Marsberger Berufsmesse richtet sich an künftige Akademiker

Kluge Köpfe im Lande halten

Nordwaldeckische Firmen und nordwaldeckische Bürgermeister bei der Berufsmesse in Marsberg: Bürgermeister Hartmut Linnekugel (BVolkmarsen), Elmar Schröder (l., Diemelstadt) und Jürgen van der Horst (Bad Arolsen) zusammen mit Mitarbeitern der Firma Smurfit-Kappa und Personalchefin Kerstin Heinemann (r). Foto: Elmar Schulten

Marsberg/Bad Arolsen. - Ungewöhnlich viele Firmen in der Region Westfalen und Waldeck sind Weltmarktführer. Sie alle sind auf Nachwuchs angewiesen und fürchten den „Braindrain“ - den Abfluss gut ausgebildeter junger Leute in die Metropolen.

Mit jedem Abiturientenjahrgang entlassen die Gymnasien der Region viele hundert potentielle Nachwuchskräfte in die große, weite Welt und nur wenige finden am ende ihrer Ausbildung den Weg zurück in die Heimat.

„Wir sind hier nicht irgendwo in der Pampa, wo man keine adäquaten Arbeitsplätze für Akademiker findet“, brachte Marsbergs Wirtschaftsführer Rüdiger Nentwig die Sache auf den Punkt: Allein in den fünf südwestfälischen Landkreisen gebe es 140 Firmen, die mit ihren Produkten Weltmarktführer seien. Im Hochsauerlandkreis gebe es immerhin noch 34 davon. Ähnlich sei die Situation in Waldeck. Das Problem sei nur: „Das ist bei den meisten nicht bekannt.“

Um das zu ändern haben die sechs größeren Städte des Altkreises Brilon, von Medebach und Winterberg bis Marsberg, zusammen mit den vier Nordwaldecker Gemeinden gestern eine Berufsmesse in der Schützenhalle Marsberg ausgerichtet.

Beteiligt waren 55 Betriebe und Behörden aus der Region. Mit dabei die Papierfabriken Smurfit-Kappa aus Wrexen, Wepa Hygieneprodukte aus Marsberg, die Firmen Ritzenhoff Glas, Hoppeke Batterien, Viessmann aus Allendorf, Krankenhäuser, die Universität Paderborn und die Fachhochschule Hagen.

Ihr Angebot richtete sich gezielt an Schüler der vier Gymnasien und zwei Berufskollegs der Region. An die 600 Schüler der so genannten Q2 (Jahrgangsstufe 12) hatten ein Jahr vor dem Abitur die Gelegenheit, sich über Duale Studiengänge, Ausbildungsberufe und Karrierechancen in der Region zu informieren.

Nentwig: „Wir verbinden damit die Hoffnung, dass bei einigen ein Rädchen in Gang gesetzt wird, das dafür sorgt, dass eine berufliche Zukunft in der Heimat ins Auge gefasst wird. - Auch wer in Erlangen Maschinenbau studiert, muss am Ende nicht unbedingt bei Siemens landen.“

Aus Sicht der Nordwaldecker Bürgermeister stellte Bad Arolsens Rathauschef Jürgen van der Horst fest: Wir müsen die bidlungswanderung stoppen. Das ist eine Herausforderung für die ganze Region. Wir verlieren sonst immer mehr Nachwuchskräfte an die Metropolen. Wir müssen dabei in Regionen denken.“ Die Landesgrenze dürfe dabei kein Hinderungsgrund sein, denn auch die Suche nach Arbeitskräften erfogle grenzüberschreitend.“

Die Berufsmesse in Marsberg unter dem Titel „Top-Nachwuchs für Top-Firmen“ nannte van der Horst ein kluges Projekt mit Vorzeige-Charakter. Gut denkbar, dass im kommenden Jahr eine solche Berufsmesse in Nordwaldeck ausgerichtet wird.

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