Gedankenanstöße beim Neujahrsempfang

Landesbischöfin zu Gast im Bathildisheim: Pflege besser vernetzen

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Die Bischöfin der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Beate Hofmann, sprach beim Neujahrsempfang des Bathildisheims zum Thema lokale Sorge-Netzwerke. Das Foto zeigt sie zusammen mit Vorstand und Aufsichtsrat des Bathildisheims. Von links Dekanin Eva Brinke-Kriebel, Vorstand Jens Wehmeyer, Carl Anton Prinz zu Waldeck und Pyrmont, Vorstand Dr. Christian Geyer, Prof. Dr. Beate Hofmann, Dr. Jürgen Leiter und Ulrich Welteke. 

Beim Neujahrsempfang des Bathildisheims hat die Landesbischöfin der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Beate Hofmann, für neue Formen der Pflege geworben.

Bad Arolsen. Es sei abzusehen, dass das jetzige System der Pflege allein mit professionellen Pflegekräften auf Dauer nicht zu finanzieren sei. Eine steigende Zahl von Pflegebedürftigen und eine begrenzte Zahl von Fachkräften zeige die Grenzen des Systems auf. Umso wichtiger sei es, sich um eine Vernetzung von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften zu bemühen. 

In den Niederlanden habe das Konzept von Buurtzorg (gesprochen etwa: Bührtsorch) großen Zuspruch erfahren. Der Projektname, der übersetzt etwa Nachbarschaftspflege bedeute, umschreibe sehr gut, worum es gehe: Familienmitglieder, Nachbarn und hauptamtliche Pflegekräfte kümmern sich gemeinsam um Pflegebedürftige. 

Am Beginn jeder Pflege stehe ein gemeinsames Gespräch aller Beteiligten beim Kaffee. Dabei werde abgeklopft, wer was leisten könne. Dabei werde oft deutlich, dass auch die Pflegebedürftigen einen Beitrag leisten könnten, denn jeder habe seine individuellen Fähigkeiten.

Menschlichkeit geht vor Bürokratie

Ihr selbst gefalle der Gedanke sehr, bekannte die Landesbischöfin, die sich als Diakoniewissenschaftlerin intensiv schon lange mit den Details beschäftigt hat. Sie verstehe christliche Gemeinschaft als Sorge-Netzwerk nach dem Bibelwort: „All Eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“

In diesem Spruch würden die unterschiedlichen Bedeutungen von Sorge deutlich: In einem Sorge-Netzwerk gehe es natürlich nicht darum, sich gegenseitig die Sorgen zu klagen und zu jammern, sondern vielmehr darum, sich zu kümmern und anderen zu helfen. Jeder nach seinen Möglichkeiten.

Dabei gehe es nicht nur um physische Hilfe, sondern auch um das Gefühl des Eingebundenseins. Das werde auch im niederländischen Projekt Buurtzorg gepflegt: Menschlichkeit gehe vor Bürokratie.

Renaissance der Gemeindeschwester

In Deutschland habe es das schon einmal gegeben, nämlich in der Person der guten, alten Gemeindeschwester. Das gelte es nun wieder aufzubauen, empfahl Landesbischöfin Prof. Dr. Beate Hofmann vor rund 200 Vertretern aus Kirche, Politik und wirtschaft im Saal des Bathildisheims.

Den musikalischen Rahmen des Neujahrsempfangs gestaltete der Gospelchor Joy and Glory unter Leitung von Jan Knobbe.

Mehr zum Thema unter: www.buurtzorg-deutschland.de

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