Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob Strafbefehl ausreicht · Freiheitsstrafe für Angeklagten möglich

Kein Prozess gegen den Bücherdieb?

Bad Arolsen. - Gegen den wegen Bücherdiebstahls in der Hofbib­liothek Bad Arolsen entlarvten ehemaligen Ministerialbeamten wird möglicherweise keine Gerichtsverhandlung eröffnet. 
Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob ein Straf-
befehl ausreichend ist.

Sollte­ die 
Strafverfolgungsbehörde dem nicht zustimmen und auf der Durchführung eines Prozesses bestehen, dürfte dessen Beginn nach Einschätzung des Richters am Amtsgericht Korbach, Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling, noch längere Zeit auf sich warten lassen. Der 46-
 Jährige aus Darmstadt-Eberstadt sei gesundheitlich schwer angeschlagen und gegenwärtig nicht verhandlungsfähig. In diesem Zusammenhang wird von der Verteidigung des Angeklagten vorgeschlagen, im Weg eines Strafbefehls das 
 Strafmaß zu verhängen. In diesem Fall wäre eine 
 Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr möglich. Diese würde dann zur Bewährung ausgesetzt. Der ehemalige Kommunalpolitiker ist noch nicht vorbestraft. Allerdings wird dem Mann eine Vielzahl von Bücherdiebstählen zur Last gelegt und eine erhebliche kriminelle Energie bei der Ausführung der ihm zur 
Last gelegten Taten unterstellt, was eine Freiheitsstrafe zur Folge hätte. Immerhin ist der kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe aus dem hessischen Wissenschaftsministerium suspendierte Landesbeamte während seiner Dienstzeit und mit seinem Dienstwagen zu den Büchereien gefahren. Der Familienvater war im 
Februar 2012 in der Fürstli-chen Hofbibliothek in Bad Arolsen auf frischer Tat geschnappt worden. Der Mann war dort als ­Ministerialbeamter häufi-
ger ­Besucher der Bücherei und hatte sich allein durch seine 
Position bei der Landesregierung Vertrauen erworben. Dadurch war es ein Leichtes, die wertvollen Bücher mitgehen zu lassen. Etwa 80 sollen es gewesen sein, bis endlich das Fehlen der Bände aus der 
35 000 Bände zählenden Bib-
liothek im Arolser Residenzschloss aufgefallen war und 
dem Mann vor dem nächsten Besuch eine Falle gestellt werden konnte – in die er dann auch hineintappte. Mithilfe von Kameras konnten ­Kriminalbeamte dem Dieb bei der Ausführung seiner Tat zusehen. Bei den sich anschließenden Ermittlungen wurden knapp 20 000 Bücher über naturwissenschaftliche Themen in seinem Haus entdeckt und sichergestellt. Die Bücher stammen laut Registriervermerken aus Bib­liotheken im In- und Ausland, zum großen Teil ­waren die Einträge durch Stempel des neuen „Besitzers“ überdeckt worden. Es gestaltete sich als sehr schwierig, einen großen Teil der Bände den rechtmäßigen Besitzern zuzuordnen, 
auch in der Fernsehsendung „XY ungelöst“ wurde um Hinweise gebeten. Die Polizei hatte derweil in Waldeck-Frankenberg den riesigen bibliophilen Schatz verwahrt.Der Anklage zugrunde gelegt wird nur ein Teil der Diebstähle, vor allem die aus der Hof-
bibliothek. Viele Taten seien bereits verjährt, erklärte Richter Kalhöfer-Köchling dazu. (ah)

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