Bad Arolsen

Lebenslänglich lautet das Urteil im Mengeringhäuser Mordprozess

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- Bad Arolsen / Kassel (-es-). Die sechste große Strafkammer des Landgerichts Kassel hat am heutigen Dienstagvormittag als Schwurgericht im Fall der im Juni 2010 ermordeten Christina S. deren geschiedenen Ex-Mann wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Der 40-jährige Kfz-Meister aus Bad Arolsen hatte gleich zu Beginn des über elfwöchigen Strafprozesses ein umfassendes Geständnis abgelegt. Sein Verteidiger hatte jedoch auf Totschlag in einem minderschweren Fall plädiert. Das Gericht schloss sich jedoch nach zwölf Verhandlungstagen der Argumentation der Staatsanwaltschaft an, wonach die Tat als heimtückischer Mord zu werten sei.

Die Frage, ob Mord oder Totschlag anzunehmen sei, beherrschte den gesamten Prozessverlauf. Akribisch hörte das Gericht rund 50 Zeugen und zwei Sachverständige. Sämtliche Spuren am Tatort und an der Tatwaffe wurden geprüft. Ausschlaggebend dürfte am Ende die Tatsache gewesen sein, dass sich der Ex-Mann für die Tat eine Pistole mit Schalldämpfer zugelegt hatte. Beide Utensilien wurden zusammen mit einer Sturmhaube wie sie Motorradfahrer tragen sowie über 100 Schuss Munition, einem Hammer und Handschuhen in einem Rucksack gefunden, der in einem Holzstapel versteckt war.

Das planvolle Vorgehen und der Schalldämpfer deuteten auf Heimtücke hin. Die dauernden Streitigkeiten ums Geld wurden von der Staatsanwaltschaft als niedrige Beweggründe ausgelegt. In diesem Punkt aber folgte das Gericht dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft nicht.

Das Gericht erkannte lediglich das Mordmerkmal der Heimtücke an. Das planvolle, heimtückische Vorgehen macht für den Juristen den Totschlag zum Mord mit dem einzigen vom Gesetzgeber vorgesehenen Strafrahmen: Lebenslänglich.

Der Angeklagte nahm das Urteil regungslos entgegen. Sein Verteidiger, der auf Totschlag in einem minderschweren Fall plädiert hatte, ließ offen, ob er gegen das Urteil Berufung oder Revision einlegen wird. Jetzt wird zunächst das Vorliegen des schriftlichen Urteils abgewartet.

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