Mit Urlaubern und Gastgebern am Twistesee unterwegs

Die Menschen am See

Bad Arolsen-Wetterburg - Liebe Leser, Sie wissen schon: Dort leben, wo andere Urlaub machen. Ein bisschen abgegriffen. Aber an einem sonnigen Samstag am Twistesee, da kann man gar nicht anders, als Urlaub zu machen – wir haben uns das gegönnt und interessante Begegnungen gemacht.

Es ist neblig. Während in Bad Arolsen schon die Sonne scheint und das letzte heiße Sommerwochenende einläutet, liegt über dem Twistesee noch dichter Nebel. „Und wenn es schneien würde, wäre mir das egal“, sagt Gerhard Mester, den im Reisemobilhafen am See alle nur „Nemo“ nennen. Am Abend zuvor ist er mit Ehefrau Christel und Hündin Josefin angereist – nicht zum ersten Mal. „Wir lieben diesen Ort“, sagt Christel Mester, „das ist das freie Leben, das wir uns wünschen.“ Ein halbes Jahr sind sie mit ihrem Mobil unterwegs, die andere Hälfte verbringen sie Zuhause in Mittelhof. „Nemo“ ist seit 6 Uhr auf den Beinen, hat das Frühstück gemacht, die Zeitung geholt und schon die erste Runde mit Hündin Josefine gedreht. Seine Frau feiert heute ihren 64. Geburtstag und ihr zu Ehren sind Camping-Freunde angereist, gleich auf den benachbarten Stellplatz. „Komm mal raus“, ruft er und stellt seine Freunde vor. Viele ihrer Nachbarn haben heute noch Radtouren vor, andere warten darauf, dass sich der Nebel verzieht, und sie das ersehnte Sonnenbad nehmen können. Im Reisemobilhafen ist Hochsaison. Alle 120 Plätze sind belegt, fast 150 Menschen machen hier gerade Urlaub. „Für uns war dieser Sommer traumhaft“, schwärmt Betreiberin Sigrid Stümpel. Es sei die Reisefreiheit, die die Menschen in den Hafen bringe. Und dankt winkt sie fröhlich zwei Gästen, die sich auf den Weg zum nächsten Reiseziel machen. Der Spaziergang um den See geht weiter. Am „Café im See“ räumt Inhaberin Doreen Baumann gerade Kuchen und Lebensmittel in Kühlschränke. „Ne‘n Stündchen noch“, sagt sie, „dann ist der Nebel weg“. Die Ruhe und die Schönheit der Natur allerdings, die könne auch der Nebel in Szene setzen. Jogger laufen vorbei und Menschen, die früh am Samstagmorgen ihre Hunde ausführen – wie Foma, ein Russischer Terrier. „Sie liebt den Hundestrand“, beteuert ihre Halterin, „auch im Nebel.“ Freiheit eben, auch für Hunde. Nach einer kurzen Rast im Café, zeigt sich dann, dass Doreen Baumann Recht behalten sollte. Der Nebel verschwindet und ganz plötzlich kehrt der Sommer zurück an den Twistesee – und mit ihm die Sportler und Wasserratten, die Spaziergänger und Sonnentanker. Mitglieder des Wassersportvereins lassen ihre Ruderboote zu Wasser und ziehen auf der glatten Seeoberfläche mit kräftigen Bewegungen ihre Bahnen. Die Boote scheinen zu gleiten, die Anstrengung ist nur zu erahnen. Davon wissen Michelle und Nico aus Niederelsungen nichts. Mit ihrem Papa haben sie sich auf den Weg ins neue Strandbad gemacht. „Ob das hier schön ist? Hallo? Hier ist es toll“, sagt der Grundschüler. Und deswegen waren er und seine Schwester in diesem Jahr gleich ganz oft zu Gast. Und auch Erwachsene lassen an diesem warmen Samstag den feinen Sand durch ihre Zehen rieseln. So lässt es sich leben. Etwas irritiert allerdings dürfte mancher Besucher von den lauten Rufen sein, die vom Golfplatz herüberschallen. Hier werden heute die Clubmeisterschaften ausgetragen. „Eine ernste Angelegenheit“, weiß Christofor d´Assenza, Inhaber des Restaurants am Golfplatz. Und dann lässt sich entdecken: Erschallt einer jener lauten Rufe, gehen alle Spieler hinter ihren Buggys in Sicherheit. Bälle fliegen durch die Luft. Grimmige, konzentrierte und hocherfreute Mienen finden sich auf dem Platz gleichermaßen.Währenddessen lachen die Anfänger an der Wasserskianlage gut gelaunt über ihre ersten Fehlversuche. Umso größer ist der Jubel, als die ersten auf den Ski stehen bleiben und fröhlich ihre Runden reden – auch vom Publikum gibts für jeden erfolgreichen Start Beifall. . Wer nun weiter südlich wandert, lässt Ferienpark und Minigolfanlage und landet schließlich im Twisteseestübchen bei Veronika Prehar. „Uns hier unten vergisst man manchmal ein bisschen“, sagt sie, „die Besucherzahlen gehen in den vergangenen drei Jahren zurück.“ Und so finden Besucher auf der Liegwiese am Steg ohne weiteres ein gemütliches Plätzchen für sich und ihr Buch – das gleiche gilt allerdings auch für den gut besuchten FFK-Strand ein Stückchen weiter. Und was ist nun das besondere am Twistesee? „Na, er ist der einzige See im Landkreis, um den man komplett am Ufer drum rum wandern kann.“ Recht hat sie. Sieben Kilometer. Und es lohnt sich – bei Nebel und Sommersonne.

Von Theresa Demski

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