Einsatzstatistik listet 101 Hilfeleistungen und 35 Brände auf

Nach Kampfabstimmung über den Posten des Stadtbrandinspektors: Dritte Amtszeit für Meyer

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Noch nicht komplett ist das neue Führungsteam der Feuerwehr Bad Arolsen: Es fehlt der erste von zwei stellvertretenden Stadtbrandinspektoren. Das Foto zeigt von links den zweiten stellvertretenden Stadtbrandinspektor Sven Eichweber, die Stadtjugendfeuerwehrwarte Anna Gerhard, Stefan Steinbrecht (es fehlt Stadtjugendwart Jan Schulze, der an diesem abend Vater wurde), Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Meyer, und Bürgermeister Jürgen van der Horst.  

Gleich drei gestandene Hauptbrandmeister sind am Freitagabend in der Helser Bürgerhalle bei der Wahl zum Chef der Arolser Feuerwehren angetreten.

Bad Arolsen. Nach Auszählung der 195 in geheimer Wahl abgegebenen Stimmzettel stand fest, dass Karl-Heinz Meyer, der das Amt vorbildlich und sehr fachkundig über zehn Jahre ausgefüllt hat, nun eine dritte fünfjährige Amtszeit antreten wird.

Für ihn stimmten 129 Mitglieder der Einsatzabteilungen. Auf seinen Herausforderer Sven Ammenhäuser aus Wetterburg entfielen 53 Stimmen. Der bisherige stellvertretende Stadtbrandinspektor Michael Seebold konnte nur zehn Stimmen auf sich vereinen.

Null-Drei macht weiter, Null-Zwei wird gesucht

Nach einem spannenden Abstimmungskrimi mit Vorstellungsrunde und langer Abstimmungspause war die Bühne frei für den zweiten Akt der Wahlveranstaltung: Es fand sich kein Kandidat für den feuerwehrintern Null-Zwei genannten stellvertretenden Stadtbrandinspektor. Auch eine Sitzungsunterbrechung mit intensiven Gesprächen führte nicht zur Findung eines Kandidaten.

Also ging Bürgermeister Jürgen van der Horst in seiner Funktion als Wahlleiters zur Wahl des zweiten Stellvertreters über: Als Null-Drei hatte sich in den vergangenen Jahren Sven Eichweber bewährt.

Er war nach dem internen Aufgabenverteilungsplan für alle Fragen rund um den Atemschutz und hatte sich bereit erklärt, allen beruflichen Verpflichtungen zum Trotz dieses Amt für weitere fünf Jahre ausüben zu wollen.

Bei der anschließenden geheimen Wahl konnte Eichweber 119- Ja-Stimmen und 66 Nein-Stimmen auf sich vereinen.

Appell an das Kameradschaftsgefühl

Vor Beginn der Wahlgänge hatte der Rathauschef die Feuerwehrleute zum kameradschaftlichen Miteinander aufgerufen. Führung sei keine einfache Aufgabe. Dazu sei Kommunikationsfähigkeit, Kritikfähigkeit und Ausstrahlung vonnöten. Über allem aber müsse die Klammer der Kameradschaft stehen.

Der Wahlwettbewerb von drei Kandidaten sei per se nichts Negatives. Er selber habe bei seinen beiden Wiederwahlen auch erlebt, dass eine Wahl ohne Gegenkandidaten eher langweilig sei,

Er jedenfalls habe Respekt vor allen Kameraden, die sich zur Wahl stellten und die verantwortungsvollen Aufgabe stellen wollten. Der Magistrat werde das neu gewählte Team nach Kräften unterstützen.

Nach seiner Wiederwahl dankte der Stadtbrandinspektor seinen Gegenkandidaten für ihre Kandidatur und rief zur Fortsetzung der kameradschaftliche Zusammenarbeit auf. Er hoffe, dass nach einer Bedenkzeit zeitnah auch ein neuer Null-Zwei gewählt werden könne.

Als Stadtjugendfeuerwehrwarte wurden Jan Schulze mit den Stellvertretern Stefan Steinbrecht und Anna Gerhard in ihren Ämtern bestätigt.

Jugend- und Altersabteilungen gut aufgestellt

Verantwortlich für den Bereich Technik bleibt der einzige hauptamtliche Feuerwehrmann der Stadt, Harald Butterweck.

Die Sprecherinnen für die Kinderfeuerwehren bleiben Cindy Galgon-Weiß und Nadja Neumeier.

Die Alters- und Ehrenabteilung wird von Gerd-Udo Wunderatsch und Karl-Wilhelm Gröticke geleitet.

Der nicht besetzte Stellvertreter-Posten soll demnächst bei einer weiteren Jahreshauptversammlung der Arolser Feuerwehren gewählt werden. Bei dieser Gelegenheit sollen auch die anstehenden Ehrungen und Beförderungen nachgeholt werden.

Bad Arolser Feuerwehr konnte 21 Menschen retten

Eine stattliche Leistungsbilanz der Bad Arolser Feuerwehren hat Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Meyer am Freitagabend bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung aller Stadtteilfeuerwehren in der Bürgerhalle Helsen vorgelegt. Die 323 Mitglieder der Einsatzabteilungen waren im vergangnen Jahr bei 184 Einsätzen gefördert. Es gab 27 Brände im Stadtgebiet zu löschen sowie acht weitere in den Nachbargemeinden. 

