Lebensmittelallergie

Bad Arolser rettet DLRG-Kameraden nach dem Dessert

Steven Potoski (links) dankt seinem Lebensretter Ulf Stracke, der bei nach einem allergischen Schock unter anderem mit der Gabe von Sauerstoff Erste Hilfe leistete.
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Steven Potoski (links) dankt seinem Lebensretter Ulf Stracke, der bei nach einem allergischen Schock unter anderem mit der Gabe von Sauerstoff Erste Hilfe leistete.

Der Bad Arolser DLRG-Vorsitzende Ulf Stracke musste einem Kameraden plötzlich nach einem gemeinsamen Abendessen helfen. Zum Glück konnte er ihm aus einem Tauchgerät Sauerstoff geben.

Bad Arolsen - So einen Fall hatte der erfahrene DLRG-Lebensretter Ulf Stracke noch nicht erlebt, und er ist froh, als Ersthelfer genau das Richtige getan zu haben: Nach einem gemeinsamen Abendessen brach sein Nachbar Steven Potoski zusammen, doch er konnte ihn mithilfe eines Sauerstoffgerätes retten.

Plötzlich Atemprobleme

Der 60-jährige DLRG-Freund hatte am 31. Oktober gegen 20 Uhr nach dem Dessert plötzlich über Atemproblme und eine Schwellung im Mund geklagt und war dann zum besseren Luftholen auf den Balkon gegangen.

Dann ging es ganz schnell. Die Atmung setzte aus, die Schwellung hatte sich wohl auch auf den Kehlkopf ausgedehnt. Und Ulf Stracke holt einen Sauerstoffautomaten, um Steven Potoski vor dem Ersticken zu bewahren.

Rettungsdienst alarmiert

Unterstützt von seiner als Krankenschwester ausgebildeten Verlobten, leistete Ulf Stracke Erste Hilfe und alarmierte über den Notruf 112 den Rettungsdienst, der kurz darauf mit Rettungswagen und einer Notärztin am Wohnhaus in der Schlossstraße entraf.

Die Ärztin verabreichte dem schon stark krampfenden Steven Potoski Adrenalin, um Atmung und Kreislauf wieder richtig in Gang zu bringen und, und zusätzlich Cortison gegen die enorme Schwellung im Mund, die das Atmen stark erschwerte.

Das Richtige getan

Die Notärztin bescheinigte Stracke, mit der Sauerstoffgabe genau das Richtig bis zum Eintreffen der Rettungskräfte getan zu haben, sonst wäre sein amerikanischer Freund wahrscheinlich nicht mehr am Leben.

So berichten es die Beiden dem WLZ-Reporter. Steven Potoski: „Ulf hat mich gerettet, und dafür bin ich ihm dankbar“.

Kaum noch Erinnerung

An die Situation erinnert sich der Neu-Arolser nur noch unvollständig. Dreimal setzte die Atmung aus. Stracke hatte mit Eiswürfeln versucht, die Schwellung im Mund einzuschränken.

Der sportliche Amerikaner, der seine Geschichte mitten im November im T-Shirt erzählt, berichtet, er habe während des Schockzustands gefroren wie in einer Badewanne voll mit Eiswürfeln. Als er nach gut dreiviertelstündiger Behandlung durch Notärztin und Rettungsassistenten das bei Tauchern übliche Okay-Zeichen gab, da schien Potoski über dem Berg zu sein.

Versorgung auf Intensivstation

„Jesus wollte mich noch nicht haben“, sagte Potoski, der sich als gläubigen Christen beschreibt. Doch musste er noch nach der Notfallaufnahmestation auf die Intensivstation gebracht werden. Da schwächelte er noch einmal. Zwei Nächte hatte er im Krankenhaus verbracht.

Potoski lebt seit Jahren mit einer Lebensmittelallergie, das betrifft unter anderem Haselnüsse und Krustentiere. So heftig habe es ihn noch niemals getroffen, berichtet Potoski.

Allergie durch Haselnussspuren

Vermutlich haben Spuren von Haselnüssen an den Walnüssen im Nachtisch zu dem allergischen Schock geführt. Auf der Tüte steht auch geschrieben, dass solche Anhaftungen an den Walnüssen durch die Verarbeitungen vorkommen können.

Der Amerikaner weiß, dass er auf frische Nüsse allergisch reagiert. Wenn sie in Keksen oder Kuchen verbacken seien, dann merke er keine Unverträglichkeiten.

Rettung mit Notfallset

Vor ein paar Tagen hat er sich vom Hausarzt ein Rezept für ein Notfallset geben lassen. Darin enthalten sind Adrenalin, Antihistamine und ein cortisonhaltiges Präparat, für ihn lebensrettende Stoffe, die er sich selbst verabreichen muss. Oder aber Begleiter, die er über das Set informieren muss.

Der allergische oder anaphylaktische Schock wird häufig durch Insektenstiche, aber auch aufgrund von Lebensmittelallergien ausgelöst. Im Körper werden dann enorme Mengen Histamine ausgeschüttet, die zu dem Schock führen, der ist mit einer starken Weitung der Blutgefäße verbunden.

Gefährlicher Schockzustand

Dadurch kommt es zu einem Blutdruckabfall, auch die Atmung setzt aus. Die einfachsten Maßnahmen sind die Schocklage mit erhöht gelegten Beinen, um den Kreislauf in Gang zu bringen, oder bei Bewusstlosen die stabile Seitenlage. Unbedingt muss der Rettungsdienst alarmiert werden, damit entsprechende Medikamente vrabreicht werden.

Nicht jeder hat einen DRG-Taucher als Gastgeber, der mit Sauerstoff die Zeit bis zum Eintreffen des Notarutes überbrücken kann.

DLRG-Team verstärken

Steven Potoski will neben dem Tauchschein den Bootsführerschein machen und soll das Team der Bad Arolser DLRG-Lebensretter selbst verstärken. (Von Armin Haß)

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