Festschrift für Professor Brusniak in Bad Arolsen vorgestellt

Lautentöne erklingen nach 400 Jahren

Der Vorsitzende des Waldeckischen Geschichtsverein, Dr. Klaus Wendt, überreicht Professor Dr. Friedhelm Brusniak das este Exemplar der ihm gewidmeten Festschrift über die Musikgeschichte Waldecks. In der Mitte Buchautor Prof. Dr. Gerhard Aumüller. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Er gilt als Begründer der musikwissenschaftlichen Forschung in Waldeck und als Kämpfer gegen die Behauptung: Waldeckia non cantat. - Waldeck singt nicht.

Zu seinem 60 Geburtstag widmete der Waldeckische Geschichtsverein dem aus Wirmighausen stammenden Musikwissenschaftler Prof. Dr. Friedhelm Brusniak eine Festschrift über die Musik am Waldecker Grafenhof.

Das Werk stammt aus der Feder von Prof. Dr. Gerhard Aumüller. Der Mediziner hat sich einen Namen als Orgelexperte gemacht.

Nach einem interessanten Handschriftenfund des aus Landau stammenden Dr. Karl Murk im Marburger Staatsarchiv machte sich Aumüller zusammen mit der Internistin Dr. Sigrid Wirth, die derzeit an der Universität Göttingen über Lautenmusik am Wolfenbütteler Herzogshof promoviert, an die Arbeit, den seltenen Lautenkragen, eine Handschrift in Tongriffschrift, zu analysieren und musikwissenschaftlich einzuordnen.

Heraus kam eine wissenschaftliche Abhandlung über die Musikpflege am Wildunger Hof der Grafen Philipp IV., seines Sohnes Samuel und dessen Nachkommen. Graf Philipp war Maßgeblich an der Einführung der Reformation in Waldeck beteiligt. Er war es, der seinen Vetter Wolrad davon überzeugte, die Reformation umzusetzen.

Zeitreise zur Reformation

Sie förderten wohl auch den großen Mengeringhäuser Kirchenmusiker Philipp Nicolai, der um 1600 die beiden weltberühmten Choräle „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ komponierte.

Der jetzt erschienene, reichlich bebilderte Band beschreibt die Umstände, und Bedingungen der Musikpraxis der Grafen auf den Schlössern in Wildungen und Arolsen und 16. und 17. Jahrhundert, die ein beachtliches Niveau aufwies.

Hörbar und somit nacherlebbar werden diese Erkenntnisse auf einer CD, die dem zehnten Band in der Reihe der Waldecker Historischen hefte beigefügt ist.

Hörbeispiele live gespielt boten Dr. Sigrid Wirth an der Laute und der aus Dehausen stammende Dr. Friedhelm Flamme an der Orgel der Stadtkirche bei der Vorstellung der Festschrift zu Ehren von Prof. Brusniak. Die zwischen den stücken gegebenen Erläuterungen rechtfertigen den von Prof. Aumüller geprägten Begriff eines Gesprächkonzertes. Den wenigen, aber umso interessierteren Zuhörern in der Kirche fiel es leicht, sich vorzustellen, wie spannend es für die Lautenistin gewesen sein muss, die in einer alten Handschrift gefundenen Tongriffanweisungen erstmals nach 450 Jahren nachzuspielen.

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