Hessischer Heilbäderverband tagt drei Tage lang in Schön-Klinik Bad Arolsen

Kurgast als Wirtschaftsfaktor

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Der Hessische Bädertag wurde am Donnerstag in Bad Arolsen eröffnet: v.l. Bad Endbachs Bürgermeister Markus Schäfer, sein Bad Arolser Amtskollege Jürgen van der Horst, Almut Boller als Geschäftsführerin des Hessischen Bäderverbands mit ihrem Vorsitzenden Ronald

Bad Arolsen. - Die 30 hessischen Heilbäder und Kurorte setzen längst nicht mehr nur auf die klassische Reha-Kur. Die „neue Kur“ wendet sich verstärkt an Selbstzahler, die bei einem Kurzurlaub etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun möchten.

Die hessischen Heilbäder setzen auf Vielfalt, wie der Präsident des Hessischen Bäderverbandes, Ronald Gundlach, gestern bei der Eröffnung des Bädertages im Weißen Saal der Schön-Klinik an der Großen Allee unterstrich. Es gibt große und kleine Kurorte und Heilbäder, solche mit nur wenigen medizinischen Einrichtungen und Klinik-Schwerpunkte wie in Bad Wildungen mit seinen 19 Kliniken.

Lohnt sich der Aufwand?

All diese Heilbäder und Kurorte stehen inzwischen in kommunaler Trägerschaft. Und so stellt sich angesichts leerer Stadtkassen immer häufiger die Frage nach der Wirtschaftlichkeit.

Deshalb hat der Bäderverband bei einem Münchner Forschungs- und Beratungsunternehmen, das auf die Tourismus- und Freizeitbranche spezialisiert ist, eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse gestern erstmals präsentiert wurden. Danach wurden 2011 rund 9,41 Millionen Übernachtungen in den hessischen Heilbädern und Kurorten verzeichnet.

In die Statistik sind allerdings nur Übernachtungen in Häuser mit mehr als neun Betten eingeflossen, was noch höhere Zahlen vermuten lässt.

Gesundheits-Tourismus

Vorsorge- und Rehakliniken konnten mit 47,4 Prozent den Hauptteil der Übernachtungen für sich verbuchen. Hotels der unterschiedlichen Preiskategorien deckten zusammen 26,6 Prozent der Übernachtungen ab.

Insgesamt leisten die Gesundheitsorte einen Beitrag von rund 30 Prozent zu den gesamten Übernachtungen in Hessen, das sich 2011 über rund 29 Millionen Übernachtungen freute.

„Damit sind die Heilbäder und Kurorte ein wichtiges Standbein des Tourismus in Hessen“, stellte der Vorsitzende des Hessischen Heilbäderverbandes, Ronald Gundlach, fest.

Milliardengeschäft

Eine weitere wichtige Zahl ist die der Tagesreisen: 25 Millionen Tagesausflüge in die Heilbäder und Kurorte in Hessen wurden ermittelt. „Die Tagestouristen sind in Bezug auf die Aufenthaltstage das mit Abstand wichtigste touristische Marktsegment“, bestätigt Dr. Bernhard Harrer, Vorstand des Forschungsinstitutes und Leiter der Studie.

Harrer ermittelt mit seinem Team auch die Bruttoumsätze der Gäste in den Kurorten. Dabei kam er auf die beachtliche Summe von 1,85 Milliarden Euro. Davon profitierten naturgemäß viele unterschiedliche Branchen, und zwar zu etwas mehr als 50 Prozent das Gastgewerbe, zu etwas mehr als 25 Prozent das Dienstleistungsgewerbe und zu rund 20 Prozent der Einzelhandel.

Handlungsempfehlungen

Die Studie kam außerdem zu dem Ergebnis, dass der Kurtourismus in Hessen rund 38000 Arbeitsplätze sichere und für ein Steueraufkommen von rund 200 Millionen Euro verantwortlich sei. Davon profitierten also die Kurorte und ihre Bürger unmittelbar.

Im Auftrag der Landesregierung, des Städtetages und des Heilbäderverbands hat die Hessenagentur außerdem ein Entwicklungskonzept für die hessischen Heilbäder erarbeitet. Die Studie enthält eine Situationsanalyse und Handlungsempfehlungen, aufgeteilt nach fünf unterschiedlichen Gruppen von Kurorten.

Alles in allem hat sich die Situation in den hessischen Heilbädern sehr positiv entwickelt. Geschäftsführerin Almut Boller führt dies auf die grundsätzliche Neuausrichtung der Kur zurück.

Ansprechende Broschüre

Die sehr persönlich zugeschnittenen und zeitgemäßen Angebote seien gästefreundlich: „Hier werden Pakete geschnürt, die bei den Menschen ankommen. Jedes Heilbad und jeder Kurort hat mit den Elementen Wasser, Erde und Luft individuelle Stärken, die aber auch geschickt vermarktet werden müssen. Und dieses gelingt immer besser“, bilanziert Boller, die seitens des Verbandes die Macher vor Ort ganz praktisch unterstützt. So ist eine neue Broschüre, „Heilbäder und Kurorte in Hessen“, erhältlich, die alle Angebote des Bundeslandes gleichermaßen optisch ansprechend wie informativ darstellt.

Am heutigen Freitag wird der Bädertag ab 9.30 Uhr mit der Mitgliederversammlung des Hessischen Bäderverbandes im Weißen Saal der Schön-Klinik an der Großen Allee fortgesetzt.

Hintergrund

Die hessischen Heilbäder und Kurorte freuten sich im Jahre 2012 über gut 9,8 Millionen Übernachtungen und 2,5 Millionen Ankünfte. Insgesamt bedeutet das ein Plus von 3,3 Prozent. Nimmt man Kassel aus dieser Statistik heraus – hier wurden aufgrund der Documenta im vergangenen Jahr hohe Zuwachsraten auch außerhalb der Kur verzeichnet – verbleibt immer noch eine Zunahme der relevanten Gästedaten von 1,5 Prozent.

„Das ist angesichts der wirtschaftlich turbulenten Zeiten und des allgemeinen Sparverhaltens der Verbraucher ein sehr erfreulicher Wert“, betont Almut Boller, Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbandes mit Sitz in Königstein im Taunus.

Im Einzelnen wurden insgesamt rund 315 000 Übernachtungen und gut 66 000 Ankünfte mehr im Vergleich zum Vorjahr gezählt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt damit bei knapp 3,9 Tagen (Vorjahr: 3,8 Tage). Wiesbaden und Bad Wildungen liegen bei den Übernachtungszahlen erneut über der Ein-Millionen-Grenze und konnten sich nochmals verbessern.

Aber auch Bad Camberg (213 593), Bad Orb (413 192) und Bad Sooden-Allendorf (423 187) registrierten jeweils bis zu 22 000 zusätzliche Übernachtungen. In Bad Arolsen wurden 125 000 Übernachtungen amtlich registriert. Die Zahl dürfte aber noch höher liegen, weil in die amtliche Statistik neuerdings keine Zahlen aus Häusern mit weniger als neun Betten einfließen. Außerdem werden die Patienten der Schön-Klinik neuerdings nicht mehr mitgezählt, weil sich der Status der Klinik vom Reha- zum Akutkrankenhaus gewandelt hat. (r/es)

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