Festkommers zum 100-jährigen Bestehen von SPD Arolsen und Arbeiterwohlfahrt

Landrat gibt in Bad Arolsen Bewerbung für dritte Amtszeit ab - Festredner Eichel wirbt für Stolz auf die SPD

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100 Jahre Sozialdemokratie in Bad Arolsen: Die SPD-Ortsvereine Arolsen, Helsen und Mengeringhausen feierten am Sonnabend gemeinsam mit der Arbeitewohlfahrt ihr 100-jähriges Bestehen und haben dazu den früheren Bundesfinanzminister Hans Eichel als Festredner in die Stadthalle Mengeringhausen eingeladen. Auf dem Foto ist er umrahmt von Vorstandsmitgliedern, Bürgermeister Jürgen van der Horst und Landrat Dr. Reinhard Kubat (rechts).  

Bad Arolsen.  Auf 100 Jahre Sozialdemokratie in Bad Arolsen haben die SPD-Ortsvereine Mengeringhausen, Helsen und Bad Arolsen bei einem gemeinsamen Festkommers mit der Arbeiterwohlfahrt in der Stadthalle Mengeringhausen zurückgeblickt.

Zu den jüngsten im Saal zählte Stadtverbandsvorsitzender Stefan Fütterer, der berichtete, dass er nach der verlorenen Bundestagswahl Mitglied geworden sei, weil er nicht länger haben zusehen wollen, wie die Ungerechtigkeit größer und rechte Hetze lauter werde.

Landrat Dr. Reinhard Kubat erklärte, er sei Stolz auf die Haltung der SPD, die in in der NS-Zeit den Nationalsozialisten Paroli geboten habe. Heute gehe es um die Frage, warum die SPD, die viel Gutes für die Menschen geleistet habe, mit schlechten Wahlergebnissen abgestraft werde, während Nörgler, die nichts geleistet hätten aus dem Stand heraus mit guten Ergebnissen in die Parlamente kämen.

Dr. Kubat: „Wir brauchen eine starke SPD in den Städten und Landkreisen.“ Eindeutig sprach sich der Landrat für die Wiederwahl des Bad Arolser Bürgermeisters Jürgen van der Horst am 1. Dezember aus: Ein Bürgermeister, die so gut für die Bürger gearbeitet hat, hat auch die Unterstützung der SPD verdient“.

Landrat zum Wilke-Skandal: "Habe mir nichts vorzuwerfen"

Unter Bezug auf die Missstände bei der Wurst-Firma Wilke erklärte der Landrat: „Ich werde zwar von vielen gescholten, habe mir aber nichts vorzuwerfen. Als alle Informationen auf dem Tisch lagen, habe ich die Firma Wilke schließen lassen und die Staatsanwaltschaft informiert.“

Schließlich gab Landrat Dr. Kubat seine Bereitschaft für eine dritte Amtszeit bekannt. Den SPD-Mitgliedern in der Stadthalle Mengeringhausen rief er mit Blick auf die Landratswahl in zwei Jahren zu: „Wenn ihr das wollt, werde ich den Landkreis auch noch für eine weitere Amtsperiode begleiten.“

An die Leistungen der vor 100 Jahren gegründeten Arbeiterwohlfahrt erinnerten Ortsverbandsvorsitzender Markus Jaschko und Bezirksvorsitzende Doris Bischof. Es seien Frauen gewesen, die nach den Kriegen „wahrhaft mannhaft“ für Solidarität eingetreten seien. Heute sei die Arbeiterwohlfahrt als „Baby der SPD“ einer der Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege.

Nicht nur meckern, sondern auch stolz die Erfolge benennen

Festredner Hans Eichel, der früherer Kasseler Oberbürgermeister, hessischer Ministerpräsident und Bundesfinanzminister die Hochzeiten der Sozialdemokratie in Deutschland miterlebt und mitgestaltet hat, rief seine Genossen dazu auf, sich angesichts der aktuellen Minusrekorde bei den Wahlergebnissen darauf zu konzentrieren, was sie bei sich selber ändern könnten. 

Aus seiner Sicht übertreibe es die Partei mit der Selbstkritik. Eichel: „Ein bisschen mehr Stolz auf das Geleistete und die eigene Geschichte kann nicht schaden.“ Die SPD haben das Drei-Klassen-Wahlrecht abgeschafft und für das Wahlrecht der Frauen gestritten.

Große Leistungen nicht kleinreden

Otto Wels habe vor der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten in der letzten freien Rede im Reichstag gesagt: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“ Ebenso könne die SPD stolz sein auf die Ostpolitik. „Aber all das, was uns Willy Brandt gelehrt hat, scheinen wir wieder zu vergessen“, klagte Eichel. 

So sei es zum Beispiel ungerecht, die Agenda 2010 von Kanzler Schröder als Grund für den Niedergang der SPD zu bezeichnen. Eichel: „Wir hatten damals fünf Millionen Arbeitslose. heute sind es 2,5 Millionen. Alle sagen, das habe die Agenda 2010 bewirkt. Die Einzigen, die das nicht glauben, sind wir selbst.“ Nur wenn man sich zu den guten Seiten bekenne, könne man auch selbstkritisch Fehler benennen. Aus seiner Sicht sei es ein Fehler gewesen, nicht schon gleichzeitig mit der Agenda 2010 den Mindestlohn einzuführen. 

Eichel skizziert große Leitlinien für Sozialdemokraten

Eichel appellierte an die SPD-Mitglieder, sich an die Grundfesten der Sozialdemokratie zu erinnern. Die seien von Anfang an gewesen, die Ausbeutung der Menschen zu beenden, die Ausbeutung der Natur zu beenden und keine Kriege mehr zu führen. Artikel eins des Grundgesetzes formuliere sehr treffend „die Würde des Menschen ist unantastbar“. Das gelte für alle gesellschaftlichen Bereiche.

Beim Stichwort „Ausbeutung der Natur beenden“ gebe es großen Nachholbedarf: „Was wir uns an Konsum gelistet haben, das ist nicht zukunftsfähig.“ Das Ziel Frieden und internationale Solidarität sei schon im Heidelberger Programm formuliert worden. Europa sei immer ein Friedensprojekt gegen Rassismus und Imperialismus gewesen . Ausdrücklich warb Eichel für ein starkes Europa aus. Nur gemeinsam könnten die 500 Millionen Europäer ein Gegengewicht zu den Weltmächten China und USA bilden und auf Augenhöhe verhandeln.

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