Bathildisheim in ehemalige Kaserne

Menschen mit Behinderungen Mitten ins Leben in Bad Arolsen

Neues Leben kehrt in das Gebäude 4 der ehemaligen belgischen Kaserne ein. Das Bathildisheim vermittelt und mietet Räume für betreutes Wohnen von Menschen mit Einschränkungen. Die Sanierung des ehemaligen Unterkunftsgebäudes für Soldaten zwischen Groscurth-Straße und Birkenweg schreitet voran.
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Neues Leben kehrt in das Gebäude 4 der ehemaligen belgischen Kaserne ein. Das Bathildisheim vermittelt und mietet Räume für betreutes Wohnen von Menschen mit Einschränkungen. Die Sanierung des ehemaligen Unterkunftsgebäudes für Soldaten zwischen Groscurth-Straße und Birkenweg schreitet voran.

Bad Arolsen – Mehr mittendrin geht gar nicht. Direkt im Herzen von Bad Arolsen am Belgischen Platz entsteht in einem seit Jahren leerstehenden früheren Mannschaftsgebäude der ehemaligen Kaserne ein Mehrparteienhaus.

Das Bathildisheim will hier Wohnraum für zehn Menschen mit Behinderung als besondere Wohnform anmieten. Besondere Wohnformen ist die leistungsrechtliche Bezeichnung für ehemals stationäre Einrichtungen.

Alternative zur Werkstatt

Ebenso sollen in diesem Gebäudekomplex Räumlichkeiten für das Tagwerk genutzt werden. Das Tagwerk ist ein Angebot zur Gestaltung des Tages für Menschen, die keinen Zugang zu einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung haben.

Darüber hinaus plant das Bathildisheim, in diesem Gebäude zehn Menschen mit Behinderung in ihren eigenen vier Wänden ambulant zu unterstützen. Die Zufriedenheit der Klienten, die in intensiv begleitete Wohngemeinschaften umziehen, ist immens, weiß die Projektmanagerin von „mein weg“, Martina Rösch.

Bildunterschrift/Beschreibung: Neues Leben kehrt in das Gebäude 4 der ehemaligen belgischen Kaserne ein. Das Bathildisheim vermittelt und mietet Räume für betreutes Wohnen von Menschen mit Einschränkungen. Die Sanierung des ehemaligen Unterkunftsgebäudes für Soldaten zwischen Groscurth-Straße und Birkenweg schreitet voran.

Der Umzug in die Stadtmitte würde mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderung ermöglichen. So können Menschen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf zusammen mit anderen Mietern leben.

Dezentralisierung beim Bathildisheim

Der Einzug soll voraussichtlich im Herbst 2022 stattfinden und dabei helfen, den Wohnstandort Neu-Berich weiter zu dezentralisieren. Seit 2013 ist die Dezentralisierung ein vorrangiges Thema bei Wohnangeboten für Erwachsene. Auch deshalb sucht „mein weg“ als Geschäftsbereich des Bathildisheims seither für die Bewohner des Standortes in Neu-Berich Alternativen. Mit Erfolg: 18 Frauen und Männer aus verschiedenen Gruppen in Neu-Berich zogen bereits in die neue Wohnanlage in Wolfhagen.

Mit den bereits realisierten Bau- oder Mietobjekten am Zimmerplatz für acht Personen in Bad Arolsen und in Sachsenhausen für 17 Personen nimmt das Ziel der Dezentralisierung immer weitere Formen an.

Schöne, neue Ansicht vom Gebäude 4 der alten Kaserne Bad Arolsen. 38 Eigentums- und Mietwohnungen entstehen dort. Das Bathildisheim mietet einen Teil der Räumlichkeiten für Wohnen und ein Tagwerk-Angebot an. Dieses Bild, an der Georg-Groscurth-Straße, stellte 1 A-Immobilienservice Kassel zur Verfügung.

Mehr und mehr Klienten entscheiden sich dabei für eine ambulante Form der Unterstützung. Ambulant bedeutet, dass die Unterstützungsleistung nicht in Räumen des Bathildisheims, sondern in den jeweiligen Wohnungen der Klienten erbracht wird.

So funktioniert Teilhabe

Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) sieht die Teilhabe von Menschen mit Behinderung auch im Lebensbereich Wohnen vor. Der Bathildisheim e.V. setzt das BTHG dahingehend um, dass Menschen mit Behinderung die Wahl haben, in welchen Sozialräumen sie wohnen, leben und arbeiten wollen. Das Bathildisheim hat bereits Häuser gebaut oder mietet, wie demnächst in der ehemaligen Kaserne in Bad Arolsen, Räumlichkeiten für Wohnen oder Arbeiten für Menschen mit Behinderungen an.

Zehn Personen mit dem Unterstützungsbedarf der besonderen Wohnformen und zehn Menschen im intensiv begleiteten Wohnen sollen dort ein neues Zuhause finden.

Das Gebäude vier in der ehemaligen Kaserne Bad Arolsen vor Beginn der Sanierung.

Integriert ist das Tagwerk für Bewohner mit komplexen Beeinträchtigungen, die nicht in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen vermittelt werden können. Ihnen stehen nun im Haus selbst Angebote zur Strukturierung des Alltags bereit.

Schöpferische Beschäftigung

Ähnliuch wie die Tagwerk-Gruppe, die es bereits in Volkmarsen gibt, werden dann besondere handwerkliche Beschäftigungen angeboten, wie dazu Vorstand Dr. Christian Geyer im Gespräch mit der WLZ erläuterte.

Dort werden dann Eigenprodukte hergestellt, die auch in den Verkauf gebracht werden sollen. Papier schöpfen, Grußkarten herstellen, Filzen, Kerzen ziehen oder die Herstellung von Holzerzeugnissen wecken kreative Anlagen. Und ein Verkauf der Erzeugnisse trägt mit zur Sinnstiftung und zur Inklusion bei.

Gerne in die Stadtmitte

Im Zuge der Dezentralisierung wollen vielle aus Neu-Berich gerne nach Bad Arolsen, wie Dr. Geyer berichtet. Andere lebten gerne ländlich in Ruhe, räumt der Bathildisheim-Vorstand auf Nachfrage ein.

Derzeit würden noch Möglichkeiten für den Erhalt einer kleinen Wohngruppe geprüft. Das bedeute eine wesentlich reduzierte Anzahl, etwa von einem guten Dutzend Menschen, die vielleicht noch in Neu-Berich wohnen könnten. Ansonsten habe sich das Pendeln der Menschen zwischen den neuen Wohnorten und der nach wie vor bestehenden Werkstatt für Menschen mit Behinderungen bewährt.

Sanierung in alter Kaserne

Das ehemalige militärische Mannschaftsgebäude aus den 1930-er Jahren ist von einem privaten Investor übernommen worden, der dort Eigentumswohnungen bauen lässt. Einen Teil wird demnächst das Bathildisheim als Mieter nutzen. ( Heike Saure / Armin Haß)

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