Studie zeigt Chancen zur Strom- und Wärmeproduktion aus erneuerbaren Energien

Mit Klimaschutz Konjunktur ankurbeln

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Der Anteil an Strom aus Photovoltaikanlagen hat sich in Volkmarsen zwischen 2009 und 2010 verdreifacht, daran hat der Bürgersolarpark einen bedeutenden Anteil.

Volkmarsen - Volkmarsen kann sich schon jetzt zu 60 Prozent selbst mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen. Ein Klimaschutzkonzept zeigt weitere Möglichkeiten auf, auch zum Energiesparen.

. Schließlich ist jede eingesparte Kilowattstunde an elektrischer oder Wärmeenergie ein Beitrag zum Klimaschutz. Die Stadt Volkmarsen und die Gemeinde Breuna wollten es genau wissen und haben gemeinsam die BDO Technik- und Umweltconsulting GmbH mit Sitz in Düsseldorf und die Agentur Synergiekomm aus Bonn mit der Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes beauftragt. Die Kosten von 30000 Euro hat der Bund zu 85 Prozent bezuschusst. Den Teil über Volkmarsen hat Dipl.-Geograph Georg Trocha von der BDO am Mittwochabend in der Erpetalhalle Ehringen vorgestellt.

Durch Abfragen von Daten bei Stadt, Energieversorgern und aus anderen Quellen sowie durch Recherchen vor Ort kamen die Daten über Energieverbrauch und -erzeugung bis zu den Jahren 2009/2010 zusammen.

Großes Einsparpotenzial

Das Fazit: Ein großes Einsparpotenzial bietet sich beim Verbrauch von Strom und Heizwärme, aber auch für die Erzeugung von Strom und Heizwärme aus erneuerbaren Energien. „Wir empfehlen besonders im privaten Bereich sofort wirksame Investitionen in die energetische Sanierung und nicht solche, die sich erst nach 40 Jahren amortisieren“, sagte Trocha. Das kleine DGH Hörle mit einem verhältnismäßig hohen Heizwärmeverbrauch würde wahrscheinlich nicht auf die Prioritätenliste als wichtigstes Projekt geführt, wie Bürgermeister Hartmut Linnekugel deutlich machte. Bei der geringen Anzahl von Veranstaltungen lohne sich der Aufwand nicht.

Beim Endenergieverbrauch mit insgesamt 193,6 Gigawattstunden im Jahr (2009) hatten die privaten Haushalte mit 36 Prozent den größten Anteil, gefolgt vom Dienstleistungsbereich (Tertiärsektor) mit 23 Prozent, dem Verkehr (23 Prozent), dem Sekundärsektor (Industrie, produzierendes Gewerbe) mit 16 und der Landwirtschaft mit zwei Prozent. Entsprechend sind die Anteile beim Kohlendioxidausstoß von 59200 Tonnen im Jahr.

Hoher Wärmebedarf

Beim Stromverbrauch liegt der Sekundärbereich mit 51 Prozent an der Spitze, gefolgt von den Haushalten mit 31 und dem Tertiärsektor mit 17 Prozent. Bei der verbrauchten Heizwärme liegen die privaten Haushalte mit 51 Prozent ganz vorne, vor dem Tertiärsektor mit 31 und dem Sekundärsektor mit 15 Prozent: Wo Maschinen laufen und körperlich gearbeitet wird, muss nicht groß geheizt werden.

Dabei schneiden die großen kommunalen Verbraucher wie die Nordhessenhalle, die Nordwaldeckhalle oder die Erpetalhalle in Ehringen recht gut in der Energie- und CO2-Bilanz ab. Hier wurden energetische Sanierungsmaßnahmen umgesetzt oder die Energieversorgung umweltfreundlich gestaltet. Einzelne Gebäude wie das alte Rathaus Ehringen mit der Wohnung, Feuerwehrhäuser oder das relativ wenig genutzte DGH Hörle kommen in der Bilanz nicht gut weg, weil der Wärmeverbrauch relativ hoch ist. „Kommunale Liegenschaften haben einen recht guten energetischen Standard, dennoch existieren noch Potenziale“, heißt es in der Studie.

Die Autoren gehen auch der Frage nach, wie viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird: Hier ist die Einspeisung allein zwischen 2006 und 2010 um die Hälfte auf nunmehr 60 Prozent hochgegangen, so dass etwa 2020 eine energieautarke Großgemeinde Volkmarsen denkbar wäre. Bei den Erneuerbaren dominiert die Nutzung der Biomasse mit 8000 MWh, gefolgt von der Photovoltaik und der Windenergie mit jeweils 2000 MWh. Dabei hat sich der Solarstromanteil verdreifacht. Hier wird es aufgrund der Verringerung der Einspeisevergütung wahrscheinlich nicht zu einem weiteren sprunghaften Anstieg kommen.

Konjunkturprogramm

Einem kleinen Konjunkturprogramm für die Region käme die Ausschöpfung des Potenzials für die Nutzung der Solarthermie gleich, wie aus dem Konzept hervorgeht. 1000 bis 1800 MWh/a ließen sich mit Investitionen von 1,6 bis 2,5 Millionen Euro bis 2020 zusätzlich erzeugen, was einer CO2-Einsparung von 261 bis 653 Tonnen pro Jahr entspräche. Dazu müssten 153 bis 244 Kollektoren mit einer Fläche von jeweils zehn Quadratmetern für die Warmwasseraufbereitung und die Heizungsunterstützung installiert werden, schwerpunktmäßig freilich bei privaten Wohnhäusern.Die Bürger sind nicht zuletzt wegen des hohen privaten Anteils am Energieverbrauch besonders zur weiteren Mitwirkung an der weiteren Entwicklung und der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes eingeladen. Mit einfachen Mitteln, wie etwa dem Einbau von energiesparenden Heizungspumpen, und mithilfe von KfW-Krediten ließen sich sinnvolle Energiesparmaßnahmen realisieren. Aus den Reihen der Zuhörer kam dazu die Forderung auf, die Projekte in selbst genutzten Häusern wieder steuerlich zu begünstigen.

Ein „Leuchtturmprojekt“ im Zuge des Klimaschutzes wäre ein „Solardachkataster“, mit dessen Hilfe das Potenzial in Volkmarsen dargestellt werden könnte. Ferner sind neben einer laufenden Beteiligung der Bürger Beratungen wichtige Bestandteile bei der Umsetzung.

Chancen für Windkraft

Aufgaben, die über den privaten Sektor hinausgehen dürften, sind der Ausbau der Wind- und der Solarenergie sowie der Nutzung von Biomasse, wobei das Potenzial bei Biogasanlagen nicht mehr so groß ist.

Ob Volkmarsen in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren bei der Stromerzeugung unabhängig von anderen Quellen werden wird, muss sich zeigen. In Wolfhagen wird das Modell einer energieautarken Gemeinde mithilfe der örtlichen Stadtwerke und einer Bürger-Energie-Genossenschaft schrittweise umgesetzt. Es geht auch eine Nummer kleiner: Der Breunaer Ortsteil Wettesingen will Bioenergie-Dorf werden.

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