Im Stadtparlament mehren sich die Mahner, die erst Taten sehen wollen

Logistik-Euphorie deutlich abgeflaut

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Die Ausmaße sind gewaltig: Unmittelbar angrenzend an das vorhandene Logistikgelände (obere Bildhälfte) soll nun eine doppelt so große Fläche für eine oder zwei weitere Logistikhallen erschlossen werden. Die vorhandene Halle ist rund 50 000 Quadratmeter gr

Volkmarsen. - Die geplante Verdreifachung der Logistikflächen stößt angesichts der ungeklärten Fragen zu Arbeitsplätzen und Umgehungsstraße auf skeptische Nachfragen aus dem Stadtparlament.

Während das erste Planverfahren für das inzwischen vorhandene Logistikzentrum vor knapp zwei Jahren noch von einer breiten Mehrheit getragen wurde, ergaben sich bei den Abstimmungen in den städtischen Ausschüssen ebenso viele Enthaltungen wie Ja-Stimmen. Die Vertreter der Unabhängigen Liste blieben konsequent bei ihrer ablehnenden Haltung. Sie argumentieren mit dem enormen Landverbrauch und der zu erwartenden, zusätzlichen Verkehrsbelastung.

Enormer Landverbrauch

Positive Signale für die Stadtentwicklung und die Aussicht auf zusätzliche Arbeitsplätze­ sind die Argumente, die aus Sicht von CDU, FWG und FDP für die Ausweisung des riesigen Sondergebiets Logistik im Bereich des Wetterweges an der Landesstraße Richtung Wetterburg sprechen.

Doch anders als bei dem Bau der ersten Logistikhalle schwingt nun bei allen Stadtverordneten die Sorge mit, dass die Versprechungen der Logistikunternehmer am Ende nicht eingehalten werden. Konkret dümpeln die Mitarbeiterzahlen immer noch bei unter zwei Dutzend. Dabei war in der Planungsphase von rund 100 Angestellten die Rede.

Dem gegenüber steht der enorme Landverbrauch für die zusätzlich geplanten Hallen. Für das Sondergebiet Logistik sind allein 160000 Quadratmeter bestes Ackerland vorgesehen. Hinzu kommen 50000 Quadratmeter für eine weitere Gewerbefläche, 12000 Quadratmeter für die notwendige Erschließungsstraße sowie 210000 Quadratmeter naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche.

Umgehung vorantreiben

Sollten die Hallen tatsächlich gebaut werden, wäre mit zusätzlichem Lkw-Verkehr in der Innenstadt zu rechnen. SPD-Sprecher Bruno Kramer brachte es so auf den Punkt: „Das Doppelte noch mal an Verkehr. Das würde auch dem auffallen, der bisher mit geschlossenen Augen durch die Stadt gelaufen ist.“

Mit anderen Worten: Die Ausweitung der Logistikfläche müsste unbedingt mit dem Bau der von Landrat Dr. Reinhard Kubat angeschobenen Umgehungsstraße einhergehen. Darauf drängte auch der UL-Stadtverordnete Arno Walprecht.

Das Planverfahren dürfte tatsächlich in Rekordzeit bis zum Ende des Jahres durchgezogen sein, berichtete Bürgermeister Hartmut Linnekugel. Doch dann müssten die Hürden des Flächenankaufs und der Baufinanzierung genommen werden.

Bis zu zehn Millionen Euro würde die Umgehungsstraße kosten. „Was wäre, wenn das Land - aus einem finanziellen Engpass heraus - nicht die erhofften 65 Prozent Zuschuss zahlt?“, lautete daher die Frage am Dienstag im Ausschuss: „Wäre der Kreis in der Lage, die Differenz zu finanzieren?“

Dazu gab Kramer den Hinweis: „Es wäre auch schon viel gewonnen, wenn alle Fraktionen im Kreistag für die Volkmarser Umgehungsstraße stimmen würden.“ So bleiben im Moment mehr offene Fragen als Antworten. Dennoch soll das Planverfahren im Bereich Wetterweg unbeirrt fortgesetzt werden, beschlossen die Ausschussmitglieder mit knapper Mehrheit. Auf diese Weise erhalte man sich alle Optionen. Stoppen könne man das Projekt immer noch.

Damit das erweiterte Logistikgebiet optimal funktionieren kann, soll der vorhandene Bahnanschluss mit einer Weiche und einem zweiten Gleis erweitert werden. Auch dazu ist ein umfangreiches Planverfahren nötig.

Ausgleichsflächen

Das gilt ebenfalls für den Kreisverkehr, der die Zufahrt zum Logistikzentrum mit der Landesstraße und der künftigen Umgehungsstraße verbinden soll.

Außerdem ist ein eigener Verfahrensschritt nötig, um naturschutzrechtliche Ausgleichsflächen, die eigentlich zum Ausgleich der baulichen Eingriffe im Bereich Gewerbegebiet „Döngesbreite“ bestimmt waren, aus dem Bereich Wetterweg auf andere Flächen zu übertragen.

Widerstand aus Lütersheim

Kompliziert wird zudem der naturschutzrechtliche Ausgleich für die geplanten Logistikflächen selbst. Hierfür hat der von der Stadt beauftragte Planer rund zehn unterschiedliche Flächen im Stadtgebiet ausgewählt, die auf Kosten des Investors ökologisch aufgewertet werden sollen.

Und auch hier steckt der Teufel im Detail: Während der Planer in Absprache mit der Naturschutzbehörde den ehemaligen Sandbruch Schaake in Lütersheim als wichtigste Ausgleichsfläche „ausgeguckt“ hatte, meldete der Lütersheimer Ortsvorsteher und FDP-Stadtverordnete Hartmut Fischer vehementen Widerstand gegen diese Pläne an.

Für Feste genutzt

Die Lütersheimer nutzen den inzwischen idyllisch zugewachsenen Sandbruch als Freitzeitfläche für diverse Veranstaltungen. Es könne nicht sein, dass dieses Stück Natur nun, wie von den Naturschützern vorgeschlagen, radikal abgeholzt und mit dem Bulldozer in ein Feuchtbiotop verwandelt werde.

Dazu erklärte Planer Detlef Schmidt, dass es immer wieder zu Streitigkeiten komme, wenn Naturschützer über den rechten Weg des Naturschutzes stritten: „Was die Experten im Sinn haben, deckt sich oft nicht mit den laienhaften Vorstellungen einer intakten Natur.“ Dennoch seien Kompromisse möglich.

Dazu ist am kommenden Montag um 18 Uhr ein Ortstermin im Sandbruch Schaake geplant.

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