Sinkende Geburtenzahlen, steigende Anforderungen

Kreiskrankenhaus Wolfhagen stellt Geburtshilfe ein

Wolfhagen - Nach Marsberg, Warburg und Bad Arolsen jetzt auch Wolfhagen: Die Kreisklinik Wolfhagen stellt zum 31. Januar ihr geburtshilfliches Angebot ein. Als einzige Entbindungsklinik in der Region Nordwaldeck/Wolfhagen bleibt nur noch das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Volkmarsen.

Die Entscheidung sei allen schwergefallen, geben die Belegärzte und die Klinikleitung bekannt. Die Gynäkologen Dr. Werner Prinz, Dr. Marion Reif-Kaiser und Dr. Julia Jungermann sowie die Klinikleitung legen großen Wert auf eine sichere und leitliniengerechte Medizin.

Daher haben sie sich gemeinsam entschieden, ab Februar keine Geburtshilfe mehr in der Kreisklinik Wolfhagen anzubieten. Neben den drei gynäkologischen Belegärzten stellen auch die Beleghebammen ihre Tätigkeit zu diesem Zeitpunkt ein.

„Alle angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in diesem Bereich eingesetzt sind, werden weiter am Standort Wolfhagen beschäftigt“, sagt Bernd Tilenius, Geschäftsführer der Kreiskliniken Kassel.

Das gynäkologisch-operative Angebot bleibe unverändert aufrechterhalten, sodass die gynäkologischen Patientinnen nach operativen Eingriffen weiterhin auf der interdisziplinären Station versorgt werden.

In der Geburtshilfe wurden nach Auskunft der Gynäkologen die Leitlinien in den vergangenen Jahren stetig verschärft. Beispielsweise ist eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung der Neugeborenen durch Kinderkrankenpfleger oder entsprechend geschultes und erfahrenes Pflegepersonal vorgesehen.

Die Ärzte sehen diese Anforderung auf Dauer im Wolfhager Krankenhaus nicht mehr gesichert, da es nicht möglich gewesen sei, offene Stellen im Bereich der Kinderkrankenpflege nachzubesetzen.

Für die Beleghebammen ist die erneute Erhöhung der Haftpflichtprämien im kommenden Jahr der wesentliche Grund für ihre Entscheidung. Sie soll zur Jahresmitte auf 5100 Euro angehoben werden.

Zum Vergleich: Im Jahr 2011 waren es noch rund 3000 Euro. Und die nächste Erhöhung ist für das Jahr 2015 bereits angekündigt. Diese hohen Prämien stellen bei nur gut 230 Geburten im Jahr einen hohen Kostenfaktor für die Beleghebammen dar.

Die finanzielle Unterdeckung der Abteilung aufgrund der niedrigen Geburtenzahlen ist auch ein Grund für die Klinik, das geburtshilfliche Angebot einzustellen.

Die Gynäkologen betonen gleichzeitig, dass der wesentliche Anlass für ihre Entscheidung, keine Geburtshilfe mehr anzubieten, der Blick auf die dauerhaft leitliniengerechte Medizin sei.

Unabhängig davon bieten sie weiterhin Vorsorgeuntersuchungen für schwangere Patientinnen in ihrer Praxis auf dem Gelände der Kreisklinik Wolfhagen an. (r)

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