Das steckt hinter dem Such-Aufruf des Korbacher Museums

Mengeringhäuser Modenschau: Unterwäsche aus geplünderten Kriegs-Vorräten

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Wäschemodenschau im August 2006 in Mengeringhausen: Veranstalter war das Heimatmuseum in der Hinterstraße. Gezeigt wurde historische Unterwäsche, gefertigt aus Conti-Garn. 

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Gib Stoff!“ hat das Korbacher Bonhage-Museum nach dem Ursprung eines Fotos gefragt, das vermeintlich in die Korbacher Fußgängerzone aufgenommen worden sein sollte. Die in dem öffentlichen Suchaufruf veröffentliche Ortsangabe führte in die Irre, wie Annemarie Sadowski aus Mengeringhausen nun klarstellt.

Bad Arolsen. Die Mengeringhäuser Museumsmacherin erinnert sich sehr gut an die Modenschau, die das Mengeringhäuser Heimatmuseum im August 2006 in der Hinteren Straße veranstaltete.

Die Schau war Teil einer großen Wäsche-Ausstellung unter dem Motto „drunter und drüber“. „Gezeigt wurde Garderobe aus der Zeit von 1900 bis 1980. Mengeringhäuser Frauen und Kinder waren die Models und mit Begeisterung bei der Sache“, schriebt Annemarie Sadowski in einem Brief an die WLZ-Redaktion.

Höhepunkt sei die Vorführung der Unterwäsche aus der Kriegszeit um 1940/45 gewesen: „Es gab damals kein Tuch, Garn und Wolle zu kaufen - das Geld war knapp- und aus der Not heraus wurde improvisiert. Auch meine Mutter strickte unter anderem aus „Conti-Garn“ Leibchen, Hemdchen, Höschen und Strümpfe. Das Material war sehr kratzig auf der Haut - ich habe diese Sachen ungern angezogen.“

Einfach zugegriffen und geplündert

Weiter erinnert sich Annemarie Sadowski: „Die Firma Continental hatte im Zweiten Weltkrieg Material in der Stadthalle Mengeringhausen deponiert. Beim Bombenangriff auf den Eisenbahn-Viadukt in Mengeringhausen wurden Fenster und Türen der Stadthalle beschädigt - es wurde geplündert. Auch ich war dabei und habe einfach zwei Rollen Conti-Garn mit nach Hause genommen. 

Meine Mutter beschimpfte und belehrte mich: Man darf nicht stehlen! Ich war sieben Jahre alt und meiner Untat nicht bewusst, weil alle Leute die Garne mitgenommen hatten. In vielen Haushalten wurde dann gestrickt und Gehäkelt und wie gut, dass viele Mengeringhäuser diese Sachen aufgehoben und dem Museum zur Verfügung gestellt haben. So wurde diese Modenschau unter Mithilfe der Mengeringhäuser Zeitzeugen zu einem besonderen und unvergesslichen Ereignis.“

Das Heimatmuseum in Mengeringhausen ist übrigens ab 17. Mai wieder geöffnet. Ein Besuch lohnt sich immer.   

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