Sanierung der Autobahnbrücke Orpe bringt mehr Ruhe

Lärmschutz bringt nicht die rechte Freude

Diemelstadt-Orpethal - Es wird bestimmt ruhiger, doch die autobahngeplagten Schaakes können sich nicht so recht über den anstehenden Bau von Lärmschutzwänden freuen.

Sechs Millionen Euro wird der Bund für die Sanierung der drei Brücken zwischen Diemelstadt und Liebenau ausgeben - und als Krönung entstehen auf der Autobahnbrücke Orpe zwei Meter hohe und 220 Meter Lange Lärmschutzwände (wir berichteten am Samstag). Das ist das Ergebnis 20-jährigen Ringens von Hausbesitzer Armin Schaake mit den Straßenbaubehörden: Er und seine Ehefrau Burgunde sowie die Familie der Tochter Carmen leben in dem Wohnplatz Sägemühle im Schatten der Autobahnbrücke. Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs 1989 war es verhältnismäßig ruhig auf der A 44 zwischen Dortmund und Kassel, danach nahm der Schwerverkehr zu und nervt so sehr, dass Ehefrau und Tochter unter Tinnitus leiden - Innenohrgeräuschen, die Burgunde Schaake zur Dauerpatientin haben werden lassen. Zur Arbeit schleppt sie sich trotz Schlaftabletten nach durchwachter Nacht nur mit Mühen. Flucht am Wochenende Kleine Fluchten sind die erste Konsequenz: Die Eheleute flüchten seit einigen Jahren auf den Campingplatz am Diemelsee. Dort ist es paradiesisch ruhig, so dass sie am liebsten dort bleiben würden, wenn Frau Schake nicht noch im Berufsleben stehen würde. Die Arbeit macht ihr Spaß, und sie darf auf eine verständnisvolle Chefin setzen. Doch die Geräusche von der Autobahn gehen über ihre Kräfte: Und nun kündigt sich neues Ungemach in Gestalt des zunehmenden Schwerverkehrs von den Papierfabriken an, der direkt an den beiden Häuschen vorbeidonnert. Trotz des Tempolimits 70 ist es dort riskant. Enkel Moritz wurde von einem Laster so bedrängt, dass der heute Zwölfjährige mit dem Fahrrad in den Graben fuhr. „Ich wäre Amok gelaufen, wenn da noch Schlimmeres passiert wäre“, sagt Carmen Schaake-Varlemann, die von einem ähnlichen Ereignis mit ihrer Tochter berichtet, die mit dem Motorroller gegen eine Leitplanke geriet. So richtig groß ist die Freude auch nach den nunmehr erfolgreich verlaufenen Auseinandersetzungen wegen des Lärmschutzes nicht. Zumal Armin Schake, entnervt von dem jahrelang vergeblichen Bemühungen, inzwischen anbot, sich entschädigen zu lassen und ein neues Haus in Wrexen zu bauen: „Das wäre deutlich billiger als die Schallschutzwände“, sagt Schaake. In einem Schreiben des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen Bad Arolsen von 2010 waren die einer Modellrechnung der Straßenbauverwaltung zugrundegelegten Schutzwände mit einer Höhe von vier Metern mit 625 000 Euro beziffert worden. Zwei Jahre später hatte sich der gerade neu ins Amt eingeführte Diemelstädter Bürgermeister Elmar Schröder eingeschaltet und war mit dem Ansinnen einer Entschädigung beim Landesbetrieb Straßen NRW in Hamm auf ein Entgegenkommen gestoßen. Allerdings wurde in NRW auf die Entscheidungskompetenz beim Bundesverkehrsministerium verwiesen. Das Bundesministerium stellte dann klar: „Ein freiwilliger Verzicht auf Lärmschutzmaßnahmen gegen Zahlung einer Entschädigung ist nicht möglich.“ Diese käme nur in Frage, wenn Schallschutz „keine oder keine ausreichende Abhilfe bringen“ würde. Zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen zu der am Haus direkt vorbeiführenden Landesstraße 3438 sind nach einer bei Hessen Mobil 2013 angestellten Berechnung nicht erforderlich, weil die geltenden Grenzwerte von 67 bzw. 57 dB (A) Schalldruck tagsüber und nachts nicht überschritten würden. Ringen geht weiter Nun teilt die Autobahnniederlassung Hamm vom Landesbetrieb Straßen NRW mit, dass der 2012 angekündigte Bau einer Lärmschutzwand auf der Talbrücke Orpathal „jetzt konkret umgesetzt werden wird.“ Die Sanierungsarbeiten auf dem Streckenabschnitt zwischen den Anschlussstellen Liebenu und Diemelstadt haben gestern begonnen. Bis sollen die Lärmschutzwände in beiden Richtungen fertig sein.Die beiden Familien können sich auch über solche Nachrichten nicht aus vollem Herzen freuen. Mit einem Geräuschpegelmessgerät in der Hand macht Armin Schake deutlich, dass er weiter kämpfen wolle.

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