Kassel /Berndorf

Kündigung wegen einer Organspende

- Twistetal/Kassel (-ah-). Ist eine Kündigung rechtens, wenn eine Arbeitnehmerin eine Niere spenden will und deswegen einen Monat ausfällt? Um diese Frage ging es am Montag beim Arbeitsgericht in Kassel.

Wenige Tage vor der für diese Woche geplanten Entnahme des Organs und der anschließenden Übertragung an ihren 47-jährigen Freund aus Twistetal-Berndorf kündigte ihr der Arbeitgeber in Kassel fristlos. Grund: Sie habe ihrem Chef zu spät, nämlich erst am 26. Mai, den genauen Termin genannt, obwohl die Firma wegen der guten Auftragslage jeden Mitarbeiter brauche.

Der Fall war von der 43-Jährigen für Montagmittag kurzfristig vor das Arbeitsgericht in Kassel gebracht worden. Ziel war es, eine Freistellung für den Eingriff an der Medizinischen Hochschule Hannover zu erwirken. Mit der fristlosen Kündigung habe sich der Termin jedoch schon erledigt, erklärte ihr Anwalt Martin Klosner vor Beginn des Termins bei der Kammer 7. Angestrebt werde daher eine Kündigungsschutzklage.

Doch Richter Dr. Manuel Eicher warb um eine gütliche Einigung, und so verständigten sich beide Parteien darauf, dass die fristlose in eine betriebsbedingte Kündigung umgewandelt wird und zusätzlich ein Obolus in Form von rund 2000 Euro an die Arbeitnehmerin gezahlt wird. Annabell Möder-Freiling hatte selbst vor dem Arbeitsgericht bekundet, nicht mehr bei der Firma arbeiten zu wollen. Doch akzeptiere sie nur eine fristgerechte Kündigung, um nicht bei der Bundesagentur für Arbeit eine zwölfwöchige Sperre des Arbeitslosengeldes auferlegt zu bekommen.

Der Anwalt des Arbeitgebers, Dr. Oliver Frey, betonte: „Glauben Sie nur nicht, dass wir Unmenschen sind und gegen die Organspende wären.“ Der Chef habe seine grundsätzliche Zustimmung erteilt. Doch so kurzfristig sei das nicht in Ordnung. Anderslautende Eidesstattliche Versicherungen über eine Ankündigung Ende März seien falsch, sagte der Anwalt und deutete die Möglichkeit eines Strafverfahrens an.

Bernd Emde muss wegen einer Nierenerkrankung seit sieben Jahren zur Dialyse und wartete auf ein Spenderorgan. Seine Freundin, Mutter von zwei Kindern, bot sich bereits zu Beginn der Beziehung im Frühjahr 2009 als Organspenderin an.

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