Waldecker gerät in Arabische Revolte

Landauer Historiendarsteller mimt den Gegenspieler des Lawrence von Arabien

Filmszene in der Sandwürste Jordaniens: Arabisch gekleidete Kämpfer mit Gewehren stehen mit einem Mann in der gelben Wüsten-Uniform des deutschen Kaiserreichs vor einem historischen Panzerwagen in gelber Tarnlackierung.
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Der Landauer Christoph Behr in der Uniform eines kaiserlichen Offiziers bei einer historischen Filmproduktion in Jordanien: Die Gefangenen werden vor einem britischen Panzerwagen präsentiert.

Der Landauer Christoph Behr hat bei der historischen Aufführung und Filmdokumentation zur Arabischen Revolte von 1916 in Jordanien mitgewirkt.

Bad Aroslen - Beduinenstämme führten im Ersten Weltkrieg einen Kleinkrieg gegen deutsch-türkische Truppen im Osmanischen Reich. Auch Waldecker gerieten in die Wirren der Arabischen Revolte Wadi Rum.

Die Revolte gilt als zentrales Ereignis auf dem Weg zum Königreich. Stellvertretend für die deutschen Truppen an dieser Front des Ersten Weltkriegs, reiste der Landauer Christoph Behr als Darsteller eines deutschen Offiziers auf der legendären Hedschasbahn durch die jordanische Wüste, in der er dann gefangen genommen wurde.

Großscherif ruft die Arabische Revolte aus

Der Grund für den Einsatz deutscher Soldaten im Orient, in deren Kontingenten sich auch Waldecker befanden, war das 1914 geschlossene Militärbündnis zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem Osmanischen Reich. Das heutige Jordanien lag zu dieser Zeit innerhalb der Grenzen des Osmanischen Reiches.

Die Hedschasbahn spielte eine zentrale Rolle zur Verteilung und Versorgung der deutsch-türkischen Truppen und machte sie zum Hauptangriffsziel der Araber im Unabhängigkeitskampf.

Großscherif rief die Arabische Revolte aus

Der Herrscher über die Heiligtümer der Muslime im Osmanischen Reich war der Großscherif von Mekka Hussein Ibn Ali. Als Emir des Hedschas war er zugleich ein Vasall des Sultans und dessen Regierung in Konstantinopel. Für die Gefolgschaft im Weltkrieg verlangte er jedoch nicht weniger als seine volle Souveränität im Hedschas.

Die Briten sicherten ihm diese zu, wenn er mit ihnen gegen die Türken kämpfen würde. Da Konstantinopel nicht einwilligte, stellte sich Hussein auf die Seite der Briten und rief die Arabische Revolte aus.

Überfall auf die Hedschasbahn

Mit massiver britischer Unterstützung wurde nun die für die Türken strategisch wichtige Hedschasbahn ein bevorzugtes Angriffsziel der Aufständischen. Weltbekannt wurden diese Bahnüberfälle durch den preisgekrönten Hollywood-Film Lawrence von Arabien.

Beduinen auf Kamelen und Pferden erschienen am Gleisdamm und nahmen die Bahn unter Beschuss. Die Türken erwiderten das Feuer unter dem Kommando des deutschen Offiziers. Nun griff zusätzlich ein britischer Panzerwagen ein und die Lokomotive wurde wegen zerstörter Gleise zum Anhalten gezwungen. Die Zugbesatzung musste sich ergeben und wurde gefangen genommen.

Zur Aufführung kam dieses Stück jordanischer Geschichte bereits in der Vergangenheit. In der coronabedingten Zwangspause wurde das Konzept weiterentwickelt und Behr zur Auftaktveranstaltung im Jubiläumsjahr des Königreichs eingeladen. Interessierte können die Hedschasbahn-Fahrt über die Jordan Heritage Revival Company (www.jhrc.jo) buchen. 

Lebendige Geschichtsvermittlung

Christoph Behr ist Museumswissenschaftler und arbeitet als Kurator. Daneben berät er Veranstalter historischer Events und Reenactments. Insbesondere Geschichtswissen ließe sich mittels historischer Nachstellungen interessant und nachhaltig vermitteln, davon ist Behr überzeugt.

Gelegentlich schlüpft er selbst in historische Rollen, beispielsweise in die des Militärarchäologen Theodor Wiegand, natürlich in originalgetreuer Uniform und mit über 100 Jahre altem Vermessungsgerät. Authentisch muss es sein. Und tatsächlich gab es 1916 deutsche Militärarchäologen in Jordanien. Als Deutsch-Türkisches Denkmalschutzkommando arbeiteten sie über das Weihnachtsfest 1916 an der heutigen UNESCO Weltkulturerbestätte Petra, unweit des Wadi Rum. (red)

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