Gefängnis und Therapie für Bad Arolser

Lotto-Räuber zu Haftstrafe verurteilt

Bad Arolsen - Zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und vier Monaten wurde ein 22-Jähriger unter anderem wegen des Überfalls auf eine Lotto-Annahmestelle in Bad Arolsen verurteilt.

Der Überfall auf das Geschäft am Alten Zimmerplatz war der Hauptanklagepunkt bei dem Verfahren gegen den Angeklagten aus Arolsen vor dem Landgericht Kassel. Daneben war er wegen eines weiteren Überfalls und eines Einbruchdiebstahls angeklagt. Die zehnte Strafkammer des Landgerichts Kassel unter Vorsitz von Richter Dr. Butenuth verurteilte den gelernten Schreiner wegen schweren Raubes und Einbruchdiebstahls zu der Gesamtfreiheitsstrafe für alle drei Taten. In seinem Geständnis gab der junge Mann zu, sich im Februar 2013 mit einem Freund verabredet zu haben, ein Geschäft zu überfallen und auszurauben. Der Freund hatte ihn krimireif mit schwarzer Kleidung, einer Kapuze und einer Norwegermütze, in die sie Sehschlitze einschnitten, ausgestattet, außerdem stellte er eine CO2-Pistole zur Verfügung. Ursprünglich hätten sie kurz vor Geschäftsschluss ein Möbel- und Bettengeschäft in der Nähe überfallen wollen. Sie hätten davon aber Abstand genommen, weil noch Kunden im Geschäft waren. Im Vorbeigehen hätten sie beobachtet, dass die Angestellte in der Lottostelle allein war und Geld in einer Kassette einschloss. Spontan wäre er dann in das Geschäft gegangen, während sein Freund Schmiere stand. Mit der Pistole, die aber nicht funktionsfähig gewesen sei, habe er die 71-Jährige bedroht und die Herausgabe der Kassette verlangt. Dabei sei es zu einer Schubserei gekommen. Am alten Friedhof hätten sie die Kassette versteckt und später abgeholt, als die Polizei nicht mehr in der Nähe war. Anschließend teilten sie die Beute, lediglich 100 Euro Wechselgeld. Er habe seinen Anteil in einer Spielothek verspielt. Am gleichen Abend beschlossen sie, von einem 25 Jahre alten Mann aus Arolsen Bargeld und Drogen zu rauben. Da sie annahmen, dass er Drogenhändler sei, seien sie davon ausgegangen, dass er nicht zur Polizei gehen würde. Mit zwei weiteren Freunden hätten sie sich mit einem Trick Zugang zu dessen Wohnung verschafft. Er habe den Mann und zwei weitere anwesende Frauen mit der Pistole bedroht, sein Freund habe ein Messer dabei gehabt. Sie hätten aber nur eine geringe Menge Drogen und kein Geld bekommen, während der als Zeuge auftretende Überfallene behauptete, er habe ihnen 80 Euro ausgehändigt. Entgegen der Erwartungen der beiden Räuber hatte der angebliche Drogenhändler sich an die Polizei gewandt. Bei den Ermittlungen konnte auch der Überfall auf die Lottostelle geklärt werden, außerdem stellten die Beamten fest, dass der Angeklagte im November 2013 im Helser Weg in ein leer stehendes Einfamilienhaus eingebrochen war und diverse Gegenstände entwendet hatte. Der Angeklagte berichtete, viel sei dort nicht zu holen gewesen, da alles schon verpackt war. Er habe lediglich eine Geld- und Münzsammlung mitgenommen und die Münzen später für 50 Euro verkauft. Die Lottoangestellte berichtete, sie habe eigentlich keine Angst gehabt. Sie habe sich nur geärgert, müsse da jemand kommen und „ner alten Frau Angst und Schrecken einjagen?“ Dem Angeklagten, der sich entschuldigte, gab sie mit auf den Weg: „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass du was daraus gelernt hast!“ Der psychiatrische Sachverständige berichtete, der Angeklagte habe einen Intelligenzquotienten im oberen Bereich, leide aber an der Aufmerksamkeitsdefizitstörung ADHS. Diese sei schon in seiner frühen Kindheit bekannt gewesen, aber nie konsequent behandelt worden. Diese Krankheit erklärte sein auffälliges und unstetes Verhalten, er sei sogar auf Dauer ausgeschult worden. Seinen Hauptschulabschluss und eine Schreinerlehre absolvierte er in einer Jugendstrafanstalt. Alkohol verstärke die Erscheinungsformen dieser Krankheit, die bei ihm zu Straftaten führten, betonte der Gutachter. Darum beschloss das Gericht auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Vor der Therapie wird der Angeklagte im Vorwegvollzug ein Jahr und drei Monate in einer Justizvollzugsanstalt verbringen, darauf wird die Untersuchungshaft von acht Monaten angerechnet. Nach erfolgreicher Entziehungsbehandlung kann der Verurteilte frühestens nach der Verbüßung der Hälfte der Strafe entlassen werden.Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre und neun Monate gefordert, der Verteidiger beantragte vier Jahre Strafe. Einig waren sich alle, dass eine Therapie notwendig und hilfreich sei. Das freimütige Geständnis des Angeklagten wurde als glaubwürdig angesehen und auch vom Staatsanwalt berücksichtigt, so dass die Freiheitsstrafe nicht noch höher ausfiel.

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