, um den fortschreitenden Verfall des alten Gemäuers unmittelbar an der Autobahn zu stoppen.

Beim Bau der Autobahn Anfang der 70er-Jahre hatten Archäologen Siedlungsreste gefunden, die wahrscheinlich noch 200 Jahre älter waren als die zerfallene Kirche. Die Fundstätte wurde überbaut. Seit der Wiedervereinigung ist die A 44 eine stark befahrene Verkehrsachse, die mit ihren Abgasen und Erschütterungen der Kirchenruine weiter zusetzt.

Deshalb ist es den ehrenamtlichen Denkmalschützern ein besonderes Anliegen, vor Beginn der Erschließung des neuen Gewerbegebiets Steinberg dafür zu werben, dass die mit Sicherheit fällig werdenden Ausgleichsabgaben auch zum Schutz der Denkmäler vor Ort ausgegeben werden.

Dazu unterbreitete gestern Abend Agenda-Sprecher Walter Bracht eine Reihe von Vorschlägen.

Die Restaurierungsarbeiten an dem alten Gemäuer wurden mit Fotos dokumentiert. Aus Kostengründen wurden zunächst nur die von Bewuchs bedrohten Mauerkronen freigelegt. Außerdem wurden Fugen verfüllt, um weiteres ungehindertes Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Es gibt noch viel zu tun.

Industriedenkmal

Das trifft auch für das groß angelegte Projekt des Vereins Historischer Goldbergbau Eisenberg zu. Marc Müllenhoff schilderte im Namen des Vereins mit inzwischen 110 Mitgliedern die Bedeutung des industriegeschichtlichen Denkmals von Goldhausen. Der 2002 gegründete Verein hat die Bergrechte an Deutschlands größter Goldlagerstätte erworben, allerdings nicht, um dort letztlich unwirtschaftliche Eingriffe in die Natur vorzunehmen, sondern um ein beliebtes Ausflugsziel zu erhalten und zugleich die vielen noch vorhandenen Spuren des historischen Bergbaus für die Nachwelt zu sichern.

Bisher wurden 48 Stollen und 20 Schächte mit einer Gesamtlänge von gut 3,6 Kilometern gefunden. Heutigen Besuchern fällt es schwer, sich vorzustellen, wie Bergarbeiter im Mittelalter ohne elektrisches Licht und maschinelle Hilfe solche Vortriebe schaffen konnten.

Den Sonderpreis im Wert von 500 Euro nahm Vorsitzende Wolfgang Behle vom Ersten Kreisbeigeordneten in Empfang.

Die Feierstunde im Trauzimmer des Rhoder Stadtkellers wurde vom Posaunenchor musikalisch umrahmt, in dem auch Karl Heinemann seit vielen Jahren als treuer Bläser mitwirkt.

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