Drei CRS-Schülerinnen durch umherfliegende Glassplitter verletzt

Lauter Knall beendet Chemiestunde

Der Chemiesaal wurde fluchtartig verlassen. Mäppchen und Bücher blieben zurück. Überall liegen kleine Glassplitter wie zersplittertes Sicherheitsglas bei einem Autounfall. Fotos: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Ein missglücktes Experiment im Chemieunterricht der Christian-Rauch-Schule hat am Dienstag einen Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten ausgelöst. Drei 16- und 17-jährige Schülerinnen erlitten leichte Schnittverletzungen.

Es war kurz nach 12 Uhr, als der erfahrene Chemielehrer einem Kurs der Jahrgangsstufe Q1 ein ganz normales Routine-Experiment vorführen wollte. Schulleiterin Cornelie Seedig, selber Chemielehrerin, erklärte dazu im Gespräch mit der WLZ-FZ: „Bei dem Versuch ist nur zu erwarten, dass es einen Blitz gibt. Keine Detonation. Selbst wenn größere Mengen eingesetzt werden, sollte es nur zu einem Lichtblitz kommen. Wir können uns auch nicht erklären, was hier schiefgelaufen ist.“ Die Chemiesammlung, in der sämtliche Chemikalien aufbewahrt werden, sei ständig verschlossen.

Seedig weiter: „Ich habe den Versuch auch schon mit Klassen gemacht. Dabei soll gezeigt werden, dass bei dieser bestimmten Reaktion Energie freigesetzt wird. Ich bin heilfroh, dass nichts Größeres passiert ist. Nur ein paar Schnittwunden, die nicht genäht werden mussten. Und auch die Polizei ergänzte den Bericht über die dritte verletzte Schülerin mit dem Hinweis: „Die ambulante Versorgung mit einem handelsüblichen Pflaster war hier ausreichend.“

Dennoch hat die Explosion richtigerweise eine ganze Kaskade von Reaktionen ausgelöst, die sämtlich zur Sicherheit der Schüler in Alarmplänen vorgesehen sind.

Durch die Explosion wurde Feueralarm ausgelöst. Daraufhin räumten die Schüler und Lehrer wie Dutzende Male geübt das Schulgebäude. Die Einsatzleitstelle beim Landkreis wurde alarmiert und alarmierte ihrerseits per Funk sämtliche verfügbaren Einsatzkräfte, die beim Einsatzstichwort „Explosion an einer Schule, mehrere Verletzte“ benötigt werden. Dazu gehörten neben dem Drehleiterfahrzeug auch das mobile Einsatzleitfahrzeug aus Korbach sowie sämtliche verfügbare Rettungswagen und Hubschrauber.

Die Feuerwehr bereitete die Räumung des Herkules-Parkplatzes zur Landung der Hubschrauber vor und vieles mehr.

Als sich dann der Bad Arolser Wehrführer Gordon Kalhöfer, der als einer der Ersten in der Schule eintraf, davon überzeugt hatte, dass es sich nur um zwei leicht verletzte Schülerinnen handelte (die dritte Schülerin meldete sich erst am Nachmittag mit ihren kleineren Schnittwunden), konnten die Hubschrauber und weitere Einsatzkräfte zurückbeordert werden.

Unter Atemschutz untersuchten zwei Feuerwehrleute den Chemiesaal, öffneten alle Fenster, während ihre Kameraden einen Hochdrucklüfter am Eingang zum Foyer in Gang setzten.

In der Raumluft wurden keine giftigen Dämpfe festgestellt.

Allerdings hatte die ungewöhnlich heftige Detonation die Rauchabzugskammer zerrissen, unter der das Experiment stattfinden sollte. Das Sicherheitsglas der Kammer war zersplittert und hatte sich im ganzen Klassenzimmer verteilt.

Umherfliegende Splitter haben zum Glück nur drei Schülerinnen im Alter von 16 und 17 Jahren leicht verletzt. Die Verletzungen fielen auch deshalb so vergleichsweise harmlos aus, weil das Sicherheitsglas ähnlich wie das in Autoscheiben in viele kleine Stückchen zerbrach, die selber ziemlich stumpf sind.

Somit konnten Polizei und Feuerwehr am Ende eine positive Bilanz nach einem Einsatz ziehen, der viel schlimmer hätte enden können: Die Schüler und Lehrer haben sich vorbildlich verhalten und sofort die Schule geräumt. Die passiven Sicherheitseinrichtungen im Chemiesaal haben funktioniert.

Bleibt nur die Frage, warum der Unfall bei einem tausendfach erprobten Routineexperiment überhaupt passieren konnte.

Für die meisten Schüler hatte das Ganze nur einen gravierenden Fehler: Der Unterricht ging nach dem Feuerwehreinsatz wie geplant weiter. Am heutigen Mittwoch muss lediglich der Chemiesaal wieder aufgeräumt werden.

Fotos finden Sie in dieser Bildergalerie.

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