Volkmarsen: Umgehung als Infrastrukturmaßnahme für strategischen VW-Standort

Land Hessen mit ins Boot holen

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Volkmarsen - Ihre planerischen Hausaufgaben haben sie mit Bravour erfüllt. Nun geht es nur noch um die Kleinigkeit der Finanzierung: Die im Zuge des Baus der neuen Logistikhalle vom Landrat zugesagte Umgehungsstraße wird rund acht Millionen Euro kosten.

Als zuständiger Dezernent fasste gestern Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf bei einer Pressekonferenz im Kreishaus den aktuellen Planungsstand für die Nord-West-Umgehung zusammen: Mehrere Fachbüros sind an den Planungen beteiligt. Die Federführung hat Hans-Dieter Gasch von Hessen-Mobil (früher: Straßenbauamt). Bei der Untersuchung aller möglichen Trassenvarianten wurde inzwischen diejenige Nord-West-Variante herausgefiltert, die die größte Entlastungswirkung für die Volkmarser Innenstadt hat und zugleich die geringsten Eingriffe in die Natur und in die Rechte Dritter mit sich bringt.

Ausgewählt wurde eine 4,5 Kilometer lange Trasse, die im großen Bogen von der Arolser Straße um das Naturschutzgebiet am Stadtbruch herum, über die Herbser Straße und bis hin zur Warburger Straße führt. Der Flächenverbrauch wird auf rund zehn Hektar geschätzt.

Um nicht unnötig viel landwirtschaftliche Fläche zu verbrauchen, soll der notwendige naturschutzrechtliche Ausgleich vor allem auf Waldflächen und bei Gewässern erfolgen, so Deutschendorf. Das sei eines der Ergebnisse der frühzeitigen Bürgerbeteiligung und des Scoping-Termins im Beisein von Landwirten und Vertretern der Bürgerinitiative.

Ein weiteres Ergebnis der Vorplanung sind die aktuellen Zahlen der Verkehrsbelastung auf den Straßen rund um Volkmarsen: Daraus geht hervor, dass die geplante Umgehungsstraße rund 4800 Fahrzeuge aufnehmen wird. Davon sei schon heute rund ein Viertel Schwerlastverkehr. Straßenplaner Hans-Dieter Gasch: "Das sind mehr Lastwagen als so manche Bundesstraße aufnehmen muss."

Aus seiner langjährigen Praxis konnte Gasch zudem berichten, dass er in den vergangenen 35 Jahren noch kein Flurbereinigungsverfahren erlebt habe, bei dem am Ende einem Landwirt weniger Land als vorher zum Beackern übrig geblieben sei. Landwirte müssten sich also keine ernsthaften Sorgen machen, durch den Bau der Umgehungsstraße Flächen zu verlieren.

Bürgermeister Hartmut Linnekugel berichtet, dass das Volkmarser Stadtparlament mit dem Antrag zur Änderung des Regionalplanes bereits einen wichtigen Planungsschritt in Gang gesetzt habe. Im Mai sollen Aufstellungsbeschlüsse zur Änderung des Flächennutzungsplans folgen. Damit soll zum einen das Baurecht für die Umgehungsstraße geschaffen werden, zum anderen soll für eine mögliche Erweiterung der Logistikhallen vorgesorgt werden.

Linnekugel: "Volkmarsen scheint bei Volkswagen zu einem strategischen Standort zu werden. Da möchten wir gerne vorsorgen." Mit so einem starken Argument in der Hinterhand hoffen Stadt und Landkreis auf ein deutliches Signal aus Wiesbaden, was die Finanzierung der Verlegung der Verbindung zwischen den Landesstraßen L 3075 und L 3080 angeht. "Wir müssen uns mit dem Land über die Infrastrukturmaßnahme verständigen", bringt Landrat Dr. Reinhard Kubat seine Gedanken zu den acht Millionen Euro Baukosten auf den Punkt. (es)

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