Alte Handwerkstechniken sollen wieder aufleben

Landauer Verein Bellicum Montanum will Fachwerkhaus mit Gewölbekeller erhalten

Ein Mann in einem alten Gewölbekeller zeigt den Weg nach oben.
+
Diesen verschütteten Aufgang vom Gewölbekeller in die gute Stube haben Mitglieder des Vereins Verein Bellicum Montanum freigelegt. Feldhauptmann (Vorsitzender) Christof Hollenstein-Nadaschdy freut sich als Braumeister besonders, dass bei den Arbeiten ein alter Zapfhahn aus Messing gefunden wurde. Vielleicht war dies einmal ein Braukeller.

Der Verein Bellicum Montanum, der sich in den vergangenen Jahren mit möglichst detailgetreuen Darstellungen des Söldnerlebens im Dreißigjährigen Krieg einen Namen gemacht hat, lässt nun mit einem größeren, Projekt aufhorchen.

Bad Arolsen-Landau - Mit Fördermitteln aus dem europäischen Leader-Programm hat der Verein ein altes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert mit Gewölbekeller aus dem 15. Jahrhundert erworben. Das Gebäude steht im Schatten des markanten Kirchturms der Landauer St.-Georg-Kirche.

Nun soll das Gebäude möglichst authentisch mit althergebrachten Handwerkstechniken wieder hergerichtet werden. Der Verein will keine Heizung einbauen und auch die Elektroinstallationen auf ein Minimum reduzieren.

War das Gewölbe einst ein Braukeller?

Beim Rückbau der alten Wände und Decken wollen die Mitglieder sehr behutsam vorgehen und sich mit der Denkmalpflege abstimmen. Nach einer ersten Begutachtung durch die Untere Denkmalbehörde beim Landkreis hat auch Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab sein Interesse bekundet. Leider seien aktuell allen Landesbediensteten Dienstfahrten untersagt, aber sobald die Pandemie überwunden ist, sollen hier Nägel mit Köpfen gemacht werden, sagt Feldhauptmann Christof Hollenstein-Nadaschdy. Der Titel Feldhauptmann ist die Bezeichnung für den Vereinsvorsitzenden bei Bellicum Montanum.

In dem alten Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert mit Gewölbekeller aus dem 15. Jahrhundert gibt es viel zu entdecken und noch mehr zu restaurieren.

Im richtigen Leben ist der Vorsitzende Braumeister. Das erklärt auch seine Begeisterung, als im Erdaushub des Gewölbekellers ein alter Zapfhahn aus Messing gefunden wurde. Vergleiche mit ähnlichen Funden auf Internet-Bildern deuteten auf das 15. Jahrhundert hin. „Vielleicht war hier ja mal ein alter Braukeller“, sagt Hollenstein-Nadaschdy und hofft, noch mehr über die Geschichte des Hauses herauszufinden.

Viele Handwerksberufe im Verein vertreten

Die Inschrift in den Balken jedenfalls verrät, dass dies einmal das Stammhaus der Familie Schäfer war. Beim großen Brand von 1749 brannte das Fachwerk nieder. Übrig blieben nur die Sandsteinsockel aus dem 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit könnte auch der Gewölbekeller stammen. 1752 wurde das Haus deutlich größer wieder aufgebaut. Im Laufe der Jahrhunderte gab es viele Eigentümerwechsel. Und bei jedem Wechsel wurde das Haus dem Geschmack der Zeit angepasst.

Die jetzigen Eigentümer dürften die ersten sein, die das Rad der Geschichte zurückdrehen möchten und das Gebäude möglichst in seinen Urzustand versetzen möchten. Dazu passt, dass viele Mitglieder von Bellicum Montanum alte Handwerksberufe beherrschen. Es gibt Experten für Holz- und Eisenbearbeitung und vor allem viele fleißige Hände, die mit anpacken wollen, sobald die Corona-Beschränkungen wieder aufgehoben werden. Wenn alles fertig ist, soll das Gebäude als Vereinsheim genutzt werden und bei historischen Schützenveranstaltungen in der alten Bergstadt der Öffentlichkeit zugänglich sein. (Elmar Schulten)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare