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Klosterkirche Volkhardinghausen schließt nach 54 Jahren

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Von: Armin Haß

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Das ehemalige Klostergebäude mit Kirche und Wohnungen soll verkauft werden. Die Schließung der Kirche ist für Ende 2022 geplant. Rechts das ehemalige Schulgebäude, das früher für Gottesdienste mitgenutzt wurde. Das Haus ist nun in privatem Eigentum, der Glockenturm gehört der Stadt.
Das ehemalige Klostergebäude mit Kirche und Wohnungen soll verkauft werden. Die Schließung der Kirche ist für Ende 2022 geplant. Rechts das ehemalige Schulgebäude, das früher für Gottesdienste mitgenutzt wurde. Das Haus ist nun in privatem Eigentum, der Glockenturm gehört der Stadt. © Armin Haß

Die letzten Gottesdienste in der Klosterkirche Volkhardinghausen stehen im November und Dezember an. Das im Eigentum der Waldeckischen Domanialverwaltung befindliche Gebäude steht zum Verkauf an.

Bad Arolsen-Volkhardinghausen – Die Kirchengemeinde hatte vor 54 Jahren den zuletzt als Stall genutzten kirchlichen Teil des früheren Klosters in Gebrauch genommen und wird zum Jahresende aus der Nutzung aussteigen. Die Heizung muss erneuert werden, die alten Fenster bedürfen einer Sanierung.

Kirche und Wohnhaus

Das Geld will die Kirche nicht mehr bereitstellen, auch die Domanialverwaltung beabsichtigt keine Investitionen mehr in das historische Gebäude. Der nichtkirchliche Teil wird als Wohnhaus genutzt.

Die Kirche war nur an den großen Feiertagen für Gottesdienste genutzt worden. Ostern, Pfingsten, zu Erntedank, am Vokstrauertag sowie zum 4. Advent beziehungsweise zu Weihnachten wurden dort zuletzt Gottesdienste abgehalten. Doch die Resonanz war zuletzt sehr gering. Kirchenälteste und Küsterin Inge Höhle zählte beim Erntedankfest gerade drei Besucher. Das sei schon deprimierend.

Das Dorfgemeinschaftshaus   Volkhardinghausen steht als Alternative zur Klosterkirche für Gottesdienste zur Verfügung. Im Hintergrund Landau.
Das Dorfgemeinschaftshaus Volkhardinghausen steht als Alternative zur Klosterkirche für Gottesdienste zur Verfügung.jpg © Armin Haß

Dabei besteht schon eine Verbundenheit mit der Klosterkirche. Der Bürgerverein in Volkhardinghausen , der sich mangels Kandidaten für den Vorstand in diesem Jahr auflöste, hat sich mit Zuschüssen des Landes um einen ebenerdigen Zugang zur Kirche gekümmert und einen Gedenkstein zur Erinnerung an das einstige Kloster aufstellen lassen.

Spenden zurückgefordert

Und um die Sanierung der Fenster finanzieren zu können, stiftete ein Bürger das bei einer privaten Feier gesammelte Geld für diese Renovierung. Doch als dann bekannt wurde, die Kirche werde zum Ende des Jahres für die Gottesdienste geschlossen, da forderten die Spender das Geld zurück. Enttäuscht über die bevorstehende Kirchenschließung äußerte sich eine gebürtige Volhardinghäuser über ihren Facebook-Account.

Die Domanialverwaltung hatte nach der Auskunft der Küsterin versucht, den Anstrich zu erneuern. Doch trat aus den Wänden wegen der früheren Nutzung als Stall Ammoniak aus und blätterte der Putz ab.

Gasheizung defekt

Die Gasheizung funktioniert nicht mehr zuverlässig. Dabei war sie übers Jahr auf eine Mindesttemperatur eingestellt worden, damit unter anderem die Orgel nicht Schaden nimmt. An den Feiertagen wurde die Kirche stärker aufgeheizt.

Der Kirchenvorstand werde sich mit der künftigen Gestaltung der Gemeindearbeit befassen. Wird das Dorfgemeinschaftshaus als Alternative besser genutzt? „Man fühlt sich dort nicht so wohl wie in den vertrauten Kirchenräumlichkeiten“ schätzt Inge Höhle.

Noch zwei Gottesdienste

Wie gut die beiden letzten Gottesdienste in der Klosterkirche angenommen werden, wird sich zeigen.

Für den 6. November ist, eine Woche vor dem eigentlichen Volkstrauertag, am Morgen, geplant ist 9.15 Uhr, eine Andacht geplant. Für den 18. Dezember, am vierten Advent, steht dann der letzte Gottesdienst an.

Als Attraktion aufwerten

Der im Frühjahr aufgelöste Bürgerverein Volkhardinghausen hat sich für eine touristische Aufwertung der alten Klosterkirche eingesetzt. Neben der Pflege des Geländes auf der Westseite hat der Verein, so der frühere Vorsitzende Karl-Heinz Koch im Frühjahr, mithilfe der Domanialverwaltung und der Raiffeisenbank im vorigen Herbst einen großen, bei Rückearbeiten im Wald auseinandergebrochenen Grenzstein geborgen, aufgearbeitet und vor der Klosterkirche aufgestellt.

Dazu seien Tafeln aufgestellt worden, auf denen über die Geschichte des Klosters aus dem 13. Jahrhundert und des Ortes sowie den Grenzstein informiert werde.

Glocke auf Privathaus

Die Klosterkapelle war 1968 für kirchliche Zwecke hergerichtet worden. Vorher war die alte Schule gegenüber von der Kirchengemeinde genutzt worden. Inzwischen ist das Haus verkauft worden und wird als Wohngebäude genutzt. Der Glockenturm auf dem Haus befindet sich im Eigentum der Stadt.  (Armin Haß )

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