Wildschäden an Feldern lassen sich mit ein wenig gutem Willen verhindern

Landwirte und Jäger wieder versöhnen

Der Vorstand des Verbandes der Eigenjagdbesitzer und Jagdrechtsinhaber Waldeck e.V. ist wieder vollständig: (v.l.) Vorstandsmitglieder Otto Griesel und Dieter Gockel, der Vorsitzende des Landesverbandes, Armin Müller, Geschäftsführerin Stephanie Wetekam, erster Vorsitzender Karl-Ernst Grünhaupt und Referent Ullrich Goetjes.

Twistetal-Mühlhausen - Rund 60 Jagdrechtsinhaber und Eigenjagdbesitzer begrüßte Vorsitzender Karl-Ernst Grünhaupt aus Helmighausen im Landgasthof Kiepe zur Jahreshauptversammlung. Mit dem Aufruf zum gegenseitigem Verständnis von Eigentümern bejagbarer Flächen und Jägern wurden offene Türen eingerannt: Die meisten Anwesenden hatten Verständnis für beide Seiten, wenn es etwa um Abwägung von Wildschadenshöhe und Festlegung der Abschusspläne geht. Viele Jagdrechtsinhaber sind selbst gleichzeitig Jagdscheininhaber.

Sorgen bereitet Grünhaupt die Tatsache, dass das Nationalparkamt Kellerwald-Edersee 70 Prozent seiner Flächen aus der Jagd zu nehmen plant. Rechtsanwalt Ullrich Goetjes räumte allerdings ein, dass Nationalparks hierzu gesetzlich verpflichtet seien.

Die Wildschäden bei den umliegenden Anliegern seien bereits erheblich, teilte Grünhaupt weiter mit. Der Verband bemühe sich daher, wenigstens Vergrämungsabschüsse vornehmen zu dürfen.

Nachdem der Winter 2013/14 quasi ausgefallen sei, sei nun ein enormer Zuwachs der Schwarzwildpopulation zu erwarten, was den umliegenden Bauern zusätzliche Sorgen bereite.

Der Verband wolle auch einen Wildschadensschätzer-Lehrgang anbieten, um Fachleute in den eigenen Kreisen aufbieten zu können.

Geschäftsführerin Stephanie Wetekam ist zwar erst seit Oktober 2013 im Amt, konnte aber dennoch einen vollständigen Jahresrückblick geben. Turbulenzen im vergangenen Jahr hatten zum Austritt einzelner Jagdgenossenschaften aus dem Verband geführt.

Diese will sie zurückgewinnen, indem Sie die Gründe der Austritte besprechen und abstellen will, teilte Wetekam mit, die gleichzeitig Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Waldeck ist.

Der Vorsitzende des Landesverbandes, Armin Müller, berichtete von immerhin 1400 Jagdgenossenschaften, die dem hessenweiten Verband angehören. Somit sei 75 Prozent der hessischen Landesfläche im Verband vereint.

Über die steigende Anzahl von jungen Landwirten, die zugleich Jagdscheininhaber sind, zeigte er sich erfreut: „Wir müssen an einem Strang ziehen! Jagdausübungsberechtigte Landwirte verstehen die Interessen der Jagdpächter. Wenn der Landwirt bei der Maisaussaat eine Reihe für den Wildzaun offenhält, fällt es dem Jagdpächter wesentlich leichter, den Zaun aufzubauen und von Bewuchs freizuhalten. Das zeigt beiderseitigen guten Willen.“

Nur sechs Prozent Mais

Apropos Maisanbau: „Vermaisung von Flächen“ hält Müller für das aktuelle Unwort. Landesweit würde nur auf sechs Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen Mais angebaut und in Hessen gebe es knapp 100 Biogasanlagen.

Für große Verunsicherung sowohl auf Seiten der Jagdflächenverpächter als auch der Jäger sorgte die seit September 2013 geltende Gesetzesnovelle durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wonach der Grundeigentümer die Bejagung seiner Flächen aus ethischen Gründen ablehnen kann.

Hierüber referierte Rechtsanwalt Goetjes, der als Vorsitzender der Kreisjägerschaft Melsungen und zugleich im Verband tätig beide Seiten vertritt. Bisher habe sich die Befürchtung, Hessen könne sich zu einem Flickenteppich aus bejagbaren und befriedeten Flächen entwickeln, nicht bewahrheitet.

Goetjes ist lediglich ein einziger Antrag auf Befriedung aus dem Schwalm-Eder-Kreis bekannt. Schließlich läge die Bejagbarkeit der eigenen Fläche wegen der Wildschadensverhütung und der Pachteinnahmen im Interesse des Verpächters.

Auf großes Interesse stieß Goetjes Vortrag zu Frage: „Soll ich mein Land selbst jagdlich bewirtschaften oder verpachten?“ - Es besteht ein Interessenkonflikt zwischen dem Grundeigentümer, der an hohen Pachterträgen, geringem Verwaltungsaufwand und Vermeidung von Wildschäden interessiert ist und dem Pächter, der sich einen hohen Wildbestand, ungestörte Jagdausübung und viel Freiheit bei der jagdlichen Bewirtschaftung wünscht.

Pirschbezirke hilfreich

Für eine Eigenbewirtschaftung sprechen etwa häufige Konflikte mit dem Pächter, Schäden durch falsche oder unzureichende Bejagung oder die Tatsache, dass ein Revier nur schwer zu verpachten ist. Die Eigenbewirtschaftung kann durch einen Anstellungsvertrag mit einem Jäger erfolgen, oder es können entgeltliche Jagderlaubnisscheine ausgegeben werden.

Auch die Einrichtung von Pirschbezirken oder die Vergabe von Einzelabschüssen stellen Möglichkeiten der eigenen Bewirtschaftung dar. Vorteile für den Jagdgenossen sind, dass er die Bejagung selbst gestalten kann, es besteht nur eine kurze zeitliche Bindung und eine Rückkehr zur Verpachtung ist jährlich möglich.

Andererseits ist der Jagdgenosse bei Eigenbewirtschaftung für Wildschäden selbst verantwortlich, die Einnahmesituation ist unsicher und diese Lösung ist mit erheblichem Organisations- und Verwaltungsaufwand verbunden.

Überrascht waren viele Jagdgenossen, als Goetjes die Einnahme- und Ausgabensituation eines durchschnittlichen nordhessischen Jagdreviers vorrechnete. Viele der Anwesenden hatten mit wesentlich höheren Erträgen bei der Wildbret-Vermarktung gerechnet.

Aktive Wildschadenbegrenzung

Die Rechnung ergab, dass die Eigenbewirtschaftung von vielen Faktoren abhängt. So kann sie zwar mit geringem Gewinn kalkuliert werden, bei hohem Wildschaden aber birgt diese Bewirtschaftungsform das Risiko des Verlustes. Die gegebenenfalls anstehende Umlage unter den Jagdgenossen mache auch niemanden glücklich.

Zum Dank für seinen anschaulichen Beitrag überreichte Grünhaupt eine Wildwurst an den Referenten, mit der Bemerkung, diese stelle aktive Wildschadensverhütung dar.

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