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Buch über Mühlen in Mengeringhausen mit Geschichte(n)

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Von: Armin Haß

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Sein Buch „Mengeringhäuser Mühlengeschichten“ präsentiert Prof. Martin Kipp (Mitte). Von links: Günter Engemann (Geschichtsverein), Ulrike Mertens (Luisen-Mühle), Dr. Hartmut Wecker (Landkreis), Wilhelm Müller (Schützengesellschaft), Ursula Jütte (Museumsverein), Dr. Birgit Kümmel (Museum der Stadt).
Sein Buch „Mengeringhäuser Mühlengeschichten“ präsentiert Prof. Martin Kipp (Mitte). Von links: Günter Engemann (Geschichtsverein), Ulrike Mertens (Luisen-Mühle), Dr. Hartmut Wecker (Landkreis), Wilhelm Müller (Schützengesellschaft), Ursula Jütte (Museumsverein), Dr. Birgit Kümmel (Museum der Stadt). © Armin Haß

„Mengeringhäuser Mühlengeschichten“ ist der Titel des neuesten Buches von Prof. Martin Kipp.

Bad Arolsen-Mengeringhausen –Das reichhaltig illustrierte Buch versammelt auf rund 140 Seiten die Geschichte von sieben Mühlen vom 14. bis 20. Jahrhundert und blickt dabei auch in die Lebensgeschichten.

Das war der Anlass

Anlass für die Zusammenstellung der Mühlengeschichte(n) bot das Jubiläum des Mühlrads im Stadtpark, der in diesem Sommer nach umfangreicher Umgestaltung mitsamt einem neuen Mühlrad aus Metall feierlich seiner Bestimmung übergeben werden soll.

Antonio Alonso und Martin Kipp vor dem fertiggestellten neuen Mühlrad. Im Hintergrund steht das 50 Jahre alte Exemplar. Foto Heinz Meuser
Antonio Alonso und Martin Kipp vor dem fertiggestellten neuen Mühlrad. Im Hintergrund steht das 50 Jahre alte Exemplar. Foto Heinz Meuser © Heinz Meuser

Die beiden Feuerwerker der Konstabler bei der Schützengesellschaft, Theodor Schwenke und Hermann Koch, hatten das Rad angefertigt, das 1972 im Park aufgestellt worden war. Es war an die damalige Stadt Mengeringhausen übergeben worden, die sie pflegen sollte.

Neues Mühlrad gebaut

Das neue Mühlrad ist mithilfe von Spenden gebaut und bereits aufgestellt worden. Das Buch gibt es nun auch zu kaufen. Das Freischießen, zu dem sein Erscheinen geplant war, wurde verschoben.

Das handliche Buch enthält Angaben zu sieben Mühlen, die hier nun - wie von dem Autor getan - in der Fließrichtung der Aar aufgezählt werden: Zunft-Lohmühle bei Leiborn, Süstern- oder Bergmühle, Hafersack-Mühle, Untere Tormühle, Galgen- oder Luisenmühle, Oelmühle und Alte Lohmühle in der Brede.

Umfangreiche Recherchen

Für Kipp, einen Mengeringhäuser Jungen, war es ein langwieriges Unterfangen, aus dem Staats- und dem Stadtarchiv und anderen Dokumentensammlungen oder dem Zeitungsarchiv der WLZ Unterlagen über das Mühlenwesen zu beschaffen und auszuwerten.

Die Müller waren als Pächter den Waldecker Grafen oder dem Fürsten verpflichtet und mussten ihm den Zins zahlen. Über die Auseinandersetzungen mit dem Magistrat der Stadt Mengeringhausen und mit den Zunftmeistern berichtet Kipp ebenso wie über die Lage der Mühlen, sowohl geographisch als auch wirtschaftlich, über Menschen und Schicksale, soweit diese aus den Dokumenten herauszulesen waren.

Publikationen beim Geschichtsverein

Ein Teil der Geschichten wurde bereits in verschiedenen Ausgaben der Waldeckischen Geschichtsblätter abgedruckt, in diesem Jahr wird in dieser Reihe noch ein Beitrag über die Ölmühle erscheinen. Nun erscheint auf vielfach Kompendium. Herausgekommen ist auch ein Werk über das Müllershandwerk. Neben seltenen Bildern vom Arbeitsalltag werden Dokumente und Handschriften in einem Anhang und im laufenden Text präsentiert.

Mit zweierlei Maß....

Kipp geht auch auf weniger rühmliche Kapitel ein. Speziell im Mittelalter waren Müller im allgemeinen nicht angesehen, den Mühlenbesitzern wurden Betrügereien nachgesagt. Die Redewendung „Mit zweierlei Maß messen“ bezieht sich auf derlei Gaunereien.

Karl Backhaus mit seinen Brüdern Ludwig und Hermann mit Ochsenkarren zum Mehltransport;
Karl Backhaus mit seinen Brüdern Ludwig und Hermann mit Ochsenkarren zum Mehltransport; © Privat

Berichten zufolge montierten Müller einen weiteren Beutel zum Abzweigen von Körnern oder Mehl. Das „Waldeckische Intelligenzblatt“ druckte Ende des 18. Jahrhunderts Berichte über Missbräuche oder Bevorteilung aus dem „Leipziger Intelligenzblatt“ nach.

Der Kriminalfall

Ein Kriminalfall, der vor Gericht kam, entwickelte sich um die Lohmühle Mengeringhausen und die Forderung des Zinses. In den Mühlen wurde seinerzeit Getreide gemahlen, Wolle vom Kloster Volhardinghausen gewalkt oder Eichenrinde für Ledergerber gestampft. Wegen der dabei entstehenden Brandgefahr standen die Lohmühlen außerhalb der Stadt, wie der aus Mengeringhausen Kipp berichtet.

Die Mühlen-Herrlichkeit ist nun vorbei. Mancher Mühlengraben und manches Wehr erinnert noch an die Gräben, über die das Waser in schöner Gleichmäßigkeit auf die Mühlräder geleitet worden war.

Über Jahrhunderte hinweg

Die Galgen- oder Luisenmühle war als eine der letzten Anfang der 60-er Jahre außer Betrieb genommen und in ein modernes Hotelrestaurant mit Schwimmbad umgewandelt worden. Seinerzeit gab der Staat Geld für die Stilllegung kleiner Mühlenbetriebe und deren Umwandlung.

Nach 730 Jahren wurde die Hafersackmühle 1964 aufgegeben. „Es ist wichtig, dass die Mühlengeschichte aufgeschrieben wird“, sagt Wilhelm Müller, Vorsitzender der Schützengesellschaft, über das Buch von Martin Kipp und hebt das Engagement der Konstabler hervor, die mit dem Mühlrad im Stadtpark die Erinnerung bewahren wollten.

Impulse für die Forschung

Mit seinen Veröffentlichungen liefere der Geschichtsverein Impulse für die Forschung, erklärte Dr. Hartmut Wecker vom Landkreis. Die Mühlen seien die ersten industriellen Produktionsstätten, weil sie ohne menschliche oder tierische Kraft arbeiten. Herausgegeben wurde das Buch vom Waldeckischen Geschichtsverein, der ebenfalls einen Zuschuss gab.

Vorsitzender Günter Engemann dankte den Sponsoren, dem Landkreis Waldeck-Frankenberg als größter Geldgeber, der Schützengesellschaft und dem Museumsverein Zu kaufen gibt es das Buch für zehn Euro bei der Buchhandlung Kirstein in Bad Arolsen, und beim Haus- und Handwerkermuseum in Mengeringhausen. (Armin Haß)

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