Es ging um Drogen, Geld und Gewalt:

Mit Pistolen in Mengeringhausen: Jahrelange Haft für junge Räuber

Urteilsspruch im Landgericht Kassel.

Zwei junge Männer aus Bad Arolsen sind vom Landgericht Kassel zu langen Haftstrafen verurteilt worden.

Bad Arolsen / Kassel.  Bis zum Urteilsspruch hatte der 23-jährige Angeklagte aus Bad Arolsen sich so arrogant und herausfordernd-cool verhalten, dass er mehrmals von Richter Jürgen Dreyer zur Ordnung gerufen wurde. Auch sein 26-jähriger Mitangeklagter war dem Verfahren vor dem Landgericht wegen schweren Raubes oft mit einem spöttischen Lächeln und scheinbar gut gelaunt gefolgt.

Doch mit dem Urteil der 1. Strafkammer verging den beiden jungen Männern sichtbar das Lachen: Wegen besonders schweren Raubes wurde der vielfach und auch einschlägig vorbestrafte Ältere zu vier Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Der Jüngere erhielt nach Jugendstrafrecht zwei Jahre und drei Monate Gefängnis.

Mit Scheinpistolen Geld und Drogen erpresst

Die beiden Arolser erhielten damit die Quittung für einen besonders schweren Raub, der sich bereits Anfang November 2016 in der Wohnung eines heute 30-Jährigen in Mengeringhausen ereignet hatte.

Die beiden maskierten Täter waren mit vorgehaltenen Waffen - vermutlich Scheinpistolen - in die Wohnung eingedrungen, hatten die Pistolen dem Geschädigten an den Kopf gehalten und Drogen gefordert. Nach Überzeugung des Gerichts nahmen sie mindestens 200 Euro, Haschisch oder Marihuana und eine Playstation mit.

Strafverteidiger plädierten auf mildere Urteile

Der Raubzug war vom Geschädigten erst zwei Jahre später angezeigt worden, nachdem er von dem Angeklagten und seinem Bruder immer wieder bedroht worden war. Der heute 26-jährige Angeklagte verbüßte zu dieser Zeit bereits eine vierjährige Haftstrafe, weil er gemeinsam mit einem anderen eine Lotto-Annahmestelle in der Bahnhofstraße von Arolsen überfallen hatte.

Mit ihrem Urteil war die 1. Strafkammer genau dem Strafantrag von Staatsanwältin Dr. Susanne Sprafke gefolgt. Wolfgang Damm, Ex-Richter am Amtsgericht Korbach und jetzt Verteidiger des 23-Jährigen, forderte eine Verurteilung nicht wegen Raubes, sondern höchstens wegen Diebstahls.

Ergün Eser, der den 26-Jährigen verteidigte, hatte Freispruch für seinen Mandanten wegen widersprüchlicher Aussagen des Geschädigten gefordert.

Zeugen wirkten eingeschüchtert 

Das Verfahren warf ein Schlaglicht auf die Drogenszene im Raum Arolsen und Volkmarsen, in die wohl fast alle Beteiligten in unterschiedlicher Form eingebunden waren.

„Haben Sie Angst?“, hatte Richter Dreyer am Donnerstag einen Zeugen gefragt, der sich mit den beiden Angeklagten in Reichweite sichtlich unwohl fühlte. Der sagte zwar nein, doch für Staatsanwältin Sprafke stand fest, dass viele der jungen Männer und Frauen auf dem Zeugenstuhl Angst vor den Angeklagten und deren Umfeld hatten.

Für den jüngeren Angeklagten, der bislang durch Regelverstöße, nicht eingehaltene Termine mit Behörden und Jugendhilfe sowie ständig spürbarer Renitenz aufgefallen war, sollte die Haftstrafe, so die Hoffnung von Richter Dreyer, die Chance eröffnen, im Gefängnis endlich eine Berufsausbildung erfolgreich abzuschließen. Die Haft sei nötig, damit er nicht wieder vor der Verantwortung davonlaufe, sagte Dreyer.

(Von Thomas Stier)

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