DIEMELSTADT

Löcher im Kanal und im Etat

- Diemelstadt (-es-). Ernüchternd der Eindruck nach der jüngsten Sitzung des Stadtparlamentes: Die Diemelstadt muss erhebliche Einbrüche bei der Gewerbesteuer verkraften und steht gleichzeitig vor großen Ausgabeverpflichtungen. Die Stadtverordneten bekamen am Freitagabend von Ingenieuren ins Stammbuch geschrieben, dass große Teile ihres Kanalnetzes im Wert von beinah neun Millionen Euro altersbedingt erneuert werden müssten.

Erheblichen Investitionsbedarf gibt es zudem bei den Feuerwehren, wie der jetzt vorgestellte Bedarfs- und Entwicklungsplan der Feuerwehren belegt. Doch der Reihe nach: Die so genannte Eigenkontrollverordnung verpflichtet die Diemelstadt zur regelmäßigen Kontrolle ihres Kanalnetzes. Dadurch soll verhindert werden, dass durch Risse in den Rohren Abwässer ungeklärt ins Grundwasser und in den Boden gelangen. Das von der Stadt beauftragte Ingenieurbüro hat das Kanalnetz mit Kameras durchfahren und analysiert. Das Ergebnis ist zwar nach Aussage der Fachleute nicht ganz schlimm wie in manchen anderen Städten, doch für die Diemelstadt schlimm genug: 25 von 60 Kilometern des vorhandenen Kanalnetzes müssen aus Altersgründen dringend repariert werden, weil Rohre gerissen sind. Abwasser versickert. Es drohen Setzungen in den Straßen. Die Reparaturen können je nach Schadenlage in geschlossener Bauweise, also ohne Straßenaufbrüche, oder in offener Bauweise, unter Einsatz von Baggern, ausgeführt werden. Geschätzte Kosten: 8,5 Millionen Euro plus-minus 30 Prozent. Noch hatten die Stadtverordneten diese Nachricht nicht richtig verdaut, da kam auch schon die nächste: Der vom Land vorgeschriebene Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Feuerwehren im Stadtgebiet liegt jetzt vor. Daraus geht hervor, dass bedingt durch Risikoklassen in den einzelnen Stadtteilen und unterschiedlich lange Anfahrtswege im Einzelfall eine Reihe von Fahrzeugen erneuert oder zusätzlich angeschafft werden müssen. Beispiel: Weil das Rote Land mit den Dörfern Helmighausen, Hesperinghausen, Neudorf von der Feuerwehr Rhoden unmöglich innerhalb von zehn Minuten mit schweren Fahrzeugen erreicht werden kann, muss mittelfristig ein so genannter Rüstsatz mit technischen Rettungsmitteln für Verkehrsunfällen in Helmighausen stationiert werden. Außerdem ergaben sich in mehreren Ortschaften bauliche Mängel an den Feuerwehrgerätehäusern. Auch hier wird die Stadt Diemelstadt in den kommenden Jahren zusätzliches Geld bereitstellen müssen. – Kein Wunder, dass sich die Stadtverordneten am Freitag die Frage stellten, wie das alles bezahlt werden soll, zumal die Stadt seit Jahren kräftig in den Brandschutz und den Ausbau der Kanalisation investiert.Da kam der Hinweis von Bürgermeister Rolf Emde auf die kräftig gesunkenen Gewerbesteuereinnahmen in 2009 vielen wie ein weiteres schweres Paket vor, dass nun geschultert werden muss. Tatsächlich hat die Krise auch vor den Papier- und Pappenfabriken im Stadtgebiet nicht Halt gemacht. Wenn weniger produziert wird, muss auch weniger verpackt werden. So hängt alles mit allem zusammen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare