Staatsanwalt hat Probleme, Ort und Zeitpunkt der vielen Diebstähle nachzuweisen

Die meisten Taten sind verjährt

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Arolsen. - Der notorische Bücherdieb aus Darmstadt, der rund 15 000 historische Werke im Millionenwert geklaut haben soll und deshalb vor anderthalb Jahren in der Fürstlichen Hofbibliothek verhaftet wurde, wird wahrscheinlich ausschließlich wegen des Diebstahls von 180 Büchern aus der Hofbibliothek angeklagt.

Bei den anderen zigtausend Bücherdiebstählen rechnet die Staatsanwaltschaft damit, dass Verjährung eingetreten ist, und verzichtet daher auf eine Strafverfolgung.

Die Anklageschrift liegt jetzt vor. Über den Verhandlungs-termin entscheidet demnächst das Amtsgericht Korbach. Bei dem Verfahren geht es um den Vorwurf des besonders schweren Diebstahls. Der kann mit Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten bis zehn Jahren bestraft werden.

Die besondere Schwere des Diebstahls wird hier von der Staatsanwaltschaft angeklagt, weil es sich bei den Büchern um Dinge handelt, „die wichtig für Forschung, Wissenschaft, Kunst Geschichte oder technische Entwicklung sind und sich in einer öffentlichen Ausstellung befinden.“ (So der Wortlaut des Gesetzes.)

Rückgabe läuft noch

Der Diebstahl der meisten anderen Bücher lässt sich zeitlich und örtlich nur schwer oder gar nicht zuordnen. Die Staatsanwaltschaft Kassel geht nach Auskunft ihres Sprechers Dr. Götz Wied davon aus, dass in den meisten Fällen Verfolgungsverjährung eingetreten sein könnte.

Bei Diebstahl ist das fünf Jahre nach der Tat der Fall. Das heißt aber natürlich nicht, dass diese Bände nicht auch ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben werden müssten. Lediglich die Straf-verfolgung ist bei verjährten Strafsachen ausgeschlossen.

Eigene und fremde Bücher

Die Ermittlungen in den vergangenen Monaten haben sich vor allen damit befasst, wem die alten und wertvollen 23500 Bücher aus mehreren Dutzend Bibliotheken im In- und Ausland gehören. In 90 Prozent der Fälle seien inzwischen die Be-sitzer gefunden, heißt es.

Der promovierte Geowissenschaftler aus Darmstadt war am 21. Februar 2012 auf frischer Tat mit 53 Bänden in der Fürstlich-Waldeckischen Hofbibliothek in Bad Arolsen ertappt worden. In seinem Einfamilienhaus in Darmstadt fand die Polizei dann rund 23500 Bücher im Millionenwert.

Die historischen und zum Teil sehr wertvollen Werke soll der Verdächtige überwiegend in deutschen Bibliotheken gestohlen haben. Rund 9000 Bände könnte der 47-Jährige nach der aktuellen Einschätzung der Staatsanwaltschaft möglicherweise rechtmäßig erworben haben.

Neben dem Diebstahl der historischen Bücher wird dem Verdächtigen mittlerweile auch vorgeworfen, wertvolle Fossilien aus ganz Europa entwendet zu haben. Neben dem Bücherschatz hat er nach Angaben der Ermittler auch schätzungsweise 1000 Fossilien und Vergleichsstücke gehortet. Entdeckt wurde unter anderem der Kopf eines Flugsauriers. Auch bei diesen Gegenständen lässt sich nicht eindeutig klären, wann und wo sie entwendet wurden. Deshalb erfolgt auch wegen dieser möglicher Diebstähle keine Anklage.

Wertvolle Einzelstücke

Allein aus der Hofbibliothek hatte er nach Angaben der Ermittler in der Zeit von Juli 2010 bis Februar 2012 insgesamt 180 Bände im Wert von schätzungsweise 150000 Euro herausgeschmuggelt. Die Bücher sollen überwiegend aus dem 18. Jahrhundert stammen.

Dass der beispiellose Beutezug zu Ende ging, war das Verdienst von Wittekind Fürst zu Waldeck und Pyrmont. In seiner Fürstlich-Waldeckischen Hofbibliothek hatten die Verantwortlichen den Verdächtigen im Auge, nachdem immer wieder Werke über Mineralogie, Geophysik und Naturlehre verschwunden waren. Schließlich wurde die Polizei informiert.

Rechtsfolgen des Urteils

Der Mann war Mitarbeiter des hessischen Wissenschaftsministeriums. Er wurde mittlerweile vom Dienst suspendiert, sitzt aber nicht in Untersuchungshaft. Über sein Motiv wurden noch keine Details bekannt. Offen sind bis zum Abschluss des Strafverfahrens auch die dienstrechtlichen Konsequenzen für den Landesbeamten. Es ist zu erwarten, dass der Mitarbeiter des Ministeriums nach Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils dauerhaft aus dem Dienst entfernt wird und vielleicht auch seine Pensionsansprüche verliert.

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