Wanderausstellung soll Mut machen und pfiffige Ideen transportieren

Leerstand als Chance nutzen

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Bad Arolsen - „Platz da“, lautet der ungewöhnliche Titel einer Ausstellung, die Anregungen für den mutigen Umgang mit dem demografischen Wandel machen will.

Leer stehende Gebäude in den Dörfern sind das erste Zeichen für den demografischen Wandel, der den ländlichen Raum erfasst hat. Der Leerstand kann als bedrohlich und als Beginn eines allgemeinen Wertverfalls wahrgenommen werden. Leer stehende Häuser können aber auch Inspiration für Neues sein. Neue Wohnungen, Firmen oder Treffpunkte können entstehen. Manchmal kann ein Abriss auch wohltuend für eine enge Wohnsituation in Dörfern sein. Die vom hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung zusammen mit dem Landkreis Waldeck-Frankenberg und der Sparkasse Waldeck-Frankenberg konzipierte Ausstellung soll Chancen aufzeigen und Mut machen, etwas Neues zu beginnen. Bei der Ausstellungseröffnung gestern in den Räumen der Sparkassenfiliale am Bad Arolser Kirchplatz unterstrich Sparkassendirektor Robert Behle, dass sein Geldinstitut mit allen Themen rund um den Leerstand von Gebäuden bestens vertraut sei. „Man muss frühzeitig etwas tun, um den Wertverfall von Gebäuden zu stoppen und aus Brachen etwas Neues machen. Das ist unser Geschäft.“ Landrat Dr. Reinhard Kubat bekräftigte, dass die Gemeinden in der Region nicht immer neue Baugebiete erschließen dürften. Zum einen sei Ackerland zu wertvoll. Zum anderen aber sei das Wohnen in gewachsenen Siedlungen oft viel attraktiver als in gesichtslosen Neubausiedlungen. Altbauten hätten ihren eigenen Charme und ließen sich mit pfiffigen Ideen und energetischer Sanierung auf neusten Stand bringen. Und Innenstadtentwicklung sei wichtiger als Neubaugebiete. Die Ausstellung, die in den kommenden Wochen in den Sparkassenfilialen von Bad Arolsen, Volkmarsen, Frankenberg, Battenberg sowie im Rathaus von Diemelstadt zu sehen sei, sei dazu angelegt, Ideen zu liefern. Das Thema der Ausstellung wird beim Landkreis verantwortlich von der Stabsstelle für den Ländlichen Raum und ihrem Leiter Dr. Jürgen Römer behandelt. Er wies darauf hin, dass das Land Hessen ein Programm aufgelegt habe, mit dem der tägliche Flächenverbrauch von derzeit 3,2 auf künftig „nur noch“ 2,6 Hektar pro Tag verringert werden solle. Der Regierungsbezirk Kassel rangiere zwar in absoluten Zahlen unter diesem Wert. In Bezug auf die Einwohnerzahlen aber werde in Nordhessen mehr Land verbraucht als in Südhessen. Das müsse sich ändern. Und zwar durch den Abriss von Altbauten und die Nutzung innerstädtischer Brachen. Beispielhaft werden in der vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Ausstellung Zahlen und Erfahrungen aus Nordwaldeck aufgelistet. So haben die vier nordwaldeckischen Gemeinden ein Datenbanksystem zur Erfassung von Leerstandsflächen getestet. Als gelungenes Beispiel der Stadtsanierung und bürgerlichen Engagements wird in der Ausstellung außerdem das Projekt „Landliebe“ in Landau vorgestellt.Die Ausstellung ist bis zum 12. September in der Sparkassenfiliale Bad Arolsen, vom 12. bis 25. September in der Sparkasse Volkmarsen zu sehen.

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