Schmillinghausen feiert seine 700-jährige Kirche

Mittelpunkt des Dorfes und der Herzen

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- Gebeggert wird in Schmillinghausen nur zu Weihnachten und ganz besonderen kirchlichen Feiertagen. Am gestrigen Sonntag gab es Anlass genug für Karl-Ludwig Gröticke, mit seinen Helfern auf den Glockenturm zu.Mehr Fotos vom Schmillinghäuser Kirchenfest finden Sie in dieser Bildergalerie.

Bad Arolsen-Schmillinghausen. Bad Arolsen-Schmillinghausen. In schnellem Wechsel werden beim Beggern die schwere Glcoke von 1617 einmal und ihr Bruder dreimal per Hand mit dem Klöppel angeschlagen, um die Gemeinde zu rufen. Anlass war gestern die Feier zur Gründung der Schmillinghäuser Kirchengemeinde vor 700 Jahren. Es war zugleich die erste Erwähnung des Dorfes. Theoderich von Mederich hatte in einer Urkunde vom 23. April 1312 die Gründung eiern selbständigen Kirchengemeinde aktenkundig gemacht. Bis dahin gehörten die Schmillinghäuser zum Kirchspiel Külte. 700 Jahre später will die Landeskirche von Kurhessen-Waldeck Schmillinghausen und Külte wieder zusammenführen. Auf diese Weise soll eine Pfarrstelle eingespart werden. Kein Wunder, dass die Aussicht auf das Ende der Selbständigkeit so manchem die Feierlaune raubte. Doch Ortsvorsteher Rolf Engelhard machte in seinem Grußwort am Ende des Festgottesdienstes deutlich, dass die Entscheidung aus Kassel mit Zuversicht umgesetzt werden müsse. Kreativität und Kompromissbereitschaft seien jetzt gefragt, sagte Engelhard auch im Namen seiner Ortsvorsteher-Kollegen Tobias Viesehon aus Hörle und Burghard Scheele aus Herbsen: Ein Blick zurück zeige, dass es immer die Menschen gewesen seien, die die Kirche und das Dorf prägten, nicht irgendeine Obrigkeit. Auch Landrat Dr. Reinhard Kubat erinnerte daran, dass die Menschen in früheren Jahrhunderten ganz andere andere Herausforderungen zu meistern hatten. Mehrere Pestzüge, Hungersnöte und viele Kriege seien über das Land hinweggegangen. Mit Hoffnung und Zuversicht hätten die Menschen überlebt. Bad Arolsens Bürgermeister Jürgen van der Horst hob hervor, dass Kirchengemeinde und dörfliche Gemeinde über Jahrhunderte eine enge Einheit gebildet hätten. Im Zuge der Säkularisierung sei das Verhältnis von Kirche und Staat heute anders. Es sei nicht mehr selbstverständlich, regelmäßig in die Kirche zu gehen. Wenn es aber um Einsparungen von Pfarrstellen gehe, dann werde den Menschen wieder deutlich, wie wichtig ihnen die Kirche im Dorf sei. Es bestehe kein Grund, sich vor einem Zusammenschluss mit Külte zu sorgen, stellte van der Horst fest und verwies auf die gut-nachbarschaftlichen Beziehungen zu Volkmarsen: „Wir in Nordwaldeck halten partnerschaftlich zusammen. Wenn alle mitmachen, wird der Zusammenschluss mit Külte gelingen.“ Ähnlich äußerte sich auch Volkmarsens Erster Stadtrat Thomas Viesehon: Das Kirchspiel stehe für unzählige familiäre und freundschaftliche Kontakte. Genauso werde die Kirche bei den anstehenden Veränderungen die Menschen verbinden. Als äußeres Zeichen ihrer Verbundenheit stifteten die Goldkonfirmanden der Jahrgänge 1960, 61 und 62 der Kirche ein Sandstein-Relief, das an das 700-jährige Jubiläum erinnert.Der Festgottesdienst, den Pfarrerin Marianne Maltzahn gemeinsam mit Prälatin Marita Natt liturgisch gestaltete, wurde vom Männerchor, vom Frauensingkreis „Singt mit uns“, vom Posaunenchor und von der Schmillinghäuser Geigerin Claudia Renz musikalisch begleitet.

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