Neue Strukturen und neue Vorstände für Bathildisheim mit Berufsbildungswerk

Mit knappen Mitteln haushalten

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Neue Führungsspitze des Bathildisheims: Kaufmännischer Vorstand ist Hans-Jürgen Scherer (3. v. l.) und Fachlicher Vorstand Pfarrer Christian Geyer (3. v. r.). Unser Bild zeigt beide zusammen mit (v. l.) dem bisherigen Vorstand Albert Schmidt, dem Vorsitz

Bad Arolsen - Die Doppelspitze beim Bathildisheim ist komplett: Als kaufmännischer Vorstand fungiert seit Jahresanfang Hans-Jürgen Scherer (49).

Als Fachlicher Vorstand fungiert seit Herbst bereits Pfarrer Christian Geyer (35). Zuletzt hat Albert Schmidt, der nun in den Ruhestand geht, den Geschäftsbereich Behindertenhilfe geleitet, und Erster Stadtrat Helmut Hausmann hatte für den fristlos abberufenen Geschäftsführer des Berufsbildungswerkes im März 2012 vorübergehend und ehrenamtlich den Vorstandsposten übernommen. Mit den beiden neuen Vorständen sollen nun die Bereiche Behindertenhilfe und Berufsausbildung organisatorisch unter ein Dach gebracht werden. Zwar ist laut Scherer nicht mit größeren personellen Kürzungen zu rechnen, doch sollten doppelte Strukturen aufgelöst und Fluktuationen genutzt werden: Was ist vorgeschrieben, was nützt der Arbeit und was hilft sparen? Das sind laut Scherer die drei wichtigsten Prüfpunkte, unter denen der gesamte Bereich unter die Lupe genommen wird.

Besonders prekär ist die Situation beim BBW in Bad Arolsen und Kassel, wo von einst 260 nur noch 170 Ausbildungsplätze besetzt sind. Aufgrund des Leerstands im Unterkunftsbereich war ein Teil des BBW für die vorübergehende Unterbringung von Asylsuchenden zwischen Herbst und Ende Januar genutzt worden (wir berichteten gestern).

Neue Berufsfelder

Nun müssen neue, attraktive Berufsfelder, wie etwa Mediengestalter, erschlossen werden, die von der Bundesagentur für Agentur gefördert werden, weil sie eine Beschäftigung auf dem regulären Arbeitsmarkt ermöglichen. „Wir müssen dem BBW insgesamt ein stärkeres Profil geben und neue Geschäftsfelder erschließen“, sagt Pfarrer Geyer. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es für diese Förderung einen Markt gibt und mehrere Ausbildungsstätten um diese Jugendlichen werben.“ Vorher seien Ausbildungen in „integrationsschwachen Berufsfeldern gelaufen“, konstatiert Scherer.

Inklusion voranbringen

In die Zusammenarbeit der beiden Geschäftsbereiche sollen auch Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen integriert werden: Das wäre dann auch im Sinne der angestrebten Inklusion. Die dezentralen Wohnangebote werden ausgebaut. In diesem Jahr wird das Wohnheim in Wolfhagen begonnen. Bei der Zusammenarbeit der Förderschule in Bad Arolsen und Rosenthal mit Regelschulen ist man auf einem guten Weg, wie Vorstand Pfarrer Geyer erklärt.

Das Bathildisheim präsentiert sich als diakonisches Dienstleistungsunternehmen, das mit seinen 800 Mitarbeitern und 1100 Menschen mit Behinderungen zu den größten Betrieben der Region zählt.

Knappe Kassen

Um das in Zeiten knapper Kassen besser führen zu können, wurde die Verschmelzung der beiden Geschäftsbereiche beschlossen. Zudem stärkt eine neue Satzung die von Herbert Weygandt geleitete Mitgliederversammlung: „Die 55 Mitglieder gehören dann nicht mehr einem Zustimmungsverein, sondern einem Diskussionsgremium an, in dem Entscheidungen mit auf den Weg gebracht werden.“ Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Welteke dankte den beiden scheidenden Vorständen Schmidt und Hausmann für ihre Arbeit in dem turbulenten, 100. Jubiläumsjahr.

Das Bathildisheim hatte im vergangenen Jahr einen Unternehmensberater angeheuert, um neue Strukturen schaffen zu können und die Führungspitze neu besetzen zu können. Aus 50 hochqualifizierten Bewerbern nach einer bundesweiten Ausschreibung wurden die beiden neuen Vorstände ausgewählt.

„Große Schnittmengen“

Christian Geyer war im vorigen Herbst bereits als neuer Fachlicher Vorstand vorgestellt worden. Er hatte nach seiner Ausbildung zum Pfarrer noch ein Studium der Heil- und Sozialpädagogik aufgenommen und war zuletzt in einer diakonischen Einrichtung in Magdeburg tätig, die „große Schnittmengen“ mit dem Bathildisheim hat.

Nach dem Studium der Betriebswirtschaft hat Hans-Jürgen Scherer acht Jahre als kaufmännischer Geschäftsführer in Leipzig ein Berufsbildungswerk geleitet.

Menschen fördern

„Wir sind nun ein Unternehmen“, beschreibt Pfarrer Geyer die nunmehr vollzogene Strukturänderung. Mit knappen Mitteln müsse gehaushaltet werden, um auch weiterhin das Ziel des Bathildisheims verfolgen zu können: Menschen mit Behinderungen zu betreuen und sie so zu fördern, dass sie eine ihnen angemessene Tätigkeit ausüben können.

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