1. WLZ
  2. Waldeck
  3. Bad Arolsen

Klassen mit immer mehr Ukrainern an der Kaulbach-Schule Bad Arolsen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Armin Haß

Kommentare

Vorbereitung auf die Sprachprüfung an der Kaulbach-Schule in Bad Arolsen.
Vorbereitung auf die Sprachprüfung an der Kaulbach-Schule in Bad Arolsen. © Privat

Ukrainische Flüchtlingskinder besuchen bereits Schulen und Bad Arolsen und Volkmarsen. Intensivsprachunterricht ist erforderlich.

Bad Arolsen – Durch den russischen Überfall auf die Ukraine sind schon Flüchtlinge mit ihren Kindern auch nach Waldeck-Frankenberg gekommen. Schulen nehmen bereits Jungen und Mädchen aus dem osteuropäischen Land auf. In der Kaulbach-Schule werden derzeit in zwei Intensivsprachklassen 15 Kinder mit der deutschen Sprache vertraut gebracht.

Wichtige Voraussetzung

Der Besuch solcher Spezialklassen ist eine Voraussetzung für den Einstieg in den Regelunterricht, und auch dort können die Kinder weitere Sprachförderung bekommen. Erleichtert wird der Umgang mit den ukrainischen Kindern dadurch, dass Lehrkräfte an der Haupt- und Realschule Russisch oder Ukrainisch als Muttersprache gelernt haben.

Die Intensivsprachklassen an der Kaulbach-Schule sind bereits vor der Flüchtlingskrise 2015 aufgebaut worden. Vor gut zehn Jahren sind sogenannte Unbegleitete minderjährige Ausländer (UmA) über solche Klassen fit für den regulären Unterricht gemacht worden.

Zwei Klassen für die Förderung

Bis zu 17 Plätze stehen in einer Sprachklasse zur Verfügung. Glücklicherweise, so stellvertretende Schulleiterin Sandra Riebeling, konnte mit Genehmigung des Kultusministeriums zum Halbjahrswechsel, also schon vor dem Krieg in der Ukraine, eine zweite Klasse aufgebaut werden.

Beide verfügen nun über einen gewissen Spielraum für die Aufnahme von ukrainischen Kindern. Grundsätzlich bekommen in den Klassen Kinder mit Migrationshintergrund, also nicht nur Geflüchtete, Unterricht. Das Spektrum ist sehr groß: Es reicht von Kindern, die weder lesen noch schreiben können, bis hin zu solchen Jungen und Mädchen, die eher Schwierigkeiten mit dem Sprechen haben.

Deutsch als Zweitsprache

Lehrkräfte, die den Studiengang für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) zusätzlich absolvierten, als auch Lehrerinnen und Lehrer ohne einen solchen Abschluss machen die Schülerinnen und Schüler fit für den Regelunterricht. Dafür sind ein bis zwei Jahre vorgesehen, meistens brauchen die Schüler zwei Jahre, bis sie erfolgreich am regulären Unterricht teilnehmen können. Sport , Ethikunterricht, Mathematik mit den Fachbegriffen, Englisch, aber auch Politik gehört zu dem Pensum dazu.

Schließlich müssen manche Schüler erst einmal begreifen, was die freiheitlich demokratische Grundordnung bedeutet oder wie der Staat und auf örtliche Ebene Städte und Behörden funktionieren. Die kulturellen Hintergründe sind oft sehr unterschiedlich. Kinder mit russischem Hintergrund, aus arabischsprachigen Ländern, aus Afghanistan oder afrikanischen Ländern kommen da im Unterricht zusammen.

Das wird geboten

Es wird versucht, die Klassen altersmäßig halbwegs ausgewogen zu bilden. Aufgenommen werden Kinder ab der fünften Klasse und Jugendliche bis 16 Jahre. Davor bieten Grundschulen solche Sprachförderung an. Für Ältere gibt es Angebote an den Beruflichen Schulen.

Die gegenwärtig aus der Ukraine stammenden Flüchtlingskinder sind zwischen zwölf und 15 Jahren statt, sind auch mit der lateinischen Schrift vertraut und können beispielsweise Englisch, was als Mittlersprache von Vorteil ist. In der Intensivsprachklasse ist Deutsch freilich die Unterrichtssprache. Da die Zahl der ukrainischen Kinder und Jugendlichen weiter zunehmen wird, ist die Kapazität der beiden Intensivklassen bald ausgeschöpft.

Über den Krieg sprechen

Kommen mehr mit einem entsprechenden Förderbedarf, müssten die Kinder an andere Schulen gehen. Bei aller sonstigen Personalknappheit ist der Bedarf an Kolleginnen und Kollegen speziell für Intensivsprachunterricht momentan schwer zu decken, wie stellvertretende Rektorin Riebeling berichtet. Die Lehrkräfte müssten sensibel mit Kindern aus vom Krieg betroffenen Regionen umgehen, wie die Förderstufenleiterin Claudia Beckmann berichtet.

Auch wenn Kinder nicht unmittelbar kriegerischen Handlungen mitbekommen haben, so würden sie doch belastet: Was ist mit dem Vater, der in der Ukraine zurückbleiben musste, um Dienst in der Armee zu tun? Was ist mit den Angehörigen, die einfach zurückblieben?

Rat und Hilfe

Bei ernsthaften Problemen können die Schulpsychologin zurate gezogen werden, so die stellvertretende Schulleiterin. An der Schule könnten neben der Schulsozialarbeiterin freilich auch die Lehrer aufgrund ihrer pädagogischen Ausbildung Unterstützung leisten. Wir wollen möglichst viel Alltag mit Strukturen, Gelegenheiten zum Kennenlernen von neuen Menschen bieten oder Schüler aus Kriegsregionen in Arbeitsgemeinschaften an der Schule einbinden, berichtet Claudia Beckmann.

Ukrainische Schüler würden bereits bei einer Koch-AG mitmachen. Durch den einfachen Zugang zu elektronischen Medien, wie etwa Smartphones, würden heutige Schüler ungefiltert mit Bildern und Texten aus oder über eine Kriegsregion konfrontiert, gab Sandra Riebeling zu bedenken.

Krönender Abschluss

Damit umzugehen, das sei schwierig. Solchen Herausforderungen müssten sich Lehrkräfte und die Eltern stellen. Die Kinder sollen auf den Abschluss an der Haupt- und Realschule vorbereitet werden. Wenn sie am Regelunterricht teilnehmen, dann können sie zusätzlich vormittags oder am Nachmittag Unterstützung in der deutschen Sprache bekommen.

In den Regelklassen können sie sich aber auch auf die offizielle B 1-Prüfung in Deutsch vorbereiten. Nach einer schriftlichen und einer eintägigen mündlichen Prüfung gibt es für die erfolgreichen Absolventen das Zertifikat, das als wichtiges Dokument für die weitere Bildungslaufbahn feierlich überreicht wird.

Verschiedene Sprachen und Schriften „bringen“ Schüler aus dem Ausland in die Kaulbach-Schule Bad Arolsen. Dort gibt es verschiedene Fördermaßnahmen, um sie fit für den Regelunterricht zu machen.
Verschiedene Sprachen und Schriften „bringen“ Schüler aus dem Ausland in die Kaulbach-Schule Bad Arolsen. Dort gibt es verschiedene Fördermaßnahmen, um sie fit für den Regelunterricht zu machen. © Privat

An der Kugelsburgschule Volkmarsen gibt es nach Auskunft von Konrektorin Katja Möller derzeit einen Intensivkurs mit insgesamt acht Schülern und Schülerinnen, davon ist ein Schüler aus der Ukraine. Eine Intensivklasse wird erst ab zehn Schülern gebildet. Die Schüler arbeiten im Intensivkurs unter anderem mit dem Programm „Oriolus - Deutsch als neue Sprache lernen“.

Wortschatz einstudieren

Das Programm lehrt und übt den Grundschul-Wortschatz (700 Wörter und Alltagsgespräche). Die Jungen und Mädchen werden dabei, je nach Muttersprache, in Englisch, Türkisch, Arabisch, Russisch, Kurdisch, Afghanisch (Dari), Albanisch, Serbisch, Rumänisch, Amharisch, Französisch, Bulgarisch, Polnisch und Ukrainisch akustisch unterstützt (jeweils 1800 übersetzte Wörter und Sätze).

Das Programm beinhaltet weiterhin Übungen aus den Bereichen Zahlentraining, Uhrentraining, Gespräche im Alltag und Grundgrammatik. (Armin Haß/red)

Auch interessant

Kommentare