Überraschende Wendung im jahrzehntelangen Kampf der Twister

"Mehrheit will keine Umgehung"

Lächeln nicht vergessen: Die BI-Sprecher Hartmut Seidler und Marina Ploghaus (links) überreichen Gemeindeparlamentschef Thomas Deuerling und Bürgermeister Stefan Dittmann die Unterschriftenlisten, auf denen 385 Bürger den Protest gegen die geplante Südumgehung Twiste zum Ausdruck bringen. Foto: Armin Haß

Twiste - Schwarzstorch, Eisvogel und Mensch - die "BI Mensch und Natur - gegen eine ortsnahe Südumgehung Twiste" hat 385 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt und die Listen an den Vorsitzenden der Gemeindevertretung Twistetal, Thomas Deuerling, sowie Bürgermeister Stefan Dittmann übergeben.

Am Ende der sich anschließenden Parlamentssitzung übergab Gemeindevertreter Wilhelm Hundertmark (FDP) demonstrativ Listen mit Unterschriften, die vor 30 Jahren auf Betreiben einer Interessengemeinschaft für eine Umgehung gesammelt wurden. Damals unterschrieben 522 Bürger. „Schade, dass die BI es heute schafft, mit Angstmacherei gegen die Umgehungspläne zu hetzen“, kritisierte Hundertmark. Nach 30 Jahren sei es an der Zeit, endlich das Parlamentsvotum für die Umgehung umzusetzen, „sonst brauchen wir keine Politiker mehr“.

„Kein Tabu mehr“

Die neue BI setzt auf das Bürgervotum und will weitere Unterschriften sammeln, um die eigenen Argumente gegen die Umgehungsstraße zu unterstreichen. BI-Sprecher Hartmut Seidler und Marina Ploghaus sind zuversichtlich, die Mehrheit der insgesamt über 1000 Wahlberechtigten in Twiste zu erreichen. Denn: „Das Tabu des ,in Stein gemeißelten Planfeststellungsverfahrens‘ ist endgültig vorbei“, argumentiert die BI in einer am Montagabend verbreiteten Mitteilung.

Im laufenden Planfeststellungsverfahren wurden inzwischen 183 Sammeleinwendungen und 40 Einzeleinwendungen eingereicht. Gegenwärtig werden die Einwände und Anregungen beim Land Hessen abgewogen. Ein Anhörungstermin bietet den Bürgern in einigen Monaten die Gelegenheit, sich zu dem Plan zu äußern.

Auffahrt gestrichen

Immerhin hat die BI schon jetzt einen Teilerfolg erreicht: Hessen Mobil in Bad Arolsen ist bereit, die geplante Süd-Anschlussstelle im Bereich des Wohngebietes und der Straße „Auf dem Schilling“ aus dem Plan zu streichen. Das berichtete Bürgermeister Dittmann in der Gemeindevertretersitzung nach einem in diesen Tagen geführten Gespräch mit Vertretern von Hessen Mobil. „Das war doch schon ein kleines Entgegenkommen“, warb der Rathauschef um ein Einlenken bei der BI, „da sollte doch auch auf der anderen Seite ebenfalls ein Entgegenkommen möglich sein.“

Naturschutz

Doch danach sieht es gegenwärtig überhaupt nicht aus, wie BI-Sprecher Seidler im Anschluss an die Sitzung im Gespräch mit der WLZ deutlich machte. Es gehe nicht nur um eine Belastung des Wohngebietes, an der die Anschlussstelle geschaffen würde. Von den geplanten Talbrücken verbreite sich der Lärm von der Umgehungsstraße in den gesamten Ort, zudem würden 40 Hektar Fläche verbraucht. Die Landwirte gerieten unter Druck, zumal die Pachten steigen dürften. Eine Verlagerung der Bundesstraße würde etwa die verbliebene Bäckerei gefährden.

Seidler räumte ein: „Mir tun natürlich die Menschen leid, die jeden Tag an der Ortsdurchfahrt den Verkehrslärm erdulden müssen.“ Der BI-Sprecher wies aber auch darauf hin, dass Schwarzstorch und Eisvogel im Bereich der Twiste gesichtet worden seien. Der Naturschutz und die mögliche Gefährdung von ausgewiesenen Flora-Fauna-Habitat-Gebieten sind auch wesentliche weitere Argumente der BI gegen die ortsnahe Umgehung.

„Die Bürger haben falsche Vorstellungen von der Tragweite der gegenwärtigen Planung“, erklärte BI-Sprecher Hartmut Seidler bei der Übergabe der Unterschriftenlisten. Die Pläne seien nicht im Interesse der Mehrheit der Bürger. Die Zeiten seien vorbei, dass Großprojekte nur auf politischer Ebene entschieden würden, sagte Marina Ploghaus von der BI.

Gemeindevertreter Friedhelm Walter (FDP) rief den BI-Vertretern bei der Unterschriftenübergabe im Foyer der Mehrzweckhalle Berndorf zu: „Wo waren sie denn vor 28 Jahren, als der Parlamentsbeschluss für eine Umgehung gefasst wurde?“ Marina Ploghaus konterte, dass bereits 1984 bei einer Befragung 53,9 Prozent der Bürger gegen eine Umgehung gestimmt hätten.

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