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Mit Brecheisen und Mikrowelle ein Arolser Baudenkmal erhalten

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Von: Armin Haß

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Der Blaue Salon im Schreiberschen Haus vor der Renovierung.
Der Blaue Salon im Schreiberschen Haus vor der Renovierung. © Armin Haß

Der größte Abschnitt der Sanierung im Schreiberschen Haus wird voraussichtlich in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Gesamtkosten für die Sanierung bezifferte Heinz-Jürgen Schäfer (Hannelore- und Heinz-Jürgen-Schäfer-Stiftung) gegenüber der WLZ mit 850.000 Euro.

Bad Arolsen – Davon trage der Bund den größten Anteil. Grund: das 305 Jahre Schreibersche Haus gilt zusammen mit dem Residenzschloss als bedeutendes nationales Denkmal in der Barockstadt. Einen hohen Anteil übernehme auch die Stadt Bad Arolsen, die die Stiftung auch in baufachlicher Hinsicht unterstütze. Zudem sind das Land im Rahmen des Denkmalschutzes und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligt und trägt die Gebäudeversicherung Kosten.

Nicht zuletzt muss die Stiftung Geld in die Sanierung stecken. „Das Schreibersche Haus liegt mir am Herzen“, betont Schäfer, dessen Stiftung sich seit Jahren auch als Kulturförderer betätigt. Wichtig ist dem Stifter-Ehepaaar indessen auch, dass das Gebäude bald wieder genutzt werden kann und auch Einnahmen erzielt werden.

Betonboden und Wandverkleidungen ausgebaut

Neben der Nutzung durch das Museum der Stadt Bad Arolsen werden Räumlichkeiten wie die Remise oder der Festsaal mit seiner wertvollen Ausstattung unter anderem für Hochzeiten, Konzerte und Festveranstaltungen genutzt. Auch die Wohnung soll wieder vermietet werden und der Waldeckische Geschichtsverein mit seinem Archiv in die angestammten Räume zurückkehren können.

Mit der Brechstange: Der Boden in einem der drei Erdgeschossräume im Haus Schreiber zu Bad Arolsen wurde unmittelbar nach Entdeckung des Schadens 2018 entfernt.
Mit der Brechstange: Der Boden in einem der drei Erdgeschossräume im Haus Schreiber zu Bad Arolsen wurde unmittelbar nach Entdeckung des Schadens 2018 entfernt. © Armin Haß

Der Betonboden im Museumsbereich im Parterre war herausgestemt worden, die künstlerischen Wandverkleidungen mussten abgenommen werden, und bald stellte sich heraus, dass auch im Obergeschoss der Schwamm steckte und Decken geöffnet werden mussten. Düstere Aussichten also für die Zukunft des Gebäudes.

Wasserschaden begüsntigt Schwamm

In dem Haus war 2018 zunächst ein Wasserschaden im Erdgeschoss und nach der Freilegung von Wänden und Boden Schwamm festgestellt worden. Der konnte glücklicherweise durch den Einsatz von Geräten mit Mikrowellentechnik erfolgreich bekämpft werden.

Wasserschaden an der Decke im Festsaal.
Wasserschaden an der Decke im Festsaal. © Armin Haß

Der Pilz hatte sich sogar durch den Betonboden gefressen, in den die Heizungsrohre Anfang der 1980-er Jahre verlegt worden waren. Aus den Rohren war rund 40 Jahre später Wasser ausgetreten, das sich über den Boden und die Wände zunächst unbemerkt ausgebreitet hatte.

Deckenschaden durch Lüftungsanlage

Wasserschäden waren dann auch in der Decke über dem Blauen Salon festgestellt worden, sodass die Wohnung und das Archiv des Geschichtsvereins geräumt werden mussten.

Seit längerem werden außerdem Wasserflecken in der Decke über dem Festsaal mit seiner wertvollen Ausstattung beobachtet. Grund ist eine Lüftungsanlage, die nun ausgebaut werden soll. Alternativ könnten nach Auskunft von Architekt Dipl.-Ing. Jürgen Schimmelpfeng (Architekturbüro Müntinga und Puy) Klimageräte im Saal aufgestellt werden oder könne man auch auf normales Lüften der Räume setzen.

Stiftung engagiert sich für Denkmal

Das Ehepaar Schäfer hat die Stiftung zur Förderung des Kulturlebens in Bad Arolsen bereits 2004 begründet und seitdem schon viele kleinere Projekte gefördert.

Voller Festsaal im Schreiberschen Haus. Vor großem Publikum steht ein  Sänger neben dem Klavier.
Das waren Zeiten: Tim Riemenschneider singt bei der Museumsnacht 2005 im Festsaal des Schreiberschen Hauses. Die Kulturfreunde müssen aber noch eine Weile warten, bis wieder Leben in die Räumlichkeiten einkehrt. Die 2018 begonnene Sanierung braucht noch Zeit. © Armin Haß

2012 stand ein Verkauf des Schreiberschen Hauses durch die Stadt zur Diskussion. Nach Gesprächen mit dem Magistrat erklärte sich das Ehepaar bereit, aus seinem Privatvermögen den Kaufpreis zu bezahlen und damit das Stiftungsvermögen noch einmal aufzustocken.

Museumsverein hilft mit Spenden

Weil die Zinsen am Kapitalmarkt nicht mehr so hoch sind, dass aus dem Ertrag einer Stiftung ein Museum unterhalten werden kann, hatte Schäfer vorgeschlagen, die laufenden Kosten für die Unterhaltung und die künftigen Kosten größerer Reparaturen auf drei Säulen zu stellen.

Eine Säule finanziert die Stiftung, eine weitere in Höhe von 15.000 Euro jährlich finanziert die Stadt. Der Museumsverein bemüht sich, aus den Reihen seiner Mitglieder und weiterer Sponsoren die dritte Säule zu bilden. Für die Stadt bedeuten die 15.000 Euro eine überschaubare Größe im Vergleich zu den zuvor jährlich aufzubringenden 30.000 Euro.

Blick in den symmetrisch angelegten Garten des Schreiberschen Hauses. In der Mitte ein Weg, der durch zwei kniehohe Buchsbaumhecken begrenzt wird.
Eine Besonderheit in der Barockstadt ist die Gartenanlage hinter dem Schreiberschen Haus. Die Sanierung des durch einen Wasserschaden betroffenen 305 Jahre alten Gebäudes ist vorangekommen. © Armin Haß

Das Gebäude zählt zu den ältesten der Barockstadt und gilt als Denkmal von nationaler Bedeutung.
Im Jahre 1869 erwarb Finanzrat Schreiber das Anwesen, das 110 Jahre im Familienbesitz blieb. Die Stadt Bad Arolsen kaufte das Nationale Denkmal 1979 von den Nachfahren und führte eine aufwendige Restaurierung durch.

Seit 2013 gehört das Gebäude der Hannelore-und-Heinz-Jürgen-Schäfer-Stiftung, die es zusammen mit der Stadt Bad Arolsen und dem Museumsverein erhält und kulturellen Zwecken zur Verfügung stellt. (Armin Haß )

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