Zur Bilanz gehören 101 Hilfeleistungen, meist bei Autounfällen. 21 Personen konnten aus lebensbedrohenden Situation befreit werden. Die Statistik listet 11.000 Einsatzstunden auf, sowie 16.500 Stunden für Aus- und Fortbildung. Der für den Bereich Technik zuständige stellvertretende Stadtbrandinspektor Sven Eichweber berichtete über die Situation bei den Atemschutzgeräteträgern. Laut Plan müssten die Arolser Feuerwehren 116 ausgebildete Atemschutzgeräteträger vorweisen. 

Besonders hohe Anforderungen an Atemschutzgeräteträger

Tatsächlich hätten aber nur 79 Einsatzkräfte die vorgeschriebene aktuelle Bescheinigung über die medizinische Prüfung vorgelegt. Nur 56 hätten im vergangenen Jahr die vorgeschriebene Belastungsübung absolviert. So komme es, dass aktuell nur 17 Einsatzkräfte alle vorgeschriebenen Voraussetzungen erfüllten. 

Bei der jüngsten kreisweiten Beschaffungsaktion wurden für Bad Arolsen 81 moderne Atemschutzgeräte sowie acht Reservegeräte in Betrieb genommen. Wie wichtig die Atemschutzausbildung auf Landesebene genommen werde, beweise die neue Vorschrift, wonach künftig nur noch dann neue Fahrzeuge bezuschusst würden, wenn dafür die vorgeschriebene Zahl von Atemschutzgeräteträgern nachgewiesen werden, erklärte Meyer. 

Schnelligkeit zählt

Das sei zwar realitätsfern und bedrohe auf lange Sicht die Existenz der kleinen Feuerwehren, entspreche aber den aktuellen Richtlinien aus Wiesbaden. Der Stadtbrandinspektor beklagte, dass diese Regelung im Ballungsraum sinnvoll sei, nicht aber „auf dem flachen Land“, wo es wichtig sei, im Alarmfall möglichst schnell Einsatzkräfte vor Ort zu haben. 

Auch wenn diese keine Atemschutzgeräte tragen dürften, könnten sie doch als Erste die Lage erkunden, Schlauchleitungen verlegen und einen Erstangriff ausführen. Im übrigen müsse nicht bei jedem Einsatz ein Atemschutzgerät getragen werden. Bei Verkehrsunfällen komme es vor allem darauf an, schnell vor Ort zu sein.

Enorme Investitionen in den Brandschutz geplant

Auf 4,3 Millionen Euro summiert sich derInvestitionsbedarf für die Bad Arolser Feuerwehren laut Bedarfs- und Entwicklungsplan. Das ist eine Dimension, die mit dem Neubau des Feuerwehrstützpunktes zur Jahrtausendwende zu vergleichen ist, wie Bürgermeister Jürgen van der Horst bei der Zusammenkunft aller Bad Arolser Stadtteilfeuerwehren in Helsen bekräftigte. 

Allerdings wird das Geld diesmal gezielt zur Stärkung des Brandschutzes in den Stadtteilen verwendet. So wird demnächst mit dem rund 900 000 Euro teure Neubau des Feuerwehrhauses in Schmillinghausen und der 400.000 Euro teure Umbau des Feuerwehrhauses in Wetterburg begonnen. Für 450 000 Euro wird ein neuer Gefahrgutwagen angeschafft. In Mengeringhausen wartet man auf ein neues Löschgruppenfahrzeug LF20.

Nachwuchsgewinnung wichtig - Pflichtfeuerwehr vermeiden

Nachdem 2019 knapp 90 neue Atemschutzgeräte beschafft wurden, sind im neuen Jahr 120.000 Euro für eine neue Brandschutzbekleidung eingeplant. Ebenfalls neu beschafft wurden neue Spinde für die Feuerwehrhäuser in Landau, Braunsen und Bad Arolsen,. Umbauten wurden in Braunsen und Landau nach den Forderungen des technischen Prüfdienstes umgesetzt. All diese Investitionen seien nötig, um den Brandschutz in der Stadtteilen auf Dauer sicherzustellen.

 Ebenso wichtig sei allerdings die Nachwuchsgewinnung, wie Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Meyer unterstrich. Besonders in der kleinen Ortsteilen wie Kohlgrund und Neu-Berich werde es künftig nicht leicht sein, eine Pflichtfeuerwehr zu vermeiden. Die Werbeaktion der Feuerwehren aus Neu-Berich und Wetterburg werde hoffentlich einen Ansatz für die Gewinnung von Quereinsteigern geben. 

Anerkennung für gute Jugendarbeit

Wichtig sei daher die Arbeit in den Jugendfeuerwehren, aus denen im vergangenen Jahr immerhin fünf junge Leute in die Einsatzabteilungen aufrückten. Ausdrücklich lobte Bürgermeister Jürgen van der Horst den Einsatz der rund 1000 Mitglieder in den Feuerwehren der Stadt. Neben dem Brandschutz würden die Feuerwehren wertvolle Jugendarbeit leisten und Aufgaben für den Zusammenhalt in den Dörfern übernehmen. „Brandschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. 

Der Magistrat leiste  seinen Beitrag auf der Grundlage des von der Feuerwehr erarbeiteten und vom Stadtparlament beschlossenen Bedarfs- und Entwicklungsplans. Der Bürgermeister erinnerte an die Großeinsätze auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 sowie bei den Großbränden im Mengeringhäuser Baumarkt und im Sägewerk auf dem Hagen.

Bei all diesen Einsätzen hätten sich die Feuerwehren der Stadt Bad Arolsen als professionelle Mannschaft mit einem sehr engagierten Führungsteam erwiesen, Dafür und für die tägliche Einsatzbereitschaft seien die Bürger und die städtischen Gremien sehr dankbar, versicherte der Bürgermeister.

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