Geschultes Auge entscheidet mit über züchterischen Erfolg

Jungzüchter lernen in Wetterburg: Was zeichnet eine Superkuh aus?

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Rinderbewertung: Wiebke Pohlmann aus Welleringhausen und Nicholas Meier aus Wetterburg erläutern vor dem Wettbewerb noch einmal, worauf es bei der Beurteilung anko mmt.  

Bad Arolsen.  Ein fachkundiger Blick aufs Euter und der nötige Sachverstand zur Einschätzung des Körperbaus gehört zur Grundausstattung für jeden Milchviehzüchter.

Wer Rinder züchten will, muss eine gute Kuh von einer weniger guten Kuh unterscheiden können. Deshalb bieten die Jungzüchterclubs aus Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf neben Betriebsbesichtigungen und Frisierkursen für die Kuhpräsentation auch regelmäßig Bewertungswettbewerbe für ihre Mitglieder und interessierte Nicht-Landwirte an.

Auf dem Hof Meier in Wetterburg trafen sich am Freitagabend rund 30 Junglandwirte, um ihren Blick fürs Wesentliche schulen zu lassen und dann das Gelernte in einem Wettbewerb zu testen.

Worauf wird bei der Kuhbewertung geachtet?

Die jüngsten Teilnehmerinnen waren zwei achtjährige Mädchen. Auch Junglandwirte mitten in der Ausbildung und nicht mehr ganz so junge Landwirte mit Berufserfahrung mit. Schließlich ist Kuhbewertung keine Geheimwissenschaft. Ein klarer Blick und gute Beobachtungsgabe reichen völlig aus, um die wichtigsten Merkmal am Körperbau einer Kuh einzuschätzen.

Wiebke Pohlmann aus Welleringhausen ist Vorsitzende des Jungzüchterclubs in Waldeck-Frankenberg. Gemeinsam mit Nicholas Meier aus Wetterburg, Kassierer im Club und Gastgeber für den Wettbewerb, erläuterte vor dem Start noch einmal, worauf es ankommt:

Die Bewertung erfolgt nach einem linearen Modell in vier Kategorien, nämlich Milchtyp, Körper, Fundament und Euter.

Jeder dieser Komplexe ist aufgeteilt in markante Unterpunkte wie Milchcharakter, Harmonie, Rippenausprägung und Skelett.

Im Merkmalskomplex Fundament geht es um die Beine der Kühe. Hier werden die Hinterbeinwinkelung, der Klauenwinkel, das Sprunggelenk, die Hinterbeinstellung und die Bewegung bewertet.

Beim Euter kommt es auf Strichlänge, Euteraufhängung und die Platzierung an.

Handy-App hilft beim Bewerten

Bei der Kuhbewertung geht es nicht um Schönheit, sondern um Tiergesundheit und Leistungsfähigkeit. Und beide Aspekte entscheiden in einer Züchterkarriere über wirtschaftlichen Erfolg und Misserfolg. Wer die körperlichen Eigenschaften einer Kuh richtig beurteilen kann, der wird bei der Zucht der nächsten Generation darauf achten, dass gute Eigenschaften weitervererbt werden. 

So kann die Zucht mit Hilfe der Angaben aus dem Bullenkatalog nach objektiven Kriterien erfolgen, nicht bloß nach Bauchgefühl. In diesem Sinne leistet auch der Landesbetrieb Landwirtschaft in Hessen Unterstützung bei den Fortbildungsbemühungen der Junglandwirte. 

Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Raimar Peppler mit dabei. Die üblichen, vierseitigen Bewertungsbögen, die an Führerscheinfragebögen erinnern, hat er in einer App fürs Smartphone übertragen. Die von ihm konzipierte Handy-App hilft bei der Auswertung und verkürzt die Auswertungszeit um Stunden. 

Im Wettbewerb werden die Einstufungen eines erfahren Bewerters mit den Einstufungen der Wettbewerbsteilnehemr vergleichen. Die Abweichungen werden am Ende quadriert und automatisch in eine Rangliste eingereiht. Peppler: „Gute Bewerter kommen bei zwei Tieren auf 60 bis 70 Abweichungspunkte, bei schlechten kommen leicht 200 Abweichungspunkte zusammen.“

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