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IHK startet in Bad Arolsen mit Tipps für eine Nachfolge in den Unternehmen

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Von: Armin Haß

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Auftaktveranstaltung der IHK zur Nachfolgeregelung in Unternehmen bei der Firma Alu-Tec in Bad Arolsen. Unser Bild zeigt, von links: Aaron Gruhs, Susanne Eiben-Gruhs von Alu-Tec, Carsten Hohmann (Waldecker Bank), Geschäftsführender Gesellschafter Armin Gruhs, Sophia Gruhs sowie von der IHK Carolin Dobersch und Miriam Postlep.
Auftaktveranstaltung der IHK zur Nachfolgeregelung in Unternehmen bei der Firma Alu-Tec in Bad Arolsen. Unser Bild zeigt, von links: Aaron Gruhs, Susanne Eiben-Gruhs von Alu-Tec, Carsten Hohmann (Waldecker Bank), Geschäftsführender Gesellschafter Armin Gruhs, Sophia Gruhs sowie von der IHK Carolin Dobersch und Miriam Postlep. © Armin Haß

Die Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg hat in Bad Arolsen bei der Firma Alu-Tec der Familie Gruhs eine Veranstaltungsreihe zum Thema Unternehmensnachfolge eröffnet.

Bad Arolsen - An Insgesamt sechs verschiedenen Standorten will die IHK übergabebereite und an einer Nachfolge Interessierte umfassend informieren über das wichtige Thema.

Richtiger Zeitpunkt

Ein Drittel der Unternehmer müsste sich jetzt Gedanken über eine Nachfolgeregelung machen, wie IHK-Teamleiter Carsten Heustock berichtet. Spätestens drei Jahre vor einem beabsichtigten Übergabezeitpunkt müsse mit den Vorbereitungen begonnen werden.

In 53 Prozent der Nachfolgeregelungen wird das Unternehmen innerhalb der Familie übergeben. Dazu gehört auch das 53 Mitarbeiter zählende Familienunternehmen Alu-Tec. Der vor ein paar Jahren mit dem Umzug des innovativen Aluguss-Betriebs von Breuna ins Gewerbegebiet Mengeringhäuser Feld 2016 begonnene Prozess läuft wie eine Geschichte aus einem Bilderbuch, wie die Teilnehmer des Informationstreffens bei Alu-Tec erfuhren.

Wünsche der Kinder im Vordergrund

Geschäftsführender Gesellschaft Armin Gruhs wird im kommenden Jahr 60. Als die Firma 2015/2016 umzog, wurden erste Weichen dafür gestellt, dass Sohn Aaron und Tochter Sophia in führende Position in die Firma gehen würden. Die Tochter hatte gerade das Abitur gemacht. Dann hat sie eine kaufmännische Ausbildung im elterlichen Betrieb und ein Studium der Betriebswirtschafts mit dem in Kürze anstehenden Bachelor-Abschluss begonnen.

In einem anderen Unternehmen absolvierte der nun für Technik und Innovationen bei Alu-Tec zuständige Bruder Aaron die Ausbildung zum Werkzeugmechaniker absolviert. Er verfügt nun über die Prokura.

Gemeinsames Konzept

Die Eltern bekräftigen beide, dass sie zwar insgeheim darauf gehofft hätten, die Kinder würden das Unternehmen einmal unernehmen, doch Druck hätten sie nicht gemacht und es letztlich den Kindern überlassen, eine Entscheidung zu treffen.

Susanne Eiben-Gruhs (Personal und Buchhaltung): „Mein Wunsch war, dass sich die Kinder ihren Wunsch erfüllen.“ Freilich gab es immer wieder Gespräche, und jetzt äußern sich alle Vier zufrieden darüber, wie der Nachfolgeprozess nun abläuft. Unwidersprochen stellte Armin Gruhs bei der IHK-Veranstaltung fest: „Das würden wir wieder so machen.“ Aaron Gruhs bekräftigt: Wir fühlen uns gut gewappnet und haben ein gutes Team hinter uns. Wir sind auch mit dem Unternehmen großgeworden.“

Hier stünde Nachfolge an

Bei 3700 Betrieben in Deutschland stehe eine Nachfolgeregelung in den nächsten fünf Jahren an, so Carolin Dobersch, Leiterin des IHK-Service-Zentrums Waldeck-Frankenberg. Indessen sinkt die Zahl derjenigen, die sich für eine Nachfolge interessierten und steige die Anzahl der Seniorunternehmer, die Gedanken über die Zukunft des Betriebs machen müssten.

Damit es nicht zu spät wird, bietet die IHK die sogenannte Roadshow zur Nachfolgeregelung für Unternehmen an. Dabei bringen sie interessierte Firmenvertreter aus den jeweiligen Regionen zusammen. Miriam Postlep, Projektleiterin für die Unternehmensnachfolge bei der IHK, weiß, wie schwer sich Unternehmer und auch an einer Nachfolge Interessierte mit einer Entscheidung täten. Da gelte es für die Seniorchefs oder Chefinnen auch, emotional lozulassen und unangenehme Themen rechtzeitig anzugehen, etwas was im Falle eines Unfalls oder des Todes zu geschehen habe.

Wichtige Grundlagen

Fundiertes Wissen, die Bereitschaft zu langen Arbeitstage, eine gewisse Risikobereitschaft oder auch ein sicheres Bauchgefühl seien schon wichtig, rät Armin Gruhs. Strukturiert und sparsam müssten die angehenden neuen Firmenchefs ebenfalls vorgehen.

Für die Roadshow hat die IHK auch externe Fachleute eingeladen, die im Forum und in Einzelgesprächen generelle Tipps für die Nachfolge geben könnten. Steuerberater und Diplom-Betriebswirt Ralf Schreiber wies darauf hin, dass das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz gegenwärtig ein gewisses Verschonungsinstrumentarium enthält, dass sich auf das Produktivvermögen beziehe.

Tipps bei IHK-Veranstaltungen

Carsten Hohmann, bei der Waldecker Bank für das Firmenkundengeschäft zuständig, machte deutlich, wie wichtig eine klare Risikoeinschätzung und die nötige Qualifikation seien. Schließlich gelte auch der Grundsatz Liquidität vor Rentabilität.

Letztlich müssten alle wichtigen Dinge geklärt sein, um den Kopf für das Alltagsgeschäft freizuhaben. Das bedeutet, dass sich Interessierte an einer Übernahme nicht überschätzen und auf gute Beratung Wert legen sollten.

Begleitung angeboten

Simone Gerbig, Nachfolge-Coach im Projekt Nexxt Now beim Schwalm-Eder-Kreis, begleitet Unternehmer bei solchen Prozessen und gab auch in Bad Arolsen manchen wichtigen Tipp. (Amin Haß )

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