Rhoder Kegelclub „Gut Holz“ ist nach fast 100 Jahren das Aus gekommen

Die Kugel rollt nicht mehr

Die letzten aufrechten Kegler von „Gut Holz“ nach ihrer Entscheidung zur Einstellung des aktiven Kegelbetriebes an der Heidehütte. Hintere Reihe, v.l.: Otto Sinemus, Willi Rose (Kassierer), Hans Kantz, Otto Westphal (Schriftführer), Karl Varlemann, Heinz Flamme. Vorne, v.l.: Herbert Varlemann, Karl Vogel, Heinz Heller (Vorsitzender), Wilhelm Bracht, Günter Gutschank, Wilhelm Römer. Foto: Friele

Diemelstadt-Rhoden. - „Das aktive Kegeln wird eingestellt“, das beschlossen die Mitglieder des ältesten, renommiertesten und über viele Jahre einzigen Rhoder Kegelclub „Gut Holz“ bei ihrer letzten Zusammenkunft. Dabei könnte der Club 2019 sein 100-jähriges Bestehen feiern.

Im ersten noch vorhandenen Protokoll des Kegelclubs ist festgehalten, dass August Pfannkuche, Heinrich Pröpper und Fritz Sievert 1919 als neue Mitglieder aufgenommen werden. Somit steht fest, dass der Club noch wesentlich älter ist.

Das Jahrhundert-Jubiläum wollen die (Rest-)Kegler von „Gut Holz“ dennoch feiern, auch wenn der aktive Kegelbetrieb aufgrund der Altersstruktur (der jüngste Kegler ist bereits über 70 Jahre alt!) jetzt eingestellt wurde.

Viele schöne Erinnerungen

Die vielen aktiven Jahre machen sich bemerkbar. Da zwickt die Schulter, die Beine wollen nicht mehr richtig und vor allem „das Bücken“ bereitet oft Schwierigkeiten.

Hinzu kommt, dass das letzte Kegellokal, Hanebeck in Wethen, geschlossen hat und man einen weiteren Umzug nicht mehr will.

Damit geht für „Gut Holz“auch eine über 100-jährige Odyssee zu Ende, die nach mündlichen Überlieferungen bereits in den 1870er-Jahren auf der Freiluftkegelbahn im fürstlichen Lustgarten begann. Es folgten nach dem 1. Weltkrieg aktive Jahre in der überdachten Sommer-Kegelbahn im „Krug“, um dann in das Gasthaus Götte (Bäckerwilmes) zu wechseln, als dessen Wirt mit massiver Hilfe des TV Rhoden dort einen Turn- und Festsaal anbaute und diesem mit einfachsten Mitteln eine Kegelbahn anfügte.

Die älteren Kegler von „Gut Holz“ erinnern sich noch an dieses „Monster“. Auf Holzstützen errichtet, weder von unten noch von oben isoliert, pfiff im Winter der kalte Ostwind durch den Fußboden aus Holzbohlen. Die Pufferung des Kugelfangs bestand meist nur noch aus einer Mischung von alten Matratzen und Sägemehl.

Mehrmals umgezogen

Während sich die Kegler bei Bier und Zigarren an einem Holzofen wärmen konnten mussten die Kegeljungen (zum Aufstellen der Kegel gegen einen Obolus angestellt) in Kälte und Staub im Kugelfang ausharren.

Dennoch soll es Spaß gemacht haben. Warum sonst hat „Gut Holz“ die Lokalität erst verlassen, als das Gasthaus Götte abgebrochen wurde, obwohl es im Rosengarten eine moderne Bundeskegelbahn gab.

Diese neue „Luxuskegelbahn“ im Rosengarten wurde dann für lange Jahre das nächste Domizil von „Gut Holz“, als der Rosengarten verkauft und nur noch privat genutzt wurde und man nach Wethen umzog.

Im Stadtleben präsent

Auf diese wechselvolle Geschichte blickten die letzten verbliebenen Kegler von „Gut Holz“ mit Stolz zurück. Schließlich hat sich ihr Verein über die gemütlichen Runden des „Hobbysport-Kegelns“ hinaus immer im besonderen Maße auch für die örtliche Gemeinschaft eingesetzt.

Viehmarktswagen gebaut

Dabei sind nicht nur die zahlreichen Karnevals- und andere Tanzveranstaltungen in „Bäckerwilmes Saal“ oder der alten Turnhalle zu nennen sondern auch die regelmäßige Teilnahme an den Viehmarktsfestzügen mit qualitätsvollen Beiträgen, die stets auch das Engagement der Handwerker im Club widerspiegelten.

Dreimal hintereinander konnte der Club den ersten Preis und damit den Wanderpokal erringen. Höhepunkt des Clublebens war jedoch der Bau der Heidehütte, einschließlich des Wiederaufbaues, nachdem sie, wie andere Hütten im Stadtbereich, vor einigen Jahren abgebrannt war.

Die „Heidehütte“ auf der Flüburg wurde zur echten Heimat des Clubs, auch wenn die Stadt Eigentümerin der Schutzhütte ist, sorgen die Clubmitglieder für Bewirtschaftung, Bau, Unterhaltung, Ordnung und Sauberkeit.

Auch nach Einstellung des aktiven Kegelbetriebes wird „Gut Holz“ die Heidehütte weiter betreuen und zum wöchentlichen Treffen nutzen, zumindest bis zur 100-Jahr-Feier!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare