Bad Arolsen: Facebook-Party ist abgesagt und offiziell verboten

Massives Polizeiaufgebot gegen Randale-Touristen

Bad Arolsen - Mit einer Verbotsverfügung und massiven Fahrzeugkontrollen rund um Bad Arolsen wollen Bürgermeister und Polizei eine für Freitagabend angekündigte und wieder abgesagte Facebook-Flashmob-Party verhindern.

Weil er seinem Vermieter nach einer Wohnungskündigung noch einmal richtig Ärger bereiten wollte, hatte ein 23-jähriger Mann aus Bad Arolsen in der vergangenen Woche über das so genannte soziale Netzwerk „Facebook“ zu einer Flashmob-Party eingeladen.„Hier geht‘s rund. Die Hütte muss brennen“ lauteten einige der Parolen, die sich im Internet in Windeseile an über 25 000 eingeladene Personen verbreitete. 3000 klickten bei Facebook: „Ich nehme teil.“

Ob diese Klicks ernst gemeint sind, darf bezweifelt werden, doch die Polizei nimmt die Sache sehr ernst und misstraut der Wirkung der inzwischen ausgesprochenen Absage. „Die Behörden stellen sich auf alles ein. Wir stützen uns auf Erfahrungen in anderen orten“, erklärte gestern Hubertus Hannappel, Chef der Polizei im Landkreis, bei einer Pressekonferenz im Rathaus von Bad Arolsen: „Der Einlader hat mit seinen Formulierungen dafür gesorgt, dass der Eindruck entstanden ist, dass Gewalt zu erwarten ist. Wir haben die Befürchtung, dass sich von der Absage nicht alle beeindrucken lassen. Wir stellen uns auf eine hohe Teilnehmerzahl ein. Die Polizei ist gut aufgestellt.Wer sich trotz der Absage auf den Weg macht, muss sich darauf einstellen, dass er rechtzeitig abgefangen, nach gefährlichen Gegenständen durchsucht und nach seinem Reiseziel befragt wird.“

Im Vordergund aller polizeilichen Maßnahmen steht die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Rechtliche Grundlage ist hierbei die vom Bürgermeister als Ordnungspolizeibehörde ausgesprochene, amtliche Verbotsverfügung.„Ich bin froh, dass an diesem Abend die Fußball-Nationalmannschaft ihr EM-Spiel hat. Das lässt hoffen, dass viele, die sich angemeldet haben, lieber vor dem Fernseher sitzen bleiben“, kommentiert Bürgermeister Jürgen van der Horst.

Dennoch seien die Kosten der ganzen Aktion enorm. Auch die Feuerwehr sei in Rufbereitschaft. Alle Kosten werden dem Verursacher in Rechnung gestellt, verspricht der Rathauschef und kündigt an, bei Nicht-Zahlung einen Vollstreckungsbescheid zu erwirken, der 30 Jahre lang Gültigkeit habe.Dringend bitten Polizei und Bürgermeister alle Schaulustigen lieber das Fußballspiel zu verfolgen. Hannapel: „Wir haben sonst als Polizei die schwierige Aufgabe zu entscheiden, wer Schaulustiger ist und wer Teilnehmer einer verbotenen Veranstaltung.“

Auch die nationalen Betreuer des Internationalen Jugendmusikfestivals wurden schon gebeten, ihren Gruppen dies mitzuteilen.Schwierig könnte auch die nächtliche Anreise von Bad Arolsen zum Zapfenstreich beim Schützenfest in Wetterburg werden. Im Zweifel muss ein weiter Umweg über die Hagenstraße eingeplant werden.

Unklar ist derzeit noch, ob und wie sich nach einem hoffentlich siegreichen Fußballspiel ein Autokorso durch Bad Arolsen bewegen kann. „Das entscheiden wir je nach Lage kurz vorher“, erklärt dazu der Polizeichef, der auch die Einsatzleitung am Freitagabend übernimmt.

„Das ist ein Ereignis, das uns allen keine Freude bereitet“, fasste der Rathauschef zusammen. „Wir wollen mit dieser umfassenden Information ein Signal an die Bevölkerung senden. Niemand sollte am Freitag über die massive Polizeipräsenz in der Stadt erschrocken sein. Sie dient allein der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.“Van der Horst: „Diese Art von Parties sind ein Phänomen, das wir erstmals erleben, auf das sich aber alle Städte wohl einrichten müssen.“ Der Magistrat habe nach den ersten Veröffentlichungen im Internet schon Anfragen aus anderen Städte erhalten, wo man um Tipps für den richtigen Umgang mit dieser Art Randaleaufrufen bittet.

Gegen den 23-Jährigen, der den Aufruf zur Randale auf Facebook veröffentlicht hat, leitete die Polizei bereits ein Ermittlungsverfahren ein, weil er öffentlich zu Straftaten wie Sachbeschdädigungen aufgerufen hat. (es)

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