Gemeindeversammlung dreht sich 680 000 Euro teure Kirchensanierung

Kirche fit machen für die Zukunft

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Wo soll das große Kreuz nach der großen Kirchenrenovierung künftig stehen? Zur Klärung dieser Frage wurde ein Modell gebaut, das hier von Pfarrer Christian Rehakate (l.) und Martin Bleckmann (r.) vom Kirchenvorstand gehalten wird. In der Mitte: Planer Jür

Bad Arolsen-Landau - Wohin nur mit dem Kreuz? - Die Antwort auf diese knifflige Frage drohte die Pläne für eine harmonische Kirchensanierung in Landau zu durchkreuzen. Doch spätestens seit der Gemeindeversammlung vom Sonntag scheint eine salomonische Lösung gefunden.

Das Altarkreuz, das seit den 50er-Jahren den Chorraum der Landauer Kirche schmückt, ist von enormen Ausmaßen. Es soll mit über drei Metern Querbalkenlänge die Originalmaße des Kreuzes von Golgatha haben.

Umso schwerer war es für die Planer und Entscheider vom Kirchenvorstand, einen geeigneten Ort in dem sanierten und neu konzipierten Kirchengebäude zu finden. Schließlich sollen auch die Proportionen zu den übrigen Gestaltungselementen passen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Standort galt es zudem, die Vorgabe des Leihvertrages aus den 50er-Jahren zu beachten. Die fürstliche Familie als Leihgeber legte und legt nämlich Wert darauf, dass das Kreuz im Altarraum platziert werden soll.

Zur Erleichterung der Entscheidungsfindung hatte der Kirchenvorstand ein originalgetreues Modell des Kreuzes anfertigen und an mehreren Stellen im Kirchenraum aufstellen lassen. Am Ende erwies sich ein Platz vor dem Ostfenster mit der Auferstehungsszene als bester Standort.

Hier soll nach dem Umbau auch der neue Altar aus Holz platziert werden. Auch dieses Detail sorgte im Vorfeld für Unmut bei den Traditionalisten. Soll denn tatsächlich der bei der letzten Sanierung errichtete Sandsteinaltar von seinem Platz entfernt werden?

Probst Helmut Wöllenstein, der auf Bitten des Kirchenvorstands mit einigen theologischen Überlegungen zur Umgestaltung die Gemeindeversammlung eröffnete, machte unmissverständlich klar, dass es nicht die Steine seien, auf die es in der Kirche ankomme. „Die Kirche ist nicht der Wohnort Gottes. Gott ist überall gleichermaßen gegenwärtig. Es sind nicht die Steine, die heilig sind.“ Diese Dinge seien nur Symbole. Der Kirchenraum müsse dem Singen und Beten optimal dienen.

Die Kirche spiele zwar eine große Rolle beim Bewahren der Tradition. Aber das Festhalten an Traditionen führe irgendwann zur Erstarrung. Luther habe schon gefordert, dass die Kirche „semper reformanda“ sei, also ständig reformiert, erneuert werden müsse.

Bei der jetzt anstehenden Frage der Neugestaltung des Chorraumes müsse die Gemeinde mit ihrem Kirchenvorstand also bedenken, wie die Kirche in den kommenden Jahrzehnten genutzt werden soll. Vor diesem Hintergrund könne es sinnvoll sein, im Chorraum unterschiedliche Anordnungen von Altar und Stühlen zuzulassen. Auch eine Trennwand zum Kirchenschiff könne hilfreich sein, um eine Winterkirche zu ermöglichen.

All das seien aber nur seine „bescheidenden und zurückhaltenden Meinungsäußerungen“. Die Entscheidung liege in dieser Frage allein beim Kirchenvorstand.

Und der hat sich in den vergangenen Monaten in diesen Fragen vom beauftragten Architekturbüro, vom Architekten der Landeskirche, vom Bauausschuss und vom erweiterten Bauausschuss beraten lassen, wie Kirchenvorsteher Martin Bleckmann berichtete.

Über den Stand der technischen Details informierte Architekt Jürgen Schimmelpfeng anhand von Bildern und Modellen. Seinem Vorschlag folgend wird die dreischiffige gotische Hallenkirche künftig wieder besser als solche zu erkennen sein. Dazu werden überschüssige Sitzbänke herausgenommen. Im Mittelschiff wird zwischen den Bankreihen ein Mittelgang entstehen.

So soll Platz entstehen für ein Kirchencafé, ein Stuhllager und eine Sakristei.

Kanzel und Taufbecken sollen ihre Plätze tauschen und den Blick freigeben auf Triumphbogen, Chorraum und Altar.

Im Chorraum sollen die Bankblöcke einer lockeren, veränderbaren Bestuhlung weichen. Auch der Turmraum soll ausgeräumt werden und eine überschaubare Möblierung erhalten. Auf Anregung der samstäglichen Bautrupps wird nun auch über eine Verkleinerung der Empore nachgedacht. (es)

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