Kaulbach und Co: Interessante Einblicke ins Depot der Bad Arolser Museen

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Seltener Einblick ins Depot des Museums: Museumsleiterin Dr. Birgit Kümmel begutachtet ein Portrait des Arolser Malers Friedrich Kaulbach. Gemalt hat es dessen Sohn Friedrich August von Kaulbach im Jahr 1882.  

Die Waldeckische Landeszeitung hatte Gelegenheit, einen Blick ins Depot des Museums Bad Arolsen zu werfen. Dort tummeln sich lauter Kaulbachs und Rauchs.

 Bad Arolsen.  Tore und Türen des Museums Bad Arolsen bleiben derzeit für Besucher geschlossen. Davon betroffen ist in erster Linie das normalerweise durchgehend geöffnete Christian-Daniel-Rauch-Museum im Marstall mit seinen klassizistischen Skulpturen.

Für das Kaulbach-Haus, das Rauch-Geburtshaus, die Ausstellung im Schloss und das ohnehin wegen Sanierungsarbeiten geschlossene Schreibersche Haus wird eine situationsbedingte Verlängerung der Winterpause immer wahrscheinlicher.

Künftige Ausstellungen werden vorbereitet

Bereits abgesagt wurde die ursprünglich für Ende Juni angekündigte Kleine Museumsnacht. Die ursprünglich für kommenden Mai geplante Ausstellung im Schloss mit Arbeiten von Walter Sachs hat Museumsleiterin Dr. Birgit Kümmel in den Herbst 2021 verlegt. Auch für das Museum ist das eine absolute Ausnahmesituation, stellt Birgit Kümmel fest. Im Museum Bad Arolsen wird die Zeit nun bestmöglich genutzt.

Die unfreiwillig ruhigen Wochen bieten Gelegenheit, in Bereichen zu arbeiten, für die im normalen Alltagsgeschäft oft keine Zeit bleibt. Denn nicht nur die unter Vorbehalt angepeilte nächste Ausstellung im Schloss im kommenden September will vorbereitet sein.

Sammlung wurde durch Schenkungen bereichert

Auch die Bestände in den Depoträumen werden derzeit durchgesehen und neu verzeichnet. Das betreffe vor allem die Neuerwerbungen der letzten Jahre, sagt die langjährige Museumsleiterin.

In den vergangenen Jahren sei der Bestand zudem um einige Schenkungen bereichert worden. Ein wahrer Schatz für das Museum Bad Arolsen. 

Wertvolle Originale im Depot

Die gesammelten Kunstwerke des Museums Bad Arolsen, die aus Platzgründen nicht ausgestellt sind, warten im Hauptdepot auf ihren nächsten großen Auftritt. Der Raum erweist sich als wahre Wunderkammer: an Wänden, in Schränken und Schubladen lagern Gemälde, Zeichnungen und Graphiken der Malerfamilie Kaulbach, Skizzen aus der Hand Rauchs, großformatige Fotografien Dieter Schwerdtles wie Puppy vor dem Arolser Schloss und Arbeiten zahlreicher weiterer Künstler.

Schöne Frauen und Tänzerinnen waren ein beliebtes Bildmotiv um die Jahrhundertwende, Hier ein Bildnis von der Hand Anton Kaulbachs.

Darunter finden sich Neuheiten, aber auch nicht wenige Werke, die seit der Umgestaltung des Kaulbachhauses nicht mehr öffentlich ausgestellt worden sind. Zwischen diversen Landschaften und Genreszenen fällt vor allem das annähernd lebensgroße Portrait eines bärtigen älteren Herrn ins Auge. Es zeigt den gebürtigen Arolser Friedrich Kaulbach (1822- 1903), der als Portraitist und Hofmaler in Hannover sein Auskommen fand.

Talentierte Sprosse der Künstlerfamilie Kaulbach

Das eindrucksvolle Bildnis des Künstlers schuf sein ältester Sohn Friedrich August von Kaulbach (1850 – 1920), der seinen Vater seinerzeit an Prominenz und Vermögen noch weit überflügelte. Freunde des Museums Bad Arolsen kennen Kaulbachs fast fotorealistisch ausgeführte Damen- und Kinderbildnisse aus dem Schreiberschen Haus. 

Weniger bekannt ist das Portrait seiner zweiten Frau Frida mitsamt Familiendackel, das im Depot des Museums mit seinem frischen, schwungvollen Erscheinungsbild heraussticht. Von Wilhelm von Kaulbach (1804 1874), dem ersten erfolgreichen Maler und Illustrator aus der Arolser Schreinerdynastie, sind etwa großformatige Bleistiftentwürfe für Wandfresken in München und Berlin erhalten. 

Renovierung des Schreiber'schen Hauses zieht sich hin

Bei der Entscheidung, welche dieser Arbeiten bei der Neugestaltung der Räume im Schreiberschen Haus berücksichtigt werden, kann sich die Museumsleiterin indes noch Zeit lassen. Die aufgrund eines Wasserschadens nötig gewordene Sanierung der Ausstellungsräume im Erdgeschoss könnte sich noch bis ins übernächste Jahr hinziehen. (Von Sandra Simshäuser)

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