Getränkeverkauf am Rande des Arolser Viehmarktes gilt für das Finanzamt als wirtschaftlicher Geschäft

Kleingärtner suchen Hilfe im Steuerdschungel

Die Kleingartenanlage am Königsberg. Im Hintergrund das Clubhaus mit Gaststätteneinrichtung. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Vereine und Steuer - ein weites Feld, auf dem schon viele Schlachten geschlagen wurden. Diesmal hat es den Kleingärtnerverein Bad Arolsen getroffen.

Nach einer anonymen Anzeige, die wahrscheinlich vor allem die ehemalige Vorsitzende treffen sollte, dann aber mit Macht den ganzen Verein traf, hat das Finanzamt eine Betriebsprüfung angesetzt.

Wichtigstes Ergebnis: Einnahmen aus dem Getränke- und Würstchenverkauf am Rande des Viehmarkts wurden über Jahre nicht korrekt versteuert. Dieser wirtschaftliche Geschäftsbetrieb hat nämlich nichts mit dem eigentlichen, gemeinnützigen Vereinszweck zu tun.

Es kam zu einer Nachveranlagung bei der Umsatz- und Körperschaftssteuer, außerdem wurden Gewerbesteuernachzahlungen an die Stadt Bad Arolsen fällig.

Der ganze Ärger hat natürlich auch den Vorstand ins Mark getroffen. Die Vorsitzende trat zurück. Ihr Stellvertreter Stefan von Oettingen übernahm 2012 die Leitung kommissarisch und bemüht sich seitdem, die Scherben zu beseitigen.

„Die rund 26000 Euro Nachzahlungen an das Finanzamt konnten wir zum Glück aus Rücklagen begleichen. Über die 10000 Euro, die wir der Stadt noch schulden, haben wir eine Stundungsvereinbarung getroffen“, erläutert von Oettingen im Gespräch mit der WLZ.

Mit anderen Worten. Der Verein wird seine Schulden brav abstottern. Dazu muss ein neuer Vorstand wieder auf sichere Füße gestellt werden. Das soll bei der Jahreshauptversammlung am 29. März geschehen.

Stefan von Oettingen steht als Vorsitzender zur Verfügung, wenn die Versammlung der 48 Parzelleninhaber das so will. Auch ein Kassierer steht zur Verfügung.

Das Konzept zur wirtschaftlichen Gesundung der Kleingartenanlage steht: „Der Verein wird auf jeden Fall weiter existieren, egal, was in der Stadt erzählt wird. Wir wollen weitermachen. Wir müssen sogar weitermachen, auch mit der Bewirtung am Rade des Viehmarktes, um genügend Einnahmen zu erwirtschaften.“

Die sollen aber künftig korrekt versteuert werden. Dazu soll Rat und Unterstützung von einem versierten Steuerberater eingeholt werden.

Das Kleingartengelände am Königsberg ist seit Jahrzehnten ein beliebter Treffpunkt am Rande des Viehmarktgeländes, eine Oase der Ruhe mitten im Trubel der lauten Fahrgeschäfte. Familien mit kleinen Kindern kommen hier hin, um zu Verschnaufen, Jugendliche und Erwachsene treffen sich auf ein gepflegtes Bierchen und ein Gespräch in Ruhe, bevor es dann wieder zurück ins Getümmel geht. Das soll auch in Zukunft möglich bleiben.

Daneben aber wollen die Kleingärtner weiter ihrem Hobby nachgehen: dem Gartenbau.

Das Bundeskleingartengesetz und die entsprechenden Ländergesetze zum Kleingartenwesen regeln alles ganz genau.Von der Größe der Gerätehäuser bis hin zur Höhe der Zäune und Hecken ist nichts dem Zufall überlassen.

Als ein Kleingarten gilt „ein Garten, der dem Nutzer (Kleingärtner) zur nichterwerbsmäßigen gärtnerischen Nutzung, insbesondere zur Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf, und zur Erholung dient (kleingärtnerische Nutzung).“

Es leuchtet ein, dass die vier Tage Viehmarktsbewirtung eine Sondernutzung darstellt, die sehr bald auch die steuerlichen Umsatzgrenzen übersteigt. Deshalb soll diese Art der Bewirtschaftung künftig vom regelmäßigen Vereinsgeschehen getrennt geführt werden.

Das Interesse an den Kleingärten auf dem Königsberg ist ungebrochen groß. „Wir haben eine Warteliste für freiwerdende Parzellen“, verrät der stellvertretende Vorsitzende. Auf der Liste stehen Familien mit Kindern, Alleinstehende, Gartenfreunde zwischen 30 und 50 Jahren.

